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Psychologen warnen vor steigender Corona-Angst

Psychologen warnen vor steigender Corona-Angst

Psychologen warnen vor steigender Corona-Angst

Ritzau/kj
Kopenhagen
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Für viele Patienten ist es schwer, sich einen Alltag ohne Corona vorzustellen. Foto: Unsplash/Ben White

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Drei Monaten müssen Patienten auf eine Behandlung von Angstzuständen und Depressionen warten. Das kann laut der Vorsitzenden des Psychologenverbandes die Störungen verschlimmern.

Soziale Distanz und Isolation, die durch die Corona-Krise zum Alltag dazugehören, beeinträchtigen die psychische Gesundheit der Bürger in Dänemark.

Die Psychologen des Landes sind damit beschäftigt, Menschen mit Angstzuständen und Depressionen zu behandeln.

Anstieg um 36 Prozent

So ist beispielsweise vom vierten Quartal 2019 bis zum vierten Quartal des vergangenen Jahres bei der Behandlung von Angstzuständen ein Anstieg um 36 Prozent zu verzeichnen.

Es ist ein deutlicher Anstieg, den ich wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad erwartet habe. Aber mit diesem Ausmaß hätte ich nicht gerechnet.

Eva Secher Mathiasen, Vorsitzende der dänischen Vereinigung der Psychologen

„Es ist ein deutlicher Anstieg, den ich wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad erwartet habe. Aber mit diesem Ausmaß hätte ich nicht gerechnet“, sagt Eva Secher Mathiasen, Vorsitzende der dänischen Vereinigung der Psychologen.

Die Zahlen basieren auf Patienten im Alter von 22 bis 38 Jahren, die vom öffentlichen Sektor einen Zuschuss von 60 Prozent für psychologische Behandlungen erhalten haben.

Corona als Ursache

Die Vorsitzende des Psychologenverbandes ist sich sicher, dass die Corona-Situation die primäre Erklärung dafür ist, dass die Menschen sich Hilfe suchen.

Die Patienten können sich nicht mehr daran erinnern, wie es ist, in einem normalen Alltag zu leben, wie man es zu Beginn der Krise konnte.

Eva Secher Mathiasen, Vorsitzende der dänischen Vereinigung der Psychologen

„Es kann Angst sein, infiziert zu werden und – wenn sie selbst infiziert sind – andere zu infizieren. Aber viele haben auch das Gefühl, in einem Vakuum zu leben, das an sich Angst hervorrufen kann. Sie können sich nicht mehr daran erinnern, wie es ist, in einem normalen Alltag zu leben, wie man es zu Beginn der Krise konnte. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, sich ein Bild davon zu machen, wie es nach der Krise sein wird“, sagt Eva Secher Mathiasen.

Wartezeiten von 12, 3 Wochen

Die wachsende Nachfrage nach psychologischer Hilfe hat zu längeren Wartezeiten für die Behandlung geführt.

Die durchschnittliche Wartezeit für die Behandlung von Angstzuständen und Depressionen im Januar betrug 12,3 Wochen. Diese Wartezeit ist eine der längsten, die der Psychologenverband registriert hat.

Es ist alarmierend, dass es so viele Bürger gibt, die eine Behandlung benötigen, aber drei Monate warten müssen.

Eva Secher Mathiasen, Vorsitzende der dänischen Vereinigung der Psychologen

„Es ist alarmierend, dass es so viele Bürger gibt, die eine Behandlung benötigen, aber drei Monate warten müssen. Sie laufen Gefahr, dass sich dadurch die Gesundheit verschlechtert“, sagt Eva Secher Mathiasen.

Lösung liegt bei den Regionen

Sie glaubt, dass die dänischen Regionen der Schlüssel zur Lösung des Problems sind.

„Die Lösung besteht darin, den Psychologen zu ermöglichen, etwas mehr Patienten aufzunehmen. Dies wird dazu beitragen, die Gesamtkapazität zu erhöhen und die Wartezeit zu verkürzen.“

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Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Der Mensch – der schlechte Freund des Hundes“