Digitales Schulpraktikum

„Beängstigend und schön zugleich“

„Beängstigend und schön zugleich“

„Beängstigend und schön zugleich“

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Erin Ostergaard studiert am University College Syd in Hadersleben Lehramt und absolviert derzeit im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum an der St. Severin Schule. Coronabedingt findet der Unterricht jedoch größtenteils digital statt. Foto: Bildschirmfoto Annika Zepke

Unterricht in Zeiten von Shutdown und Homeschooling ist für Schüler und Lehrer eine Herausforderung. Doch wie ist es eigentlich für Lehramtsstudierende, die in dieser Zeit erste Erfahrungen im Unterrichten sammeln sollen? „Der Nordschleswiger“ hat mit der Haderslebener Studentin Erin Ostergaard über ihr digitales Schulpraktikum gesprochen.

Zurzeit ist alles anders, auch für Erin Ostergaard. Die 21-Jährige ist in Australien aufgewachsen und vor anderthalb Jahren nach Dänemark gezogen, um am University College Syd in Hadersleben ihr Lehramtsstudium aufzunehmen.

Praktikum in Corona-Zeiten

Im Rahmen ihres Studiums absolviert sie derzeit ein fünfwöchiges Praktikum an der Haderslebener St. Severin Schule. Eigentlich hätte Erin Ostergaard verschiedene Klassen in den Fächern Kunst, Religion, Englisch, Naturtechnologie und Sport unterrichten sollen. „Uns wurde gesagt, wir sollen uns auf einige anstrengende Wochen einstellen“, so Ostergaard lachend.

Doch dann wurde kurz vor Weihnachten der Shutdown verhängt, die Schüler nach Hause geschickt und der Unterricht seit Beginn des Jahres per Homeschooling durchgeführt. „Das hat unseren gesamten Praktikumsplan auf den Kopf gestellt“, erzählt die Lehramtsstudentin.

Digitaler Unterricht

Aus fünf Fächern wurde eins – Kunst – und anstatt die Kinder persönlich kennenzulernen und zu unterrichten, verbringt Erin Ostergaard die meiste Zeit ihres Praktikums bei sich zu Hause vor dem Laptop.

Weil sie im Homeoffice keine Tafel hat, muss Erin Ostergaard auf andere Hilfsmittel zurückgreifen. Foto: Bildschirmfoto: Annika Zepke

„An zwei Tagen in der Woche bin ich für wenige Stunden in der Schule, weil für einige Kinder, die Schwierigkeiten beim Lernen haben, Präsenzunterricht angeboten wird. Da beobachte ich den Unterrichtsablauf und helfe mit, wo ich kann. Ansonsten finden alle Unterrichtsstunden digital statt“, so Ostergaard.

Sprachbarrieren und andere Kleinigkeiten

Sie genieße es zumindest zweimal pro Woche, Unterricht im klassischen Sinne mitzuerleben, auch weil der digitale Unterrichtsalltag, von kleineren technischen Schwierigkeiten einmal abgesehen, sie auch vor sprachliche Herausforderungen stellt, wie Ostergaard erklärt: „Mein Vater kommt zwar aus Dänemark, aber ich bin mit Englisch aufgewachsen.“ Zwar geht sie, seit sie in Hadersleben wohnt, zweimal pro Woche zur Sprachschule, um Dänisch zu lernen, doch auch dort habe die Corona-Pandemie ihre Spuren hinterlassen.

„Ich kann im Unterricht weniger auf meine Körpersprache zurückgreifen und schlechter mit den Kindern interagieren. Außerdem habe ich keine Tafel, die ich zur Hilfe nehmen kann.“

Erin Ostergaard

„Mein Dänisch ist definitiv nicht auf dem Niveau, auf dem es sein sollte“, gesteht die 21-Jährige. Das mache das Unterrichten per Video nicht unbedingt leichter: „Ich kann im Unterricht weniger auf meine Körpersprache zurückgreifen und schlechter mit den Kindern interagieren. Außerdem habe ich keine Tafel, die ich zur Hilfe nehmen kann.“

Kreative Denken ist gefragt

Die digitalen Schulstunden, die meist kürzer ausfallen und weniger Eigendynamik entwickeln als der Präsenzunterricht in der Schule, haben für Erin Ostergaard jedoch auch einen kleinen Vorteil: „Ich kann besser vorbereiten, was ich sage und mir die Worte besser zurechtlegen.“

Die fehlende Tafel, ebenso wie die stark begrenzte Auswahl an Utensilien, stellen Ostergaard im Kunstunterricht vor ungeahnte Herausforderungen: „Im Moment können wir nur auf Papier und Buntstifte zurückgreifen, weil nicht alle Schüler die gleichen Materialien zu Hause haben. Daher muss ich mir immer wieder neue Aufgaben einfallen lassen, die sich mit Papier und Buntstiften bewerkstelligen lassen.“

Herausforderung für Schüler und Lehrer

Auch wenn der digitale Unterricht gewöhnungsbedürftig sei und für Schüler und Lehrer immer wieder Herausforderungen bereithalte, wie beispielsweise Eltern, die im Hintergrund den Unterricht mitverfolgen, ist Erin Ostergaard zufrieden mit ihrem Praktikum: „Es ist beängstigend und schön zugleich.“

Ab Montag zieht wieder Leben in die Haderslebener Sankt Severin Schule ein. Von einem normalen Praktikumsalltag kann für Erin Ostergaard dennoch keine Rede sein. Foto: Karin Friedrichsen

Sie sei beeindruckt, wie viel sich die Lehrer einfallen lassen, um beim Homeschooling so gut es geht auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler einzugehen: „Eine Lehrerin, der ich beim Unterrichten über die Schulter schaue, legt großen Wert auf Bewegungspausen. Sobald sie merkt, dass die Kinder Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, animiert sie die Kinder zu kleinen Sportübungen.“

Neue Zeiten brechen an

Ab Montag, wenn die 0. Bis 4. Klasse wieder ins Schulgebäude zurückkehren, wird auch Erin Ostergaards Praktikum noch einmal neue Formen annehmen. Normal werde es aber trotzdem nicht, wie die Studentin erzählt: „Wir sind die ganze Woche einer Klasse zugeteilt, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten.“

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