Wort Zum Sonntag

„Was hat eigentlich eine leckere Brezel mit Beten zu tun?“

Was hat eigentlich eine leckere Brezel mit Beten zu tun?

Was hat eigentlich eine leckere Brezel mit Beten zu tun?

Anke Krauskopf
Anke Krauskopf
Apenrade/Aabenraa
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Wer zu Gott betet, ist ganz bei sich und sucht nicht nur innerliche, sondern auch äußerliche Ruhe. Eine Brezel bringt genau das zum Ausdruck. In ihrem Wort zum Sonntag, 5. Mai 2024, erklärt Pastorin Anke Krauskopf, warum.

Das Wort Brezel geht auf das lateinische Wort „bracchium“ zurück, zu Deutsch: Unterarm. Die Form einer Brezel soll ein wenig an verschränkte Unterarme erinnern. 

Wenn ein Mensch mit verschränkten Armen irgendwo sitzt, symbolisiert das dem gewieften Laienpsychologen sofort: Ich bin ganz bei mir, bin vielleicht auch verschlossen, auf Abwehr gebürstet. Und dieses „bei-sich-sein“ ist gemeint, denn die verschränkten Arme waren bei Mönchens früher eine übliche Gebetshaltung zur Konzentration. 

In der Tat: Hände und Arme sind ruhig und der Körper kann durch diese Haltung keine ausladenden Bewegungen mehr machen. Die Brezel symbolisiert die zum Gebet verschränkten Arme der Mönche und dienten früher als Abendmahlsgebäck. Verschränkte Arme sind natürlich nur eine mögliche Gebetshaltung, es gibt viele andere. In unserer evangelischen Tradition werden die Hände gefaltet, andere legen die Hände aneinander. Man kann auch mit geöffneten Händen empfangend vor Gott stehen, ja sogar die Arme nach oben Gott entgegenstrecken, oder das Gesicht zu Boden neigen. Egal, welche Gebetshaltung man einnimmt, allen ist gemeinsam, dass sie auf innere Sammlung ausgerichtet sind. 

Ein Gespräch mit Gott hebt sich ab von Gesprächen mit anderen Menschen. Wenn ich ernsthaft mit Gott reden und vor allem auch hören will, was er mir zu sagen hat, dann geht das nicht nebenbei, ausgenommen Stoßgebete vielleicht, sondern ich muss mich innerlich darauf einstellen und das funktioniert am besten, wenn ich mich auch äußerlich einrichte. In gesammelter Haltung kommen meine Gedanken zur Ruhe und ich kann die Stille in mir aushalten und vielleicht tatsächlich hören, was Gott mir zu sagen hat:

„Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger zu sagen. 

Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz

zum Reden ist, ich wurde ein Hörer.

Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist,

sondern hören.

So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören.

Beten heißt: Still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört“ (Søren Kirkegaard).

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