E-Autos als Lösung

Die elektrische Zukunft des Autos

Tim Wegner
Apenrade
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Foto: DPA

Die Umweltverbände mahnen schon seit Jahren, dass die Politik die Forderung von elektronisch betriebenen Autos konsequenter fördern und durchsetzen muss. Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten, hatte die dänische Regierung die Fördermittel von E-Autos wieder abgeschafft. Ein Rückschritt für den Fortschritt?

Die Kritiker in Reihen der dänischen Politik mehrten sich, ändern tat sich jedoch nicht viel. Die damalige Reaktion kam für viele Verbraucher und Experten überraschend. Germany Trade & Invest die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing beurteilte den Schritt der dänischen Politik damals, als überraschend: „E-Mobile in dem nordischen Land haben in den letzten Monaten tüchtig aufgeholt“. Im ersten Halbjahr 2015 wurden 1240 Elektrofahrzeuge in Dänemark verkauft. Fast 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Elektroautos waren in Dänemark damals von der Zulassungssteuer befreit. Zudem entfiel beim Erwerb eines E-Autos die 25-prozentige Umsatzsteuer. Auch die Umweltsteuer musste der E-Fahrzeughalter nicht zahlen. Nach der Kehrtwende der Politik hatten vor allem die Autobauer das Nachsehen. Der Tesla S P85D kostete plötzlich beinah doppelt so viel und die Verkaufszahlen sanken rapide. Doch wie sieht die Zukunft auf dem dänischen Automobilmarkt aus?

Vorreiter Norwegen

Eine mögliche Perspektive bietet ein Blick nach Norwegen. Norwegen hat in Skandinavien die Vorreiterrolle im Bereich Elektrofahrzeuge eingenommen. Bereits 2025 plant die norwegische Politik keine konventionell motorisierten Fahrzeuge mehr zuzulassen. Das Projekt „E-Norwegen“ kostet den norwegischen Staat eine dreistellige Millionensumme und hat viele Kritiker. Das liegt primär an vielen noch unklaren Faktoren. Beispiel Ladestationen. Es wird kontinuierlich daran gearbeitet das Steckdosennetz auszubauen.


Momentan befinden sich 850 Schnellladestationen in ganz Norwegen. In Norwegen sollen laut Christina Bu, Vertreterin der Verbraucherschutzorganisation der E-Autofahrer in Norwegen, 1 Schnellladestation pro 100 E-Fahrzeuge entstehen. Doch wie schnell laden solche Schnellladestationen und wie sieht es mit den Ladeoptionen aus?

Richtig “Laden“ will gelernt sein

Die in Norwegen geplanten Schnellladestationen verfügen über mehrere Steckdosen mit einer Ladeleistung von 50 Kilowatt. Diese bräuchten je nach Autotyp 30 Minuten bis 1 Stunde für eine Ladung. Tesla hat sogar einen Supercharger entwickelt, also eine Supersteckdose, die eine Ladung in 20 Minuten garantiert. Eine dieser Supercharger befindet sich in Rothenkrug. Würde man sein E-Auto in der herkömmlichen Haushaltssteckedose aufladen wollen, würde man bei einer Ladeleistung von 2,3 Kilowatt 8-14 Stunden warten. Andre Quellen berichten sogar, dass es je nach Model sogar 22 Stunden brauchen, um die Batterie voll aufzuladen. Die Batterie des E-Autos wird durch ein spezielles Ladekabel an den gewöhnlichen Wechselstrom Steckdosen geladen werden.

Eine öffentliche Ladestation braucht bei 10-22 Kilowatt 2 bis 4 Stunden für eine komplette Ladung. Jedoch gilt auch hier, es kommt auf das E-Automodell an. Die längste Ladezeit mit ca. 40 Stunden hat das E-Limosine von Tesla namens Model S. Wichtig ist jedoch bei der Debatte um Schnellladestationen zu erwähnen, dass nicht alle E-Fahrzeuge mit den Schnellladestationen kompatibel sind. Experten warnen auch vor potentiellen Schäden der Barrie bzw. eine Verkürzung der Lebenszeit dieser. Wegen der Gefahr der Überspannung können Schnellladestationen die Batterien auch nur bis zu 80% aufladen. Es sind also noch viele Faktoren für die E-Autos in der Schwebe.

Bald vermehrt auf norwegischen Straßen zu sehen: Der BMW i3 Foto: DPA

Zukunft der Ladestationen

In Apenrade kann man momentan sein E-Auto kostenlos an einer Ladestation von Lidl laden. In Deutschland planen, nach Auskunft eines Experten der Univeristät Rostock, die Supermarktketten Rewe und Edeka ein deutschlandweites E-Auto-Ladestationnetz aufzubauen. Eine solche Ladestation wird momentan in Berlin bei einem REWE Supermarkt getestet. Eine andere Option für die Zukunft sind Ladestationen an Tankstellen.

In Schwerin gibt es die Lademöglichkeit an einer Tankstelle der Marke Esso. