Wirtschaftliche Entwicklung

Lokale Kräfte notwendig, um Potenzial der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auszuschöpfen

Lokale Kräfte sollen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit fördern

Lokale Kräfte zentral für Zusammenarbeit mit SH

Vejle
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Jens Wistoft beim Deutschen Tag in Tingleff im November des vergangenen Jahres Foto: Karin Riggelsen

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Die Region Süddänemark und das Land Schleswig-Holstein könnten wirtschaftlich noch stärker voneinander profitieren, meint der Regionsratspolitiker Jens Wistoft aus Krusau. Doch dafür müsse Grenzland-Wissen nach Vejle, Odense und Kiel getragen werden. Dabei würden die Minderheiten eine zentrale Rolle spielen. 

Der Regionalratspolitiker Jens Wistoft (Venstre) kann seinen Eifer nicht verbergen, als „Der Nordschleswiger“ anruft, um nach einem eher trocken klingenden Punkt auf der Tagesordnung eines Ausschusses zu fragen: Erörterung der Perspektiven der Dänisch-Deutschen Entwicklungsallianz.

„Mir ist es wichtig, über die Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu erzählen“, sagt er.

Grenzlanderfahrungen entscheidend

Wer in Nord- oder Südschleswig lebt, kenne die Herausforderungen, Erfolge und Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Für Menschen, die etwas weiter weg wohnen, sei es nicht mehr Teil ihres Alltags, lautet die Einschätzung des Politikers, der mit Wohnsitz in Krusau (Kruså) fast in Sichtweite der Grenze wohnt.

„Für uns hier ist das Leben über die Grenze hinweg eine Selbstverständlichkeit, das ist bereits in Kolding und Rendsburg nicht mehr unbedingt der Fall. Wir müssen daran arbeiten, dass auch sie enger aneinander rücken“, so Wistoft.

Energiewende

Persönlich arbeitet er als Vorsitzender des beratenden Ausschusses für die Deutsch-Dänische Zusammenarbeit bei der Region Süddänemark dafür, das Potenzial der grenzüberschreitenden Arbeit besser auszuschöpfen. Bei der bisherigen Arbeit waren die Energiewende und die Produktion von klimaneutralen Kraftstoffen (Power-to-X) ein zentrales Thema.

„Strom und Wasserstoff soll hier nicht nur durchrauschen, sondern es sollen bei uns in der Region auch Arbeitsplätze entstehen“, meint der Krusauer Politiker. 

Simon Faber ist seit 2021 Sekretariatsleiter der Dänisch-Deutschen Entwicklungsallianz. Foto: André Mackus

Entwicklungsallianz

Seitens der Region ist diese Arbeit in der Deutsch-Dänischen Entwicklungsallianz, die 2021 gemeinsam mit der Landesregierung in Kiel ins Leben gerufen wurde, verankert. Sie hat unter anderem erreicht, dass bei der großangelegten Powernet-Konferenz in Neumünster Anfang des Monats auch dänische Vortragshaltende vertreten waren.

Ein weiterer Erfolg dieser Allianz ist, dass das Robotik-Cluster in Odense mittlerweile intensive Kontakte zu Schleswig-Holstein pflegt. Der Sekretariatsleiter der Entwicklungsallianz im Regionshauptsitz in Vejle ist der ehemalige Flensburger Bürgermeister Simon Faber.  

„Seine Erfahrung ist sehr wertvoll für die Arbeit, und in der Landesregierung in Kiel haben wir mit dem Minderheitenbeauftragten Johannes Callsen (CDU) ebenfalls einen Ansprechpartner mit Grenzlandhintergrund“, so Wistoft.

Die Dänisch-Deutsche Entwicklungsallianz

  • gemeinsame Erklärung am 24. August 2021 zur Zusammenarbeit zwischen der Region Süddänemark und dem Land Schleswig-Holstein
  • Ziele für die Regionen: grüner und nachhaltiger Vorreiter werden, Talente und Fachkräfte anwerben, Digitalisierung vorantreiben
  • Potenziale von Wirtschaftsakteuren von Deutschland und Dänemark sollen dafür zusammengebracht werden
  • Allianz will keine eigenen Aktivitäten erfinden, sondern die Vernetzung mit Vorhandenem schaffen
  • Projekt galt zunächst bis Ende 2023, wurde aber bis 2027 verlängert

Lob für deutschen Botschafter

Er betont wiederholt, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Nord- und Südschleswig in vielfacher Weise bereits gut funktioniert. Ihm geht es vornehmlich darum, dass auch Betriebe und Institutionen in Horsens oder auf Nordfünen das Potenzial einer Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein für sich entdecken.

„Es bedarf vieler Akteurinnen und Akteure aus dem Grenzland, um andere Gegenden für die Möglichkeiten zu sensibilisieren. Die Region Sønderjylland-Schleswig hat vor allem im Bereich des Arbeitsmarktes wichtige Arbeit geleistet und tut es immer noch.“

Wichtige Rolle der Minderheiten

Er erwähnt auch den dänischen Konsul in Flensburg, Kim Andersen (der kommende Woche sein Amt abgibt) und den deutschen Botschafter in Kopenhagen, Pascal Hector, als wichtige Partner. Letzterer hat seine Erfahrungen aus dem deutsch-französischen Grenzland unter anderem bei einer Konferenz im vergangenen Jahr in die Diskussion eingebracht.

Jens Wistoft konnte sich im November bei einer Konferenz in Kopenhagen über die Erfahrungen aus dem deutsch-französischen Grenzland informieren. Die deutsche Botschaft hatte die Konferenz ins Leben gerufen. Foto: Walter Turnowsky

Auch schade es nicht gerade, dass Stephanie Lose (Venstre) jetzt als Wirtschaftsministerin Grenzlanderfahrung ins Kabinett einbringen kann: „Sie kennt ja aus ihrer Zeit als Regionsratsvorsitzende die Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein aus dem Effeff.“

Und dann ist es Jens Wistoft ein Anliegen, insbesondere eine zentrale Partnerin hervorzuheben: die deutsche Minderheit. 

„Jedes Mal, wenn ich dem Vorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, bei den unterschiedlichsten Anlässen begegne, sprechen wir über die Herausforderungen und Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.“

Eine ähnlich zentrale Rolle spiele auch die dänische Minderheit auf der deutschen Seite.

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