Militärkarriere

Von der Bundeswehr zu Forsvaret: Marcs Herz schlägt deutsch und dänisch

Von der Bundeswehr zu Forsvaret: Marcs Herz schlägt deutsch und dänisch

Marc wechselt von der Bundeswehr zu Forsvaret

Hadersleben/Haderslev
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Marc Rüschen war bereits knapp sieben Jahre bei der Bundeswehr tätig. Seit Montag leistet er seinen Wehrdienst beim dänischen Militär in Hadersleben. Foto: Annika Zepke

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Sieben Jahre lang war er Soldat bei der Bundeswehr. Nun hat Marc Rüschen seinen Wehrdienst beim Schleswigschen Infanterieregiment in Hadersleben angetreten. Warum er sich für den Wechsel vom deutschen zum dänischen Militär entschieden und welche Unterschiede er bereits bemerkt hat, verrät der 30-Jährige im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Für viele Wehrdienstleistende war der Antritt ihres viermonatigen Wehrdienstes am Montagmorgen auf dem Kasernengelände des Schleswigschen Infanterieregiments in Hadersleben ein aufregendes Unterfangen. Vermessen werden, exerzieren, Kommandos folgen – allesamt Neuland für die meisten Rekrutinnen und Rekruten.

Nicht so für Marc Rüschen. Der 30-Jährige war bereits knapp sieben Jahre bei der Bundeswehr als Soldat aktiv und weiß genau, worauf er sich einlässt. „Ich kenne das Gefühl, Soldat zu sein. Ich weiß, was der Job mit sich bringt.“

Traumberuf: Soldat

Dass er nun bei den dänischen Streitkräften seinen Wehrdienst leisten möchte, hat einen einfachen Grund, wie er erklärt: „Mein Vertrag bei der Bundeswehr ist ausgelaufen und nicht verlängert worden.“ Seine Militärkarriere an den Nagel hängen wollte Rüschen jedoch nicht: „Ich bin gerne Soldat und trage auch gerne Uniform.“

Für die nächsten vier Monate ist die Haderslebener Kaserne Marc Rüschens neues Zuhause. An den Wochenenden pendelt er jedoch weiterhin nach Hamburg. Foto: Annika Zepke

Daher hat sich der gebürtige Gravensteiner, der in der dänischen Minderheit in Flensburg aufgewachsen ist und seit einigen Jahren in Hamburg lebt, kurzerhand beim dänischen Militär beworben. „Zumindest für den Wehrdienst wurde ich schon einmal genommen“, sagt Rüschen bei seinem Dienstantritt zufrieden. „Und ich hoffe, dass es danach hier für mich weitergeht.“

Doppelte Staatsbürgerschaft machts möglich

Möglich macht den „Wechsel“ von der Bundeswehr zu Forsvaret Marc Rüschens doppelte Staatsbürgerschaft. Als Sohn einer dänischen Mutter und eines deutschen Vaters besitzt er sowohl die Staatsbürgerschaft der Bundesrepublik Deutschland als auch die Dänemarks.

„Es kann aber sein, dass ich meine deutsche Staatsbürgerschaft bald abgeben muss. Das wird derzeit noch geprüft“, erklärt Rüschen. Demnach sehe die Bundesrepublik es nicht gerne, wenn deutsche Staatsangehörige sich in anderen Ländern beim Militär verpflichten, so der 30-Jährige.

Im Herzen deutsch und dänisch

Plötzlich nicht mehr der Bundesrepublik Deutschland, sondern dem dänischen Staat zu dienen und den Dannebrog auf der Uniform zu tragen, sei für den Wahl-Hamburger jedoch keine große Umstellung. „Im Grunde schlagen in meinem Herzen ohnehin zwei Flaggen“, erklärt Rüschen, der sich nach eigener Aussage als deutsch und dänisch sieht.

In Deutschland wird immer gesiezt. Hier in Dänemark ist der Ton zwar auch militärisch distanziert, aber man ist trotzdem per Du.

Marc Rüschen

Dennoch gebe es einige Unterschiede zwischen dem deutschen und dem dänischen Militär, wie Rüschen bereits nach der ersten Exerzierübung auf dem Kasernengelände feststellen musste: „In Deutschland wird immer gesiezt. Hier in Dänemark ist der Ton zwar auch militärisch distanziert, aber man ist trotzdem per Du.“

Kleine, aber feine Unterschiede

Auch bei den Kommandos selbst gebe es kleinere Abweichungen, ebenso wie bei den Handstellungen. Der größte Unterschied sei jedoch die komplette Gleichstellung der Geschlechter, erklärt Marc Rüschen. „In Deutschland werden an Frauen andere körperliche Anforderungen gestellt als an Männer. Die Soldatinnen haben auch ihre eigene Stube, meistens sind sie sogar in einem separaten Bereich untergebracht.“

Bei den dänischen Streitkräften ist das anders. Gemeinsame Schlaf- und Duschräume sind auch beim Schleswigschen Infanterieregiment Alltag. Daran stören wird sich Rüschen jedoch nicht, wie er sagt: „Für mich macht das keinen Unterschied. Wenn die Leute mitziehen, ist es egal, ob sie Männer oder Frauen sind. Ich denke, da kommt es eher auf den Menschen selbst und das Soldatsein an.“

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