Deutsche Minderheit

BDN zieht bei Delegiertenversammlung Bilanz

BDN zieht bei Delegiertenversammlung Bilanz

BDN zieht bei Delegiertenversammlung Bilanz

Tingleff/Tinglev
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Der Hauptgeschäftsführer des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Bernd Søndergaard, gab während der Delegiertenversammlung Einblicke in die finanzielle Situation der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Foto: Volker Heesch

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Der BDN-Generalsekretär Uwe Jessen und der Hauptgeschäftsführer Bernd Søndergaard lieferten Einblick in täglichen Betrieb und Finanzen im Haus Nordschleswig. Auch der Sekretariatsleiter Harro Hallmann und die Kulturausschussvorsitzende Marion Petersen kamen zu Wort.

Steigende Baukosten und rasant verteuerte Energie vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Europa machen auch der deutschen Minderheit in Nordschleswig mit ihren vielen Einrichtungen zu schaffen.

Corona in Bilanz spürbar

Darüber berichtete der Hauptgeschäftsführer des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Bernd Søndergaard, ebenso wie der Generalsekretär des BDN, Uwe Jessen, während der BDN-Delegiertenversammlung in Tingleff. Einblick in den in vielen Bereichen vom „Haus Nordschleswig“ in Apenrade (Aabenraa) aus gelenkten Betrieb, Veranstaltungen und Kontakte der deutschen Nordschleswiger gaben auch der Leiter des Sekretariats der Minderheit in Kopenhagen, Harro Hallmann, und die Vorsitzende des BDN-Kulturausschusses, Marion Petersen. Ebenso wie Uwe Jessen konnte Bernd Søndergaard nicht das Thema Corona aussparen. Während Søndergaard dabei auf einen Rückgang bei den Eigeneinnahmen durch Absage vieler Veranstaltungen hinwies, erwähnte Uwe Jessen dass die so wichtigen Kontakte zur deutschen Bundesregierung und zum Bundestag erschwert waren.

Lange wenige persönliche Kontakte

„Erst im März 2022 waren wir wieder einmal einige Tage in Berlin“, so Jessen, zuvor habe man sich mit den Behörden und zuständigen Politikern fast nur per Telefon, Mail oder Videokonferenzen austauschen können.

Der BDN-Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen dankte während der Delegiertenversammlung dem aus dem Amt geschiedenen bisherigen stellvertretenden Hauptvorsitzenden Olav Hansen für dessen Einsatz während der vergangenen Jahre. Foto: Volker Heesch

Bernd Søndergaard lobte angesichts der finanziellen Herausforderungen aufgrund der Corona-Auflagen die Solidarität innerhalb der Minderheit. Er gab Einblick über die Fördermittel zugunsten der Minderheit, ebenso in die Ausgaben, wobei er unter anderem bei den Investitionen Vorhaben wie den Neubau des Kindergartens in Lügumkloster (Løgumkloster) und eine Energiesanierung im Haus Nordschleswig erwähnte. „Der Haushalt der Minderheit hat ein Volumen wie ein mittelständisches Unternehmen“, so Søndergaard und unterstrich, dass laufend daran gearbeitet werde, den Betrieb rationeller zu gestalten.

Unterstützung aus Apenrade für Ortsvereine bei Kosteneinsparung

Bernd Søndergaard ging auch auf Kostenbelastungen durch steigende Gebühren ein, die aktuell vielen örtlichen Vereinen und Einrichtungen Probleme bereiteten. „Wir geben gerne Tipps, um bessere Konditionen zu bekommen“, so Søndergaard und rief dazu auf, Informationen dazu an örtliche Vorstände weiterzuleiten.

Dank an Mitarbeiterschaft

Uwe Jessen erwähnte die gute Zusammenarbeit mit allen politischen Gruppen des Bundestages. Erfreulich sei die Bereitstellung zusätzlicher Mittel aus Berlin in diesem Jahr, so Jessen und verwies darauf, dass die Mittel angesichts der aktuell hohen Preissteigerungen dringend benötigt werden. Der BDN-Generalsekretär nutzte die Gelegenheit, den großen Einsatz des Mitarbeiterstabes der Minderheit in den hoffentlich bald überstandenen Corona-Zeiten zu loben. „Die vergangenen Jahre waren nicht leicht, und daher möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in allen Verbänden für den Extra-Einsatz danken, den alle geleistet haben“, so Jessen.

Die vergangenen Jahre waren nicht leicht, und daher möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in allen Verbänden für den Extra-Einsatz danken, den alle geleistet haben.

Uwe Jessen, BDN-Generalsekretär

Das sei entscheidend gewesen, um insgesamt gut durch die Corona-Zeit zu kommen. Das Gleiche gelte für die vielen ehrenamtlich Tätigen in der deutschen Minderheit, die für Kontakte unter den Menschen gesorgt hätten.

Deutsch keine Fremdsprache in Nordschleswig

Sekretariatschef Harro Hallmann ging auf die Sprachenstrategie der deutschen Nordschleswiger ein, die unter anderem darauf abzielt, intern in der Minderheit und in der gesamten Gesellschaft den Anspruch zu vermitteln, dass Deutsch in Nordschleswig nicht als Fremdsprache zu betrachten sei. Deutsch sei als Sprache der Minderheit beispielsweise berechtigt, in Dokumenten, Grundbüchern und Satzungen verwendet zu werden.

Harro Hallman berichtete über seinen Einsatz als Leiter des Sekretariats der deutschen Minderheit in Kopenhagen. Foto: Volker Heesch

Er ging auf Bemühungen ein, die bisher auf 85 Prozent der für dänische Gymnasien vorgesehenen Mittel zum Schulbetrieb des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig begrenzten Sätze auf volles „Landesniveau“ zu erhöhen. Bei staatlichen Fördermitteln für Medien der Minderheit sei bisher nicht die inzwischen große Rolle der sozialen Medien berücksichtigt worden.

Werbung für Theaterabo

Die Vorsitzende des BDN-Kulturausschusses, Marion Petersen, berichtete über die Freude, dass nach dem Abklingen der Corona-Krise endlich wieder das Kulturprogramm der deutschen Nordschleswiger angekurbelt werden konnte. Das gelte für Veranstaltungen in Kindergärten ebenso wie für Riesenerfolge in der breiten Öffentlichkeit wie das Filmprojekt „Der Krug an der Wiedau“, das Minderheiten-Musikfestival „Liet International“ oder auch den Neustart bei den Theaterfahrten und in der Musikvereinigung.

Marion Petersen berichtete über ein Hochfahren der kulturellen Angebote der deutschen Nordschleswiger nach dem Abklingen der Begrenzungen aufgrund der Corona-Pandemie, die zu vielen Absagen geführt hatten. Foto: Volker Heesch

Marion Petersen sprach allen Haupt- und Ehrenamtlichen einen großen Dank aus, die dafür sorgten, in der deutschen Minderheit attraktive kulturelle Angebote zu bieten. Sie warb dabei besonders für Anmeldungen für das neue Theaterabo 2022/2023 mit Fahrten zu Vorstellungen des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters in Flensburg.

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Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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