Coronavirus

Mentale Gesundheit leidet

Mentale Gesundheit ist wichtig

Mentale Gesundheit ist wichtig

Naomi Stieglmaier
Apenrade/Aabenraa
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Im Shutdown fühlen sich viele Menschen einsam. Foto: unsplash/cferdo

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Der Sozialdienst Nordschleswig versucht, seinen Mitgliedern mit Telefonaten durch den Corona-Kummer zu helfen. Jette Nielsen hat Tipps, wie jeder seine mentale Gesundheit stärken kann.

In einer weltweiten Pandemie ist es nicht so einfach, mental fit zu bleiben. Kontakte sollen minimiert werden, das soziale Leben wurde weitgehend eingestellt. Das ist auch richtig, für viele Menschen aber trotzdem eine psychische Belastung.

Jette Nielsen arbeitet beim Sozialdienst Nordschleswig. Bei vielen Mitgliedern ist die Stimmung getrübt. Normalerweise bietet der Sozialdienst zahlreiche Veranstaltungen an – von Winteryoga bis hin zum Frauenfrühstück oder Reisen. Zurzeit ist das alles nicht möglich.

Statistisch gesehen, fühlen sich über 50 Prozent der dänischen Bevölkerung durch das Coronavirus psychisch beeinflusst.

Jette Nielsen

„Die Pandemie beeinflusst uns alle. Sowohl gesellschaftlich als auch natürlich im Alltag. Statistisch gesehen, fühlen sich über 50 Prozent der dänischen Bevölkerung durch das Coronavirus psychisch beeinflusst", erzählt die Familienberaterin. Reaktionen wie Ängste, Unsicherheit und Kummer sind bei vielen Mitgliedern zu spüren. Depressionen häufen sich, und diese Dauerbelastung kann auch das Immunsystem schwächen.

Gründe für diese Zustände sind laut Jette Nielsen vor allem die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Pandemie. Auch Fehlinformationen in den sozialen Medien tragen dazu bei. Soziale Isolation und Kontaktbeschränkungen schüren Einsamkeit. „Obwohl diese Regeln ja zur Bekämpfung der Pandemie absolut notwendig sind", sagt Nielsen.

Da Hausbesuche jetzt nur noch mit absoluter Dringlichkeit erfolgen können, telefonieren die Mitarbeiter des Sozialdienstes mit den Mitgliedern. „Bei diesen Telefonaten tauschen wir uns aus, und ich empfehle den Mitgliedern, ihre Alltagsroutine beizubehalten. Am liebsten würde ich zu jedem Einzelnen hinfahren und ihren Kummer und ihre Sorgen mit ihnen teilen. Aber natürlich halten auch wir uns an die Regeln", berichtet Jette Nielsen.

Am liebsten würde ich zu jedem Einzelnen hinfahren und ihren Kummer und ihre Sorgen mit ihnen teilen.

Jette Nielsen

Ist die Lage sehr ernst, darf sie noch Besuche tätigen. Aber nur unter strengen Regeln und mit regelmäßigem Corona-Test.

Auch junge Menschen sind von der Pandemie betroffen. Oft ist es nicht die Pandemie selbst, sondern die Umstände, die die Maßnahmen mit sich bringen. „Die Freundschaften können nicht gepflegt werden, das, was das normale Jungsein ausmacht, das ist weg. Diese Zeit kommt nicht zurück, und das ist sehr schmerzhaft für die Jugendlichen", erzählt die Mitarbeiterin.

Es könnte außerdem sein, dass die normale Entwicklung von Kindern gestört würde. Normalerweise entstehen in der Schule Freundschaften, jetzt herrscht Einsamkeit. Mittlerweile fragen sich Kinder: Sind wir noch Freunde, haben wir noch Freunde? Das müssen die Schulen und Kindergärten bei der Rückkehr in den Alltag berücksichtigen. „Untersuchungen besagen, dass Unterricht zu Hause und Isolation die Fähigkeit zusammen zu spielen herabsetzt", sagt Nielsen.

Die Freundschaften können nicht gepflegt werden, das, was das normale Jungsein ausmacht, das ist weg. Diese Zeit kommt nicht zurück.

Jette Nielsen

Trotzdem gibt es auch Hoffnung. Die Impfstrategie funktioniert, es wird hoffentlich bald erste Lockerungen geben.

Die Ortsvereine unterstützen die Mitglieder, wo sie nur können. So verteilten sie Geschenktüten zu Weihnachten, Blumensträuße, Gedichte, Kreuzworträtsel und Sudoku, Schokolade, Selbstgebackenes und Grußkarten. „Sie versuchen wirklich, die Leute aufzumuntern", berichtet die Mitarbeiterin des Sozialdienstes.

Jette Nielsen hat einige Tipps, um die mentale Gesundheit zu pflegen:

1. Den Tagesrhythmus beibehalten, um Chaos zu vermeiden.

2. Gesund essen, für mehr Energie.

3. Jeden Tag rausgehen, ob zum Strand oder in den Wald. Das hebt die Laune.

4. Fahrradtouren

5. Gymnastik und Sport zu Hause, das entspannt und gibt das Gefühl von Produktivität.

6. Das Gehirn beanspruchen in Form von Lesen, Zeichnen, Sudoku oder Tagebuchschreiben.

7. Einen Tages- oder Wochenplan erstellen, das schafft Struktur.

8. Kontakt mit Freunden und Familie halten, auch wenn nur über Telefon oder Video.

9. Tolerant sein, Akzeptanz und Mitgefühl zeigen.

10. Über Probleme sprechen.

11. Den Medienkonsum begrenzen, man muss sich informieren, aber zu viel kann Panik schaffen.

12. Schlechte Gedanken mit positiven Gedanken verdrängen.

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