Umweltschutz

„Historisches Fenster“ für ein Ende der Muschelfischerei

„Historisches Fenster“ für ein Ende der Muschelfischerei

„Historisches Fenster“ für ein Ende der Muschelfischerei

Krusau/Kruså
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Marie Reumert Gjerding, Präsidentin des Dänischen Naturschutzvereins, empfing die Gäste aus Deutschland und Dänemark. Foto: Karin Riggelsen

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Die Präsidentin des Dänischen Naturschutzvereins warb am Mittwoch auf der Brücke über die Krusau für die Errichtung eines marinen Nationalparks, gern deutsch-dänisch, um unter anderem die Muschelfischerei auf dänischer Seite der Flensburger Förde zu stoppen. Ein weiteres Problem, das die Förde hat, kann ein Nationalpark aber nicht lösen.

Auf schleswig-holsteinischer Seite arbeitet der Umweltminister des Landes auf einen Nationalpark Ostsee hin, auf dänischer Seite hatte die Regierung Ende vergangenen Jahres einen marinen Nationalpark Kleiner Belt beschlossen.

Marie Reumert Gjerding, Präsidentin des Dänischen Naturschutzvereins, sagte dazu am Mittwochnachmittag am Grenzübergang Schusterkate: „Es öffnet sich gerade ein einzigartiges, historisches Fenster, in dem wir handeln und Druck auf die kommende Regierung aufbauen können, denn die Grenzen des Nationalparks Kleiner Belt stehen noch nicht fest.“

Gemeinsamer Nationalpark

Reumert Gjerding schwebt eine gemeinsame deutsch-dänische Schutzzone in der Flensburger Förde vor. Vor allem ein Schutz vor der Muschelfischerei, die auf deutscher Seite der Förde schon seit einiger Zeit eingestellt ist.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte die sozialdemokratische Regierung mit ihren Stützparteien sowie den Alternativen und den Christdemokraten eine Vereinbarung getroffen, die unter anderem den Aufbau eines marinen Nationalparks Kleiner Belt vorsieht.

Die Präsidentin des Dänischen Naturschutzvereins war am Mittwoch zu ihren Kolleginnen und Kollegen in den Süden gereist. Letztere hatten ein Treffen an der Grenze zum Schutz der Flensburger Förde organisiert und deutsche und dänische Akteure eingeladen.

Lorens Bo Juel Nielsen vom örtlichen Naturschutzverein begrüßt seine Präsidentin. Er hatte das Treffen federführend organisiert. Foto: Karin Riggelsen

Lorens Bo Juel Nielsen, Geschäftsmann und Vorsitzender des Vereins in Apenrade, stellte sein Heim zur Verfügung, nachdem sich auf der Brücke über die Krusau mehr als 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßt hatten – unter anderem der Bürgermeister der Kommune Apenrade, Jan Riber Jakobsen (Kons.), Stephan Kleinschmidt in seiner Funktion als Dezernent der Stadt Flensburg, Ellen Trane Nørby (Venstre), Stadtrat Sonderburg, und Theis Kylling Hommeltoft (Soz.), Stadtrat Apenrade. Heinz Petersen, Bürgervorsteher der Gemeinde Harrislee, und Leon Bossen, Vorsitzender der Grünen in Fensburg, waren unter anderem von deutscher Seite dabei.

Stopp der Muschelfischerei

Der Dänische Naturschutzverein und alle Akteure, die sich bei Lorens Bo Juel Nielsen am Tisch in der guten Stube, Schusterkate 2, mit Blick auf die Förde versammelt hatten, waren sich einig: Die Muschelfischerei in der Flensburger Förde auf der dänischen Seite muss ein Ende haben.

Wie es am Meeresboden aussieht, wenn ein Kutter dort Miesmuscheln „erntet“, zeigte der Biologe Lars Brinch Thygesen, Danmarks Sportsfiskeforening, in einem kleinen Film, der auf Youtube zu sehen ist. Vorher gab er einen kleinen Einblick in den Zustand der Flensburger Förde sowie des Meeresgebiets um den Kleinen Belt.

Fazit: Es sieht nicht besonders gut aus. Der Eintrag von Nährstoffen macht der Ostsee, der Flensburger Förde, zu schaffen. Sie lassen die Algen blühen, die später im Jahr absterben, zu Boden sinken und bei deren Abbau der Sauerstoff im Meerwasser verbraucht wird. Weiter unter Druck gerät die Flensburger Förde nicht nur durch intensive Befischung. Auch der Klimawandel lässt die Meerestemperatur steigen, was den Sauerstoffgehalt negativ beeinflusst.

Schließlich zeigte Thygesen eine Karte des dänischen Fischereiministeriums, die die kürzlich errichtete Verbotszone der Muschelfischerei im Kleinen Belt widergab. Ratlos gab sich der Biologe, als er die Grenzlinie des riesigen Gebietes von der Südspitze Langelands bis zur Südspitze Alsens entlangfährt. „Wie auf dem Papier entlanggezogen.“ Ausgerechnet die Flensburger Förde ist nicht mit drin. Warum das so ist – Thygesen weiß die Antwort nicht.

Er kann als Repräsentant der Sportfischer mit möglichen Einschränkungen durch einen Nationalpark leben. Wenn in einem Gebiet nicht gefischt werden kann, dann bedeutet das auch, dass es in anderen Gebieten wieder mehr Fisch gibt.“

Problem Nährstoffeintrag

Allerdings: Ein Nationalpark kann das Grundproblem – den Eintrag an Nährstoffen – nicht lösen. Das räumt auch Marie Reumert Gjerding ein. Es gehe darum, der Natur in der Ostsee zu helfen, durch künstliche Riffe und den Aufbau von Seegraswiesen. Weitere Maßnahmen müssten dann Hand in Hand gehen. Um Teil eines Unesco-Biosphärenreservats zu werden, müsse Vorarbeit geleistet werden.

Lorens Bo Juel Nielsen und Stephan Kleinschmidt im Gespräch Foto: Karin Riggelsen

Stephan Keinschmidt teilte mit, dass die Schleswigsche Partei (SP), als deren Mitglied er das Amt des Vizebürgermeisters Sonderburgs bekleidet, sich dafür einsetzt, dass die Förde ein solches Unesco-Reservat wird. Theis Kylling Hommeltoft (Soz.), Apenrader Ratsmitglied, sagte, die Ernennung zum Unesco-Biosphärenreservat biete die Möglichkeit, auch auf den Nährstoffeintrag durch die Landwirtschaft einzuwirken.

Sein Bürgermeister, Jan Riber Jakobsen (Kons.) mahnte aber an, die Landwirte mit ins Boot zu holen. Es gehe nicht ohne sie. „Das sind gute Menschen", so Jakobsen.

Der Dänische Naturschutzbund hat sich schon früher zu einem marinen Nationalpark geäußert:

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