Vortragsveranstaltung

Alles über „Entartete Kunst“

Alles über „Entartete Kunst“

Alles über „Entartete Kunst“

Monika Knutzen
Hadersleben/Haderslev
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Büchereileiterin Monika Knutzen konnte zum Vortragsabend mit Jørn Buch (Mitte) viele Besucher begrüßen. Foto: Karin Riggelsen

Deutsche Bücherei freute sich zur Vortragsveranstaltung mit Jørn Buch über ein volles Haus.

Bis die Veranstalter Gäste und Referent Jørn Buch begrüßen konnten, mussten weitere Sitzplätze in der Bücherei organisiert werden. Auch wurde einleitend auf das besondere Datum 9. November (Reichspogromnacht 1938) eingegangen, bevor Jørn Buch zum Thema „Entartete Kunst“ sprach.

Aufmerksam folgten die Zuhörer den Ausführungen des Redners, der während der ersten Hälfte des Vortrags näher auf Vorgeschehen und Hintergründe für eine Ausstellung über „Entartete Kunst“ einging: Was entsprach in den Augen der Nationalsozialisten „richtiger Kunst“, was war „entartet“?

Als „Entartete Kunst“ galten im NS-Regime alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die mit der Kunstauffassung und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten, der sogenannten Deutschen Kunst, nicht in Einklang zu bringen waren: Expressionismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus oder Fauvismus. Darüber hinaus wurden alle Werke von Künstlern mit jüdischem Hintergrund als entartet bewertet – wie alles, was von Pessimismus und Pazifismus geprägt war.

Der vom NS-Volksbildungsminister Thüringens, Wilhelm Frick, bewirkte Erlass „Wider die Negerkultur für deutsches Volkstum“ 1930, der sich gegen die moderne Kunst richtete, war der Ausgangspunkt des Angriffes „undeutsch“ definierte Einflüsse in der Kunst. Auftakt der neuerlichen Verfolgungswelle war die Schließung der Neuen Abteilung der Nationalgalerie Berlin im Kronprinzenpalais 1936 und der Erlass vom 30. Juni 1937, der den neuen Reichskunstkammerpräsidenten Adolf Ziegler ermächtigte, „die im deutschen Reichs-, Länder- und Kommunalbesitz befindlichen Werke deutscher Verfallskunst seit 1910 auf dem Gebiete der Malerei und der Bildhauerei zum Zwecke einer Ausstellung auszuwählen und sicherzustellen“.

Hunderte Kunstwerke entfernt

1936 erging ein totales Verbot jeglicher Kunst der Moderne. Hunderte Kunstwerke, vor allem aus dem Bereich der Malerei, wurden aus den Museen entfernt und entweder für die Ausstellung „Entartete Kunst“ konfisziert, ins Ausland verkauft oder zerstört. Am 18. Juli1937 wurde die groß aufgemachte Ausstellung mit „Kunst, wie sie sein sollte“ im Haus der Kunst in München eröffnet, bevor am Tag darauf die Ausstellung „Entartete Kunst“ in den Hofgarten-Arkaden gezeigt wurde – mit 650 konfiszierten Kunstwerken aus 32 deutschen Museen. „Gequälte Leinwand, seelische Verwesung, krankhafte Fantasten, geisteskranke Nichtskönner“ lautete die Ankündigung mit der Aufforderung: „Seht euch das an!“ – So sahen die Besucher Werke von Ernst Barlach, Max Ernst, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz, Gerhard Marcks, Paula Modersohn-Becker, Max Pechstein, Pablo Picasso, Christian Rohlfs und Karl Schmidt-Rottluff.

Ausgewählte Bilder verdeutlichten die Ausführungen des Vortragshalters. So erläuterte er, dass die Ausstellung „reichsweit“ an andere Häuser wanderte und Schulklassen und partei-nahen Verbänden „vorgeführt“ wurde. Über zwei Millionen Besucher sahen sie, ein Vielfaches der Besucherzahl der zeitgleich stattfindenden „Große Deutsche Kunstausstellung“, die von 420.000 Menschen besucht wurde. Jørn Buch verstand es, den Zuhörern das Thema umfassend und kenntnisreich zu vermitteln, und die Zuhörer dankten dem Vortragshalter für einen interessanten Abend.

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