Schlachterei-Betrieb

Danish-Crown-Chef in Blans: „Suchen deutsche Mitarbeiter“

Danish-Crown-Chef in Blans: „Suchen deutsche Mitarbeiter“

Danish-Crown-Chef in Blans: „Suchen deutsche Mitarbeiter“

Blans
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Schlachterei-Chef Ole Carlsen arbeitet seit 35 Jahren in Blans. Foto: Sara Eskildsen

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Die Schlachterei in Blans lässt sich das Wohl der Angestellten etwas kosten und erweitert und renoviert Aufenthaltsräume und Umkleiden. Warum Danish Crown fürs Personal tief in die Firmenkasse greift, erläutert Chef Ole Carlsen.

Hände desinfizieren und eine neue Mund-Nasen-Bedeckung aufziehen – die Angestellten im Foyer der Schlachterei von Danish Crown in Blans sind im neuen Alltag gelandet. Auf dem Weg zurück von der Pause gehen sie durch einen langen Gang, vorbei an der Kantine und hin zu den Umkleideräumen.

Die Aufenthaltsräume sind ebenfalls wie das Foyer original aus dem Jahr 1977, als die Schlachterei in Blans in Betrieb ging.

Rund 200 Pendler arbeiten in Blans

Rund 1.400 Angestellte arbeiten in Blans – rund 200 davon sind Pendler aus Deutschland. Und von denen hätte Ole Carlsen gerne mehr. „Wir brauchen neue Mitarbeiter und wir suchen auch über die deutsche Grenze hinweg“, so Carlsen.

„Viele unserer deutschen Mitarbeiter kamen in den 2000ern mit einer Ausbildung als Schlachter zu uns. Aber da in Deutschland nur noch wenige zum Schlachter ausgebildet werden und man stattdessen auf Kolonnenkräfte aus dem Ausland setzt, gibt es nicht mehr viele mit einer solchen Ausbildung. Aber auch wenn man kein Schlachter ist, kann man bei uns in Blans Arbeit finden. Wir lernen auch ungelernte Kräfte an, Seite an Seite mit gelerntem Personal. Ich freue mich auf viele gute Bewerbungen“, lacht Carlsen.

Der Schlachterei-Chef vor dem Eingangsportal aus dem Jahr 1977, das ebenfalls erneuert wird Foto: Karin Riggelsen

Er ist Chef der Schlachterei und arbeitet seit 35 Jahren in Blans. Dass nun auf über 2.400 Quadratmetern neue und renovierte Umkleiden und Aufenthaltsräume entstehen, sei dem Wohl der Mitarbeiter geschuldet. Denn Carlsen weiß: „Man muss den Leuten heutzutage etwas bieten, wenn man gute Mitarbeiter haben möchte. Das müssen wir uns etwas kosten lassen.“

Schlachterei wird nach 45 Jahren umfassend renoviert

Wie viel genau Danish Crown dafür in die Hand nimmt, will Carlsen nicht sagen. Es handele sich um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag, so der Fabrik-Chef. Umkleiden, Duschen, Toiletten, Wäscheraum plus renovierte Kantine, Büros und ein neues Foyer – die Schlachterei wird nach 45 Jahren umfassend renoviert und erweitert.

„Das ist nichts, was uns Geld in die Kasse einbringt. Aber es ist notwendig. Hier in Blans gibt es mehr und mehr zu tun, und daher brauchen wir mehr und mehr Mitarbeiter. Wir sind in vollem Gange, uns darauf einzustellen!“

63.000 Schweine werden pro Woche in der Fabrik in Blans geschlachtet. Foto: Karin Riggelsen

Warum gibt es so viel zu tun? Blans ist nach Horsens der zweitgrößte Produktionsstandort von Danish Crown in Dänemark. „Man setzt auf Blans als eine der Schlachtereien der Zukunft. Daher brauchen wir mehr Platz, da die Produktion vor Ort erweitert wird“, so Carlsen.

So wird die Speck-Produktion in Blans an Umfang zunehmen. „Danish Crown ist Europas größter Speck-Produzent, allein in Blans stellen wir im Augenblick rund 800 Tonnen Speck in der Woche her. Und nun wird das erweitert.“ Mit besseren Produktionstechniken und mehr Mitarbeitern soll die Verarbeitung angekurbelt werden.

Mehr Hände zum Ausbeinen gesucht

Vor allem der Teil der Produktion, wo das Fleisch vom Knochen getrennt wird. Früher habe man viele nur groß verarbeitete Schweineteile nach China exportiert. „Das machen wir im Augenblick nicht mehr, wir entbeinen das Fleisch, und das erfordert jede Menge Hände. Und genau die brauchen wir.“

China setze immer mehr auf eigene Produktion, erläutert Carlsen. „Ganz werden sie sich nie selbst versorgen können, aber sie erweitern ihre Produktion gewaltig.“

Der Schlachterei-Chef im neu angebauten Bereich der Mitarbeiterräume Foto: Sara Eskildsen

Über die Konkurrenz zu Tönnies mache man sich derzeit keine Gedanken. „Tönnies hat ja die Schlachterei in Brørup und eine in Nordjütland bei Thisted. Natürlich ist das ein Konkurrent, aber das ist nichts, worüber wir uns im Alltag den Kopf zerbrechen.“

