Klärwerk

Experte wäscht Arwos von Betrugsvorwürfen rein

Experte wäscht Arwos von Betrugsvorwürfen rein

Experte wäscht Arwos von Betrugsvorwürfen rein

Apenrade/Aabenraa
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Das zentrale Klärwerk am Stegholt ist das größte in der Kommune Apenrade. Foto: Anke Haagensen

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Der Vorsitzende Kjeld Hansen ist nicht wirklich überrascht über das Ergebnis einer prozesstechnischen Analyse. Es freut ihn dennoch, dass der Vorstand der Apenrader Versorgungsgesellschaft eine Stange Geld in die Hand genommen hat, um es auch schwarz auf weiß zu haben. Zumal die Zahlen gute Argumente für ein laufendes Antragsverfahren mit der Umweltbehörde liefern.

Eine frische Analyse von einem der führenden Ingenieure Dänemarks für Abwassertechnik hat für eine Mischung aus Genugtuung und Erleichterung im Vorstand der Apenrader Versorgungsgesellschaft Arwos gesorgt. Der 35 Seiten lange Bericht zeigt nämlich, dass ein im Raum stehender Manipulationsvorwurf technisch gar nicht möglich gewesen wäre. 

„Und wenn sie möglich gewesen wäre, dann hätte Arwos keinesfalls eine Million Kronen an Stickstoffabgaben eingespart, sondern nur rund 100.000 Kronen“, fügt der Vorstandsvorsitzende Kjeld Hansen hinzu.

Kjeld Hansen ist seit Beginn der Legislaturperiode des Stadtrates vor gut zwei Jahren Vorsitzender der Versorgungsgesellschaft. Foto: Kommune Apenrade

Schlimme Vorwürfe

Arwos sah sich vor wenigen Wochen in den Überschriften einiger Medien wieder. Der Apenrader Versorgungsgesellschaft wurde bewusster Zahlenpfusch vorgeworfen

Der kurz vorher angetretene Direktor der Stadtwerke, Ole Damm, hatte sich über die relativ hohen Stickstoffwerte gewundert, als 2019 eine neue Schlammpresse in Betrieb genommen wurde. „Sie waren zwar höher als vorher, lagen aber nie über dem zulässigen Level“, fügt Kjeld Hansen erläuternd hinzu. 

Am Stegholt wird das Abwasser mechanisch und biologisch gereinigt. Foto: Anke Haagensen

Anfängliche Probleme

Allerdings lagen die Stickstoffwerte im Jahr 2021 nach anfänglichen Implementierungsproblemen noch immer über den Werten der Jahre 2014 bis 2018, was den Direktor wunderte. Damm wandte sich deshalb mit seinem Problem an die Umweltbehörde und erhielt die pragmatische Antwort, einfach künftig die aktuellen Werte als Grundlage zu nehmen. Damit war die Sache für Direktion und Vorstand erledigt, bis ein langjähriger Mitarbeiter meinte, die „wahre“ Ursache zu kennen. Arwos hätte die alte Schlammpresse in den Jahren 2014 bis 2018 jeweils für drei Tage ausgeschaltet, wenn eine offizielle Probenentnahme anstand, so sein Verdacht. 

Auf diese Weise soll Arwos den Staat um Stickstoffabgaben in Höhe von einer Million Kronen betrogen haben, lautete der Vorwurf in einigen Medien.

Kommunale Klärwerke 

Arwos betreibt aktuell sieben Kläranlagen in der Kommune: Apenrade, Brøde, Gjenner (Genner), Stenneskær, Kollund, Gaardeby (Gårdeby) und Bau (Bov). 
Das größte dieser Klärwerke liegt am Stegholt in Apenrade.
Insgesamt werden täglich 20 Millionen Liter Wasser gereinigt.
Der Stromverbrauch liegt momentan bei 5 Millionen Kilowattstunden für Transport und Reinigung. Das entspricht dem Stromverbrauch von 1.100 Einfamilienhäusern.
(Quelle: Arwos)

Obwohl der Vorstand sowie jetzige und frühere Direktion eigentlich davon überzeugt waren, nichts wirklich falsch gemacht zu haben, abgesehen von unglücklichen Formulierungen in einem Protokoll nach einer Vorstandssitzung im Jahr 2022, wurde eine sogenannte prozesstechnische Analyse beim namhaftesten Institut für Abwassertechnik in Auftrag gegeben. 

