Kultur

Museum Sønderjylland rechnet mit längerer Schließung

Museum Sønderjylland rechnet mit längerer Schließung

Museum Sønderjylland rechnet mit längerer Schließung

Hadersleben/Haderslev
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Das sehr geräumige Schloss Sonderburg eignet sich als Museumsstandort für eine Wiederzulassung von Publikum, da Abstandsregeln eingehalten werden können. Foto: Volker Heesch

Der Direktor des nordschleswigschen Museumsverbundes, Henrik Harnow, hofft auf baldige Öffnung der Museen im Landesteil: In Freilichtausstellungen und geräumigen Häusern Einlass mit Corona-Schutzmaßnahmen zu verantworten.

In der Leitung des nordschleswigschen Museumsverbundes „Museum Sønderjylland“, zu dem Ausstellungen im riesigen Schloss Sonderburg (Sønderborg) ebenso wie das Ziegeleimuseum Cathrinesminde oder die Mühle in Hoyer (Højer) zählen, stellt man sich auf eine Verlängerung der Schließung über den bisherigen Termin 1. März hinaus ein.

Henrik Harnow ist Direktor des Museumsverbundes Museum Sønderjylland. Er hofft auf eine baldige Wiedereröffnung der Museen in Nordschleswig. Foto: JV / Claus Thorsted

„An eine Öffnung unserer Museen, wie bisher angegeben am 2. März, glaube ich angesichts der jüngsten Expertenaussagen zur Corona-Situation nicht“, erklärte der Direktor von Museum Sønderjylland, Henrik Harnow, gegenüber dem „Nordschleswiger“.

Ausstellungen mit Leihgaben befristet

„Das ist für uns eine große Herausforderung, denn wir haben ja beispielsweise im Kunstmuseum Schloss Brundlund in Apenrade Ausstellungen mit Leihgaben anderer Museen auf dem Programm. Die bisher der landesweiten Museumsschließung zum Opfer gefallene Sonderausstellung ,Kunst på Grænsen’ mit Bildern Jens Birk Holms von der Insel Fünen, der viele Werke in den Jahren 1892 bis 1902 in Berlin geschaffen hat, sollte bereits am 18. April dieses Jahres enden. Ich hoffe auf eine baldige Wiedereröffnung von Museen“, so Harnow, der es im Zuge der absehbaren schrittweisen Normalisierung des öffentlichen Lebens nach dem jüngsten Corona-Shutdown für problematisch hält, dass weiterhin landesweit alle Musseen über einen Kamm geschoren werden.

Freilichtmuseen früher öffnen?

„Wir haben das Ziegeleimuseum Cathrinesminde, das geologische Museum an der Grammer Tongrube und das Mühlenmuseum Hoyer, wo ein Großteil der Ausstellungen unter freiem Himmel besucht wird“, so Harnow und verweist darauf, dass dort selten, höchstens in der kurzen Hauptsaison, größerer Publikumsandrang herrscht.

Das Ziegeleimuseum Cathrinesminde bei Broacker verfügt über Freilichtbereiche, in denen die Ansteckungsgefahren weniger groß sind als in Kunstmuseen mit großem Publikumsandrang. Foto: Volker Heesch

„Im Sonderburger Schloss und in den Sälen des Tonderner Kunstmuseums ist sehr viel Platz, dass die Besucherinnen und Besucher sich nicht zu nahe kommen“, so seine Argumentation, dass Museen mit den erforderlichen Voraussetzungen zur Verhinderung von Covid-19-Ansteckungen früher geöffnet werden könnten als die traditionell stark besuchten Häuser meist in den großen Städten des Landes.

Vorsichtsmaßnahmen bei Öffnung

„Wenn wir wieder öffnen, dann ohnehin nur mit Zugangsbegrenzungen, wie sie sich im vergangenen Sommer bewährt haben. Damals konnten wir auch viele deutsche Gäste begrüßen, nachdem die Grenze wieder passierbar worden war. Es wird nur Zugang mit zeitlicher Begrenzung, Vorbestellung von Zeitfenstern geben“, berichtet der Museumschef, der hinzufügt, dass die einzelnen Museen planmäßig Sonderausstellungen aufbauen. „In Tondern ist die Sonderausstellung ,Jacob Kirkegaard: Mellum Rum‘ startklar. Sie soll am 19. September enden. Wenn die Öffnung noch lange auf sich warten lässt, ist der ganze Aufwand vergeblich gewesen“, stellt Harnow mit besorgtem Unterton fest.

Die Ausstellung umfasst Werke des 1975 geborenen, in Köln ausgebildeten dänischen Künstlers, die er teilweise speziell für die Schau in Tondern geschaffen hat. Sie umfasst Klanginstallationen, umfasst Themen wie den Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko oder auch schmelzende grönländische Gletscher und Begegnungen mit toten Körpern.

Wiederholung ausgefallener Vortragsreihen offen

Harnow weist auch auf die vielen Vorträge in Regie von Museum Sønderjylland hin, die während der nun schon viele Wochen andauernden Zwangsschließung der Museen ausfallen.

Betroffen ist eine Vortragsreihe über die deutsche Minderheit in Nordschleswig im kulturhistorischen Museum Tondern. Ausgefallen sind Vorträge von Henrik Becker-Christensen über die deutschen Nordschleswiger nach der Abstimmung 1920 und Henrik Skov Kristensens über die Minderheit und das Fårhus-Lager.

„Wir versuchen, viele Vorträge nachzuholen, aber das hängt oft davon ab, ob die Referentinnen und Referenten Ersatztermine anbieten können“, so Harnow. Im Sonderburger Schloss fällt am heutigen Dienstag der Vortrag von Mariann Christensen über Graf Otto Diderik Schack als vermittelnde Persönlichkeit im intern zerstrittenen dänischen Lager vor und während der Abstimmungszeit 1918/1920 aus. Es bleibt zu hoffen, dass die Veranstaltung über den gegenüber den deutschen Nordschleswigern nach 1920 rücksichtsvoll als Amtmann in Tondern agierenden Gutsherren später stattfinden kann. „Wir können nur hoffen, dass sich die Corona-Lage bessert“, so der Chef des Museumsverbundes.

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