Danish Crown schlachtet mehr als zuvor

Die Schweinefleischbranche boomt: Danish Crown hat 2021 eine Million mehr Schweine geschlachtet als im Jahr zuvor. „Wir haben unglaublich viel zu tun, und wir haben eine Warteliste für neue Schweinelieferanten. Im Moment müssen wir landesweit 300.000 Schweine pro Woche vor uns herschieben, weil wir sie nicht schlachten können, und daher planen wir gerade, wie wir die Schlachtungen auf den Sonnabend legen können. Ab Ostern soll es so weit sein. Wir machen aber auch schon jetzt Überstunden am Sonnabend.“

So wird das neue Eingangsportal der Schlachterei aussehen. Foto: Skizze / Danish Crown

Die Produktion in Blans läuft in zwei Schichten, eine Früh- und eine Spätschicht, ab 23 Uhr gehört die Fabrik der Reinigungskolonne, die mit 60 Angestellten anrückt und saubermacht. Am nächsten Morgen um 6 Uhr geht der Schlachtbetrieb dann von Neuem los.

Derzeit läuft die Produktion auf Höchstkapazität: 63.000 Schweine werden pro Woche geschlachtet und verarbeitet. „Das ist das Höchste, was wir derzeit leisten können“, sagt Carlsen. „Aber auch da schauen wir bereits in Richtung einer Erweiterung. Derzeit investieren wir in neue Maschinen, die eine größere Kapazität ermöglichen. Aber wir sind auch am Planen, was einen Erweiterungsbau angeht. Wir würden gerne unsere Abteilung für grobes Ausschlachten teilen, wo wir das Schwein in vier Stücke teilen, bevor es weiter zum Ausbeinen geht.“

Mehr Platz für Schweine und Würstchenproduktion

Ein Anbau Richtung Westen ist in Planung. „Aber alles auf einmal geht nicht – derzeit haben wir mit den laufenden Umbauarbeiten genug zu tun. Das wird wohl erst nächstes Jahr was“, sagt Carlsen.

Auch der Verarbeitungstrakt für Gedärme zur Ankurbelung der Würstchenproduktion sowie der hauseigene Stall der Schlachterei sollen wachsen – im Stall sollen in Zukunft 2.000 Schweine Platz finden, derzeit sind es 1.000.

Dass die Reduzierung des eigenen Fleischverbrauchs in Dänemark ein Thema ist, spüre die Schlachterei nicht. „Dänemark ist der weltgrößte Schweine-Exporteur. 95 Prozent von allem, was wir in Dänemark schlachten, verkaufen wir ins Ausland. Ob Dänemark nun statt 10 Prozent unserer Schweine nur noch 9,5 Prozent isst, das spüren wir nicht. Der heimische Markt ist klein im Vergleich zu unserer Produktion.“

Ein Arbeitsprozess beim Zerlegen eines Schweines in Blans Foto: Claus Thorsted/Jysk Fynske Medier/Ritzau Scanpix

Öko-Fleisch wird in Blans nicht produziert – das macht die Danish Crown Abteilung in Herning. Alle Schweine, die von Danish Crown in Dänemark geschlachtet werden, kommen ausnahmslos aus Dänemark.

Mit aus dem Ausland importierten Schweinen arbeitet Danish Crown nicht. „Es gibt Krankheiten, die dadurch eingeschleppt werden könnten. Das machen wir prinzipiell nicht“, sagt Carlsen.

„Die Mitarbeiter sind geduldig“

Die Renovierungs- und Anbauarbeiten sind eine Herausforderung im Alltag der Angestellten: Die laufende Produktion muss gewährleistet sein. „Die Mitarbeiter sind geduldig, aber es ist nicht immer leicht, sich nach vielen Jahren darauf einzustellen, dass der alte Schrank plötzlich woanders steht!“

Bis Sommer 2023 sollen die Umbauarbeiten im Inneren der Schlachterei abgeschlossen sein. Bis dahin werden Aufenthaltsräume, Büros und Foyer neu gestaltet. Die neuen Umkleiden haben erste Priorität, danach folgen Kantinen und Büros. „Das Ganze ist eine enorm große Investition für Danish Crown. Eine Investition in das Wohlbefinden der Mitarbeiter.“

Hin zur Straße Langbro entsteht ein neues Regen-Auffangbecken. Foto: Karin Riggelsen

Auf dem Schlachterei-Gelände hin zur Straße Langbro entsteht derweil ein neues Regenwasser-Auffangbecken, das bestehende Becken ist zu klein geworden.

Die Corona-Situation habe sich beruhigt, nach einem relativ hohen Krankenstand vor Weihnachten. „Derzeit haben wir einzelne Erkrankungen, aber es hält sich in Grenzen“, sagt der Schlachterei-Chef. Mit Corona-Pass, Handdesinfektionsspendern und Mundschutz wird in Blans jedenfalls alles getan, um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern.

Die Produktion am Laufen halten und die 1977 erbaute Schlachterei ins Jahr 2022 führen – eine große Aufgabe für alle Beteiligten. „Wir haben so viele Projekte in Planung, da kann einem ganz schwindelig werden“, lacht Ole Carlsen.

Beim Zerteilen eines Schweins in der Fabrik Foto: Claus Thorsted/Jysk Fynske Medier/Ritzau Scanpix
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