Kommentar

„So nah war der Nørgaard-Abgang wirklich“

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Thomas Nørgaard verhandelte vor der Saison mit zwei Superliga-Konkurrenten und lehnte zudem ein Angebot eines weiteren Klubs ab.

Details zu den Verhandlungen mit den Liga-Konkurrenten, welche Probleme im Transferfenster gelöst wurden und wo es noch Baustellen gibt. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Sønderjyske gehört in der Fußball-Superliga zu den Gewinnern des Transferfensters. So lautete am „Deadline Day“ zumindest die Einschätzung des dänischen Fernsehsenders „TV2“ und dessen Expertenkreis um die ehemaligen Nationalkicker Morten Bruun und Lars Jacobsen, die Sønderjyske auf Platz zwei hinter dem FC Midtjylland einstuften, wenn es um das Agieren der zwölf Superliga-Vereine in den vergangenen zweieinhalb Monaten ging.

Ganz unrecht haben sie nicht, obwohl längst nicht alles geklappt hat. Sønderjyske hatte sich mit Sicherheit größere Einnahmen gewünscht, hat aber einige Probleme gelöst und kann im Großen und Ganzen mit der Sommertransferperiode zufrieden sein.

Trainer vor dem Absprung

Die vielleicht wichtigste Entscheidung fiel bereits sehr früh im Transferfenster, und zwar gar nicht auf dem Platz. Sønderjyske musste um seinen Erfolgstrainer bangen, und sein Abgang war viel konkreter und näher, als im Juni öffentlich wurde.

Nach Informationen des „Nordschleswigers“ gehörte Thomas Nørgaard erst bei OB und danach bei AGF zu den letzten zwei Kandidaten auf dem Cheftrainerposten, und die Vertragsgespräche waren schon weit fortgeschritten.

OB hatte von Anfang an Alexander Zorniger als Wunschkandidaten, doch als der Deutsche zunächst absagte, war plötzlich Nørgaard die Nummer eins auf der Liste und hätte den Job haben können. Zorniger änderte aber seine Meinung und OB bekam seinen Wunschkandidaten.

AGF führte gleichzeitig mit Jakob Poulsen und Thomas Nørgaard Gespräche, doch als AGF kurz vor dem Start von Sønderjyske in die Saisonvorbereitungen zögerte, sagte Nørgaard nach Informationen des „Nordschleswigers“ ab.

Leitwolf ohne Kapitänsbinde

Bei Sønderjyske konnte man erleichtert aufatmen. Ein Abgang hätte vieles ins Wackeln gebracht.

Eine weitere wichtige Entscheidung wurde sehr früh getroffen. Mit Magnus Jensen ist eine echte Führungspersönlichkeit geholt worden. Teuer zwar, aber die drei Millionen Kronen Ablöse sind gut ausgegebenes Geld, wie sich jetzt bereits herausgestellt hat. Ein Volltreffer.

Magnus Jensen ist ein Leitwolf ohne Kapitänsbinde, der ganz offensichtlich die rechte Hand des Trainers auf dem Platz ist und immer wieder zum Gespräch an die Seitenlinie sprintet, wenn das Geschehen auf dem Platz sich ändert.

Die Verantwortlichen von Sønderjyske konnten kurz vor Schließung des Transferfensters auch das Problem auf der Linksverteidiger-Position lösen, mit einem Isländer, der in der vergangenen Saison 30 Spiele in der niederländischen Ehrendivision spielte.

Magnus Jensen hat gleich nach seiner Ankunft eine Führungsrolle übernommen.

Das Bemühen um einen Mittelstürmer blieb aber ergebnislos. Nach der Ausleihe von Ivan Djantou, der Spielpraxis braucht, ist mit Matthew Hoppe derzeit nur ein echter Mittelstürmer im Kader. Die vielen Außenstürmer können aber aushelfen.

Hier gibt es sogar ein Überangebot, auch weil es Sønderjyske nicht gelungen ist, so viele Spieler zu verkaufen, wie man es sich vorgenommen hatte. Und schon gar nicht so viel Geld einzunehmen, wie man es sich erhofft hatte.

Mit Gallegos ein dickes Minus gemacht

Lukas Björklund war aus der Jugend vom AC Milan geholt worden, stagnierte aber in seiner Entwicklung und brachte lediglich 500.000 Euro ein. Da hatte man sich mehr als das Doppelte erhofft.

Noch viel weniger brachte José Gallegos ein. Sønderjyske hat bei dem US-Amerikaner ein dickes Minus gemacht. Gallegos war 2021, als Sønderjyske noch amerikanische Eigentümer hatte, für 500.000 US-Dollar (damals 455.000 Euro) gekommen, ist aber für 125.000 Euro gegangen.

Sønderjyske hat den Code noch nicht geknackt, wie der Klub auf dem Transfermarkt höhere Preise erzielen kann. Die Hellblauen haben den Kampf gegen den Ruf aufgenommen, dass die Spieler von Sønderjyske günstig zu haben sind. Günstiger als in vergleichbaren Klubs. Der Klub hat versucht, die Waren im Regal mit einem teureren Preisschild zu versehen, doch Angebote hat es nur sehr wenige gegeben. Verblüffend wenige.

José Gallegos konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

Es hat zu Beginn des Transferfensters Interesse für Lirim Qamili aus Osteuropa gegeben, und das besteht weiterhin. Hier ist das Transferfenster noch in einigen Ländern offen, es könnte also noch etwas passieren.

Keine Perspektive mehr

Dasselbe ist bei Ebube Duru der Fall. Sønderjyske scheint nach mehreren Aussetzern die Geduld verloren zu haben und dem Nigerianer nahegelegt zu haben, sich einen anderen Verein zu suchen. Eine Ausleihe in ein Land, wo das Transferfenster noch offen ist, steht im Raum.

Es ist aber Sønderjyske schon gelungen, den Kader deutlich zu reduzieren. Lukas Björklund, José Gallegos und Marc Dal Hende sind gegangen, Ivan Djantou, Dalton Wilkins, Gustav Wagner und Anders Bergholt sind ausgeliehen worden. Mit 25 Spielern hat der Kader eine passende Größe.