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23-jähriger Koch: Zehn Gänge sind Kretzmanns Geschäft

23-jähriger Koch: Zehn Gänge sind Kretzmanns Geschäft

23-jähriger Koch: Zehn Gänge sind Kretzmanns Geschäft

Sonderburg/Sønderborg
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Alexander Kretzmann in seinem Restaurant „Dining by Kretzmann" in der Perlegade 20 Foto: Karin Riggelsen

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Der Gründer des Restaurantkozepts „Dining by Kretzmann“ ist ein Perfektionist, der sich und seinen Angestellten viel abverlangt. Ein gutes Arbeitsklima und der Kontakt zu den Gästen bedeuten Alexander Kretzmann sehr viel. Im Gespräch verrät er, warum und wie er sich selbstständig gemacht hat.

Der Sonderburger Alexander Kretzmann ist Koch aus Leidenschaft – und hat sich mit Anfang 20 selbstständig gemacht. Gelernt hat er im Alsik Hotel & Spa an der Sonderburger Hafenfront. Dort hat er im Sterne-Restaurant Michelin-Gourmets mit Leckereien der feinsten und teuersten Art verwöhnt. 

Der 23-jährige Sonderburger liebt gute Speisen. Er ist nach seinen knapp vier Jahren beim dänischen Masterchef-Experten und Michelin-Koch Jesper Kock und dessen Team das Beste vom Besten gewöhnt. „Es waren die besten Jahre in meinem Leben – und Jesper ist eine unglaublich nette Person“, stellt er heute noch dankbar fest. 

Gut aber günstig

Als selbstständiger Jungunternehmer hat Alexander Kretzmann einen ganz anderen Weg eingeschlagen. In seinem Restaurant „Dining by Kretzmann“ verwöhnt er die Kundinnen und Kunden in der Sonderburger Innenstadt mit feinen Kreationen, ohne dass sie dafür Tausende von Kronen zahlen müssen. 

Bei ihm kostet das Zehn-Gänge-Menü „Oplevelse“ (Erlebnis) je nach Wochentag 499 bis 699 Kronen. Diese Preise sind inklusive Wein und Wasser. Ohne Weinbüffet kosten die Speisen 399 Kronen. 

Beim zweiten Komplett-Paket variieren die Preise von 799 bis 999 Kronen. Ohne Weinbüffet, Kaffee und Süßigkeiten kostet es 499 Kronen. 

 

Der Jungunternehmer hat deutsche Wurzeln – der Großvater Kretzmann lebte in Satrup in Angeln. Foto: Karin Riggelsen

Nebenbei bietet Alexander Kretzmann Private Dining, Take Away oder auch die Durchführung von Festen an, die von seinem Team bis auf das kleineste Detail geplant werden.  

Er lebt vom guten Geschmack

Der 23-Jährige, der am 26. November 2022 seine Ausbildung im Alsik mit einer vornehmen Bronze-Medaille abschloss, setzt in seinem eigenen Unternehmen in der Perlegade auf Nachhaltigkeit, lokale Waren, ein gutes Arbeitsklima und natürlich auf zufriedene Gäste. 

„Ich mache nie Kompromisse beim Geschmack, den Rohwaren oder dem Handwerk“, stellt er lächelnd fest. Alexander Kretzmann lebt vom guten Geschmack. Seine Speisen sollen ein exquisites Vergnügen und doch für so gut wie jeden erschwinglich sein.

 

Das Restaurant von Alexander Kretzmann liegt direkt in der Sonderburger Innenstadt. Foto: Karin Riggelsen

Ein wohl zubereitetes Mahl hat den professionellen Koch von klein auf begeistert. „Ich habe schon immer die Speisen geliebt. Mahlzeiten waren von Anfang an mein Ding. Ich gehe auch gern in gute Restaurants oder in ein Bistro. Der Kontrast zwischen den verschiedenen Küchen gefällt mir“, so der Jungunternehner. 

Wollte immer Koch werden

Er hat schon von Kindesbeinen an gewusst, dass er einmal ein Koch werden wollte. Der junge Alexander war aber kein Junge, der das lange Stillsitzen in der Schule toll fand. Bei ihm muss etwas passieren. Nach zehn Jahren in der Privatskolen Als kam er ins Gymnasium und anschließend in die Handelsschule, um auf klassischem Wege in die Küchen der Gourmets zu gelangen. 

 

Sein zweites Zuhause ist die Küche. Selbst isst Alexander Kretzmann übrigens am allerliebsten Gerichte mit Fisch. Foto: Karin Riggelsen

Aber dann öffnete sich für ihn eine ganz andere Tür. Der bei Feinschmeckern in ganz Dänemark anerkannte Jesper Koch übernahm die bald in höchsten Tönen gepriesene Küche des Steigenberger Hotels Alsik in Sonderburg. Alexander Kretzmann bewarb sich und erhielt den Job.

Corona der Beginn von Private Dining

„Seit 2019 ging es bei mir also nur noch ums Essen“, meint er lächelnd. Kretzmann wusste: Er war an seinem rechten Fleck gelandet. Die Lehrzeit eines angehenden Kochs dauert drei Jahre und neun Monate. 

