Geburtsstunde der Minderheit

Minderheit lässt sich 2020 fast eine Million Kronen kosten

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: DN

Die Geburtsstunde der deutschen Minderheit in Nordschleswig wird mit einer Reihe von Projekten gefeiert. Es gibt bereits zahlreiche Ideen.

Die Dänen feiern 2020 die Wiedervereinigung Nordschleswigs mit Dänemark. Für die deutsche Seite war die Abtretung des Landesteils keine Feierstunde, aber beim 100. Jahrestag 2020 wird die deutsche Minderheit dennoch eine große Rolle spielen, denn es war schließlich auch die Geburtsstunde der Minderheit und des deutsch-dänischen Grenzlandes, so wie wir es heute kennen.

Der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger hat in seinen Haushalten für die Jahre 2018 bis 2021 vorläufig 900.000 Kronen für verschiedene 2020-Projekte reserviert. Reserviert, weil die Haushalte für diese Jahre noch nicht stehen und die finanziellen Rahmenbedingungen der Minderheit noch unklar sind.

Finanzierung

Unter Voraussetzung, dass Geld zur Verfügung steht, hat der BDN 100.000 Kronen für 2018, 200.000 Kronen für 2019, 500.000 Kronen für 2020 und 100.000 Kronen für 2021 bewilligt. Sie sollen aus den Nordschleswig-Mitteln finanziert werden – das ist der Projekttopf der Minderheit.

„Noch haben keine der Projekte eine Zusage bekommen, aber es sind auch keine abgewiesen worden“, erklärt BDN-Generalsekretär Uwe Jessen. In den kommende Monaten und Jahren soll an den Ideen weiter gearbeitet werden. Dabei werden nicht alle Projekte ins Jubiläumsjahr 2020 fallen und aus diesem Grund ist die Finanzierung über mehrere Jahre verteilt.

Die deutsche Minderheit ist darüber hinaus durch den BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen in einem regionalen 2020-Präsidium vertreten und auch auf nationaler Ebene wird auf die „Wiedervereinigung“ als Großereignis gesetzt.

Neben den Nordschleswig-Mitteln sollen Verbände und Institutionen einige Projekte aber auch mit eigenen Geldern bezahlen. Andere müssen durch erhebliche finanzielle Beträge von anderer Seite finanziert werden.

Die Projektideen

Die Verbände und Institutionen der Minderheit haben bereits zahlreiche Ideen, wie das Jubiläumsjahr begangen werden kann, und der BDN hat einen vorläufigen Ideenkatalog erstellt.

BDN-Kultur arbeitet unter anderem an einer Theaterkooperation mit dem Theater Møllen in Hadersleben an einer Rock-Pop-Akademie, bei der das Ziel ist, Jugendliche für deutschsprachige Rock- und Popmusik zu begeistern, an einem Jubiläumsbier-Projekt sowie an einem Sprachenfilmprojekt mit dem Arbeitstitel „Krug an der Wiedau“. Kulturkonsulent Uffe Iwersen hofft zudem, dass es gelingt, das Liet International – den Eurovision Song Contest der Minderheiten- und Regionalsprachen – nach Nordschleswig zu holen.

Die Theatertruppe „Theaterdrang“ überlegt gemeinsam mit Museumsleiter Hauke Grella Familienbriefe und Dokumente des Deutschen Museums als Theaterstück auf die Bühne zu bringen, um so die Zeit um 1920 zu beschreiben. Es soll eine Sonderausgabe des Heftes Grenzland erscheinen. 2020 wird der Bund Deutscher Nordschleswiger nämlich auch 75 Jahre.

Jugendkunstkonsulentin Jana Surkus möchte unter der Überschrift „Wir sind unsere Geschichte“ – 100 Jahre Minderheit durch 100 Portraits von Menschen aus der Minderheit präsentieren, und im Deutschen Museum in Sonderburg soll eine Sonderausstellung über Nordschleswig und die Minderheit gezeigt werden: 100 Jahre – 100 Gegenstände – 100 Geschichten. Dazu soll ein Buch erscheinen.

Deutsche Seite mit ins Boot holen

Schließlich gibt es auch Bemühungen, die deutsche Seite für 2020 zu interessieren. Hinrich Jürgensen hat sowohl die Bundesregierung als auch das Land Schleswig-Holstein dazu aufgefordert an 2020-Aktivitäten aktiv mitzuwirken. Letzte Woche gab Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Zusage, dass sich Schleswig-Holstein einbringen werde. Und auch der Bund stellte bereits 7,5 Millionen Kronen für eine Neugestaltung des Deutschen Museums in Aussicht, sollte ein ähnlich hoher Betrag von dänischer Seite finanziert werden.

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