Und jetzt haben sie es schwarz auf weiß: Die Manipulationsvorwürfe sind aus der Luft gegriffen. 

Kapazitäten hätten nicht gereicht

Die Kapazitäten des Klärwerks am Stegholt in Apenrade hätten ein zwei- oder gar dreitägiges Abschalten der Schlammpresse nicht verkraften können. Und hätte es gar jemand dennoch getan, wären die entstandenen Schäden größer gewesen als die gegebenenfalls erzielten Ersparnisse. Darüber hinaus entbehrt die im Raum gestellte Millionen-Ersparnis jedwede Grundlage. „Ingenieur Peter Tychsen kommt zu dem Schluss, dass maximal eine Ersparnis von 100.000 Kronen hätte erzielt werden können“, sagt Kjeld Hansen.

Teure Analyse

Auf die Frage, wie viel Geld eine solche Studie nun Arwos gekostet habe, bleibt Hansen eine klare Antwort schuldig. „Wir haben noch keine Rechnung erhalten“, entschuldigt er sich. „Aber ich vermute, dass eine solch umfassende Analyse schon um die 100.000 Kronen kosten wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Das Geld ist seiner Ansicht jedoch gut ausgegeben. Die Analyse wäscht Arwos nicht nur von allen Manipulationsvorwürfen rein, sondern gibt Direktion, Vorstand und Mitarbeitendenstab auch wichtige Erkenntnisse für die Zukunft.

Am Stegholt erfolgt die biologische Reinigung in drei Verfahrensschritten: anaerob, anoxisch und aerob. Foto: Anke Haagensen

Studie gibt wichtige Aufschlüsse

„Die Zahlen geben unserer Mannschaft im Klärwerk ein noch besseres Verständnis für ihre Arbeit. Überdies können wir die Studie aktuell gut nutzen, um die Umweltbehörde davon zu überzeugen, dass sie uns die Ableitungsgenehmigung in die Förde nicht weiter einschränken darf“, sagt Kjeld Hansen.  

Im Dialog mit der Umweltbehörde

Tatsächlich hat die Umweltbehörde vor, die Klärwassereinleitung vom Stegholt in die Apenrader Förde von derzeit 8 Mikrogramm pro Kubikmeter um die Hälfte zu reduzieren, weil das Klärwerk den Maximalwert ohnehin nicht nutzt.

Das wäre allerdings kontraproduktiv, wie Kjeld Hansen betont. „Wir haben nämlich vor, die ineffizienten kleinen Klärwerke in Loit, Brøde (bei Barsmark, red. Anm.) und Gjenner zu schließen“, sagt Kjeld Hansen. 

Eine Modernisierung dieser kleinen Werke würde mehrere Millionen kosten. Da es aber freie Kapazitäten in Stegholt gibt, wäre es ökonomisch und ökologisch sinnvoller, das Abwasser zum zentralen Klärwerk in Apenrade zu leiten und dort zu reinigen.

Weniger Belastung für den Kleinen Belt

„Wir brauchen deshalb die Genehmigung von 8 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auch wenn wir sicherlich unter diesem Wert bleiben werden, so reicht die Hälfte nicht aus. Auch das ist der Studie Tychsens zu entnehmen“, sagt Kjeld Hansen. Er ist deshalb zuversichtlich, dass die Umweltbehörde dieser Argumentationskette folgen kann und auch die Vorteile erkennt. Einer ist, dass die Ableitung in den Kleinen Belt (Lillebelt) dann natürlich reduziert werden kann. 

Der ganze Bericht

Die prozesstechnische Analyse ist vollständig auf der Homepage von Arwos unter folgendem Link zu finden.  

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