2021 musste auch das Hotel Alsik wegen der weltweiten Corona-Pandemie die Angestellten nach Hause schicken. Bei den vielen freien Stunden bekam der energische Kretzmann aber eine neue Idee: das Private Dining. Bei dem Projekt liefern der Koch und sein Team zu Hause bei den Kunden die gastronomischen Erlebnisse ins Haus. 

 

 

Den Gästen in Kretzmanns Restaurant werden zehn Gänge serviert. Foto: Karin Riggelsen

Das private Dinner wurde für den Alsik-Lehrling der Beginn eines neuen Kapitels. „Ich war in ganz Dänemark unterwegs. Das hat mir sehr viel gebracht. Aber ich habe auch viele Freizeitinteressen aufgegeben. Ich konnte auch nicht an diversen Familienfesten teilnehmen“, gibt er zu. Für ihn war Schluss mit Fußball, Motocross oder Trommelspielen.

Guter Ton ist wichtig

Verschiedene Medien haben immer wieder von einem rauen Umgangston in bekannten Sterneküchen berichtet. Davon hält der Sonderburger nichts. „Ich habe 15 Angestellte. Bevor das Restaurant um 17 Uhr aufmacht, essen wir etwas zusammen und reden. Um 17 Uhr geht es dann los. Dann haben alle ihren Fokus auf die Gäste“, so Kretzmann, der aber auch feststellt, dass die Restaurantbranche „kein Kindergarten“ ist. 

Im Sommer kann man auch im stimmungsvollen Hinterhof speisen. Foto: Karin Riggelsen

Nach drei Wochen mit einem probeweisen Pop-Up-Restaurant in dem ehemaligen Schlachterladen in der Perlegade 20 wagte Kretzmann 2022 den Sprung zum Vollzeit-Restaurant. Nach Corona und dem Kriegsausbruch in der Ukraine waren aber nicht mehr so viele Menschen auf teure Mahlzeiten eingestellt. Deshalb fand er mit seinem eigenen „Dining“, ein neues kostengünstigeres Konzept. „Das Ganze soll einfach etwas lockerer sein. Hier muss man sich nicht für eine Mahlzeit entscheiden. Das tun wir“, meint der Jungunternehmer. 

Aus eigener Tasche finanziert

Sein Restaurantprojekt hat er voll aus eigener Tasche finanziert. „Das habe ich mir beim Private Dining zusammengespart. Einem so jungen Mann wie mir leihen die Banken keine Krone“, meint Alexander Kretzmann. 

Das Restaurant mit den 36 Sitzplätzen ist am Wochenende oft voll belegt. „Es ist überhaupt nicht toll, wenn man Gästen absagen muss“, so der 23-Jährige, der gerade an den Wochenenden noch ein paar weitere Sitzgelegenheiten brauchen könnte. Aber er bleibt erst einmal bei dem, was er hat: „Ich hätte auch gegen zehn weitere Jahre hier überhaupt nichts einzuwenden.“

 

Sein eigenes Restaurant hat sich Kretzmann aus Erspartem finanziert. Foto: Karin Riggelsen

Er hat viel erreicht und seine Eltern – sein Vater ist Installateur, seine Mutter Hundefriseurin – sind stolz auf ihren Sohn. Er lebt allein und hat keine Kinder. Der 23-Jährige hat vielleicht nicht so viele, dafür aber sehr enge Freunde, auf die er sich immer verlassen kann. „Es ist ja begrenzt, wie viele Stunden ich zu Hause verbringe“, sagt der Restaurant-Besitzer. 

Zwei Wochen Urlaub

Nach Jahren mit unglaublich vielen verschiedenen Aktivitäten und Verpflichtungen – zu Neujahr lieferte er 550 Mahlzeiten und sorgte obendrein in einem Heim in Kollund bei einem Private Dining für einen guten Rutsch – hat er sich im Januar dann völlig extraordinär zwei Wochen Urlaub gegönnt. Auf die Frage, was er gemacht hat, antwortet er: „Nichts. Überhaupt nichts.“ 

Er liebt es, sich in anderen Restaurants in anderen Städten ein Mahl servieren und vielleicht auch inspirieren zu lassen. Für ihn ist niemand perfekt: „Ich will immer noch tüchtiger werden. Etwas dazu lernen.“ 

 

Die Leute in Sonderburg haben mich unglaublich gut unterstützt. Hier wollen die Leute etwas und sie tun etwas dafür.

Alexander Kretzmann

Alexander Kretzmann träumt wie wohl die meisten Köche von einem Michelin-Stern: „Das ist doch die größte Anerkennung, die man bekommen kann.“ Er will einfach jeden Tag das Beste liefern und andere glücklich machen. Ein schlechtes Gewissen hasst er. „Ich war schon immer ein Perfektionist, und ich kann zwischendurch auch etwas ’nørdet’ werden“, gibt er zu. Egal, was er macht – er braucht immer einen roten Leitfaden. 

„Dining by Kretzmann“

Diesen richtigen Leitfaden hatte er bei seinem „Dining by Kretzmann“. „Ich habe hier oben eigentlich nicht so viele Touristen. Ich setze eher auf die lokale Bevölkerung. Die Leute in Sonderburg haben mich unglaublich gut unterstützt. Hier wollen die Leute etwas und sie tun etwas dafür. Vielen Dank Sonderburg.“ 

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