Neueröffnung

Neues Café im Retrostil

Neues Café im Retrostil

Neues Café im Retrostil

Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Bürgermeister Thomas Andresen (Venstre) durchschnitt bei einem hausinternen Eröffnungsemfpang am Montagnachmittag das obligatorische rote Band vor dem Eingang. Die Cafébesitzerin Mette Sørensen (mit Blumenstrauß im Arm) schaut zu. Foto: Karin Riggelsen

Mette Sørensen und Claus Jeppesen erfüllen sich mit dem „Café Agnes“ in der Apenrader Fußgängerzone „ihren“ Traum von der Selbstständigkeit. Die ersten Gäste sind am Dienstag willkommen. Die offizielle Eröffnung wurde am Montag mit Freunden, Bekannten und dem Bürgermeister gefeiert.

Dafür, dass sie am Dienstag, 26. Mai, um 10 Uhr in der Apenrader Fußgängerzone ihr erstes eigenes Café eröffnet, ist Mette Sørensen am Montagnachmittag erstaunlich ruhig – äußerlich zumindest. Dabei hätte es so manchen Grund zur Nervosität geben können.

Am hinteren Ende des Hauses waren die Maler noch an der Fassade beschäftigt, die Kaffeemaschine funktioniert noch nicht 100-prozentig, in der kleinen Küche werden Häppchen für die geladenen Gäste angerichtet, die in wenigen Minuten kommen würden – darunter auch Apenrades Bürgermeister, um die offizielle Eröffnung von „Café Agnes“ zu zelebrieren – mit dem Durchschneiden eines roten Bandes.

Zeit für ein kurzes Interview

Als ehemalige Lehrerin ist sie es offensichtlich gewohnt, auch in stressigen Situationen den Überblick zu bewahren und so nimmt sie sich dennoch Zeit für ein kleines Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Sie sei schon länger schwanger gegangen mit dem Wunsch eines Karrierewechsels, erzählt die 48-Jährige. „Ich bin gerne Lehrerin gewesen, habe das aber 20 Jahre lang gemacht und wollte auch mal etwas anderes probieren, bevor es womöglich dafür zu spät ist“, erzählt Mette Sørensen. Sie war zuletzt in der Oberstufe der „Dybbølskolen“ in Sonderburg/Sønderborg tätig.

Mit Menschen sollte es zu tun haben, dessen war sie sich von Anfang an sicher. Ansonsten war sie relativ offen.

Mette Sørensen und Claus Jeppesen vor dem Gebäude Ramsherred 6 Foto: Karin Riggelsen

Im Kislings auf den Geschmack gekommen

„Ich bin nie große Kaffeetrinkerin, geschweige denn Café-Gängerin gewesen. Mein Interesse wurde aber im Café Kislings in Sonderburg geweckt. Mir gefiel dort das ganze Ambiente und die heimelige Atmosphäre. – Ich habe dort viele Aufsätze korrigiert“, erzählt sie lachend.

„Den ersten Geschäftsplan für ein Café habe ich im Januar/Februar 2019 erstellt. Schon im März habe ich mir zum ersten Mal das Gebäude Ramsherred 6 angeschaut“, fügt Mette Sørensen hinzu. Es wäre der ideelle Platz für ein Café ihrer Vorstellung, zumal die Kommune Apenrade ein Stadtsanierungskonzept für das Nordertorviertel ausgearbeitet hat, in das ein Retro-Café – wie das von ihr erwünschte – wie die Faust auf Auge passen würde.

„Wir kaufen das Haus“

Die richtige „Location“ war also gefunden; der Plan lag auch schon vor. Ein Problem, nein, eine Herausforderung gab es dann doch: Der Besitzer wollte die Immobilie verkaufen, nicht nur vermieten. Nach reiflicher Überlegung kamen Mette Sørensen und ihr Lebensgefährte Claus Jeppesen dann doch zu der völlig irrsinnigen Entscheidung: „Verd...! Wir kaufen das Haus.“

In dem „Café Agnes" gibt es so manches zu entdecken. Zu jedem Stuhl, zu jedem Dekogegenstand gibt es eine kleine Geschichte. Foto: Karin Riggelsen

Bereut hat sie den finanziell dann doch gewagten Schritt keineswegs. „In diesem Nordende der Fußgängerzone herrscht ein ganz nettes Miteinander. Man hilft und unterstützt sich gegeneinander – einfach toll“, betont die 48-Jährige.

... und dann kam Corona

Dass sie das Café erst jetzt eröffnen, ist natürlich vor allem den Corona-Beschränkungen geschuldet. „Ich bin heilfroh, dass ich nicht schon vorher angefangen habe“, sagt Mette Sørensen. Sie wird die meiste Zeit selbst im Café zu finden sein. Ihr Lebensgefährte bleibt bei seinen Leisten. Er ist gelernter Spediteur. Aber natürlich wird er in Zukunft auch in dem Café Aufgaben übernehmen.

Jetzt – mit dem Sommer vor der Tür und den Corona-Lockerungen – ist sicherlich auch die günstigere Zeit für eine Café-Neueröffnung.

Der Hinterhof wird sicherlich besonders an warmen Sommertagen begehrt sein. Foto: Karin Riggelsen

„Geburtshilfe“ aus Sonderburg

Neben ganz vielen fleißigen Freunden und Verwandten sei der Sonderburger Cafébetreiber Michael Kisling eine unentbehrliche Hilfe gewesen, erzählt Mette Sørensen. Er habe die Existenzgründerin nicht nur beraten. „Aus seiner Rösterei beziehe ich auch den Kaffee, den wir hier servieren“, unterstreicht sie. Überhaupt setzt sie auf der bewusst übersichtlichen Speisekarte auf Produkte aus der Region. Es gibt belegte Brötchen, Sandwiches und Kuchen.

Wichtig war ihr vor allem, dass sich Gäste bei ihr wohlfühlen können. Die Möbel und die Dekogegenstände hat sie im Laufe des vergangenen Jahres zusammengesammelt und aufgearbeitet. Das Sammelsurium an verschiedenen Stühlen allein bietet jede Menge Gesprächsstoff und Aha-Erlebnisse.

Ein ganz großes Plus des Cafés ist der Hinterhof. „Es ist jetzt noch sehr klein, aber wir haben schon Pläne, wie wir ihn erweitern können“, gibt Mette Sørensen lachend zu.

Am Dienstag öffnet das Café erst um 10 Uhr. Ansonsten wird der Gast werktags schon um 8.30 Uhr eine Tasse Kaffee oder Tee bestellen können. Sonnabends ist das Café ab 10 Uhr geöffnet. Mette Sørensen orientiert sich ansonsten an den Schließzeiten der umliegenden Geschäfte.

Café Agnes

Der Name lag für den Matador-Fan Mette Sørensen einfach auf der Hand. Die dänisch Fernsehserie, die in den Jahren 1978 bis 1981 produziert wurde, zeigt das Leben in einer fiktiven dänischen Kleinstadt namens Korsbæk in den Jahren 1929 bis 1947. Agnes ist der Name des Dienstmädchens im Hause des Bankdirektors. „Ich kann mich mit der Rolle gut identifizieren. Ich habe sie schon immer gemocht“, sagt die 48-Jährige. An eine weitere Parallelität hat Mette Sørensen womöglich gar nicht gedacht. Agnes Jensen steht in der TV-Serie in Diensten von Bankdirektor Varnæs. Varnæs ist auch der dänische Name des Ortes Warnitz südöstlich von Apenrade und das ist auch der Wohnsitz von Mette Sørensen und ihrem Lebensgefährten Claus Jeppesen.

Mehr lesen

Leitartikel

Walter Turnowsky
Walter Turnowsky Korrespondent in Kopenhagen
„Manchmal muss man Statuen einreißen“