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Sprachen sind Gold wert

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Sprachen sind Gold wert

Helsinki/Helsingfors
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Grégory Dalbert von der Deutschen Gemeinschaft in Belgien, nannte beim Forum in Helsinki Ostbelgien ein Musterbeispiel dafür, wie Sprachminderheiten einen wirtschaftlichen Mehrwert erzeugen können. Foto: László Mihály / FUEN

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Studien zeigen, dass die Lohntüte praller wird, wenn man eine weitere Sprache beherrscht. Das gilt vor allem dann, wenn es nicht Englisch ist.

Wer Sprachen kann, kann dies auch auf seinem Lohnzettel ablesen – und zwar im positiven Sinne. Das haben mehrere Studien gezeigt, berichtete der Wirtschaftsprofessor Bengt-Arne Wickström beim „Forum der Europäischen Minderheitenregionen“ in Helsinki (Helsingfors).

Dabei gibt Englisch einen relativ geringen Gewinn, Sprachen, die nicht jede oder jeder spricht, dagegen einen umso größeren.

Wickström, der an Universitäten in Budapest und Berlin tätig ist, bezog sich unter anderem auf eine polnische Studie aus dem Jahr 2019, die zeigt, dass dort vor allem die romanischen Sprachen Vorteile bringen. So verdienen Menschen, die Spanisch beherrschen 32 Prozent mehr als der Durchschnitt bei entsprechenden Stellen. Wer Französisch spricht, bekommt 22 Prozent mehr. Im Vergleich bringt Englisch nur 11 Prozent.

„Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen in unterschiedlichen europäischen Ländern“, so Wickström.

Wickström sieht diese Ergebnisse als eine gute Nachricht für Menschen aus Minderheiten in Grenzregionen, denn ihnen wird die Extrasprache in die Wiege gelegt. Für die deutsche Minderheit in Nordschleswig oder die schwedische in Finnland ist es noch dazu die Sprache des größten Handelspartners.

Für finnische Exportunternehmen sei Schwedisch daher geradezu notwendig, betonte der Direktor der finnisch-schwedischen Handelskammer, Kell Skoglund: „Wer die Sprache des Käufers spricht, hat einen deutlichen Vorsprung.“

Auch im deutschsprachigen Ostbelgien kennt man die Vorteile der Extrasprache auf dem Arbeitsmarkt.

„Zweisprachige Menschen sind gefragte Mitarbeiter bei den Arbeitgebern in der Region, und sie können außerdem problemlos nach Deutschland pendeln“, erläuterte Grégory Dalbert, Referent der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien.

Darüber hinaus sei Ostbelgien aufgrund der Mehrsprachigkeit ein beliebter Wirtschaftsstandort, Investitionen würden in die Region fließen.

Dalbert nannte Ostbelgien ein „Musterbeispiel“ für den Umgang mit Sprachminderheiten. Deutsch ist nämlich die dritte Amtssprache neben Flämisch und Wallonisch im belgischen Föderalstaat.

„Die Mehrsprachigkeit ist die Grundlage der belgischen Föderation. Denn wenn wir uns nicht mehr untereinander verständigen könnten, wäre die nur eine leere institutionelle Hülle“, betont Dalbert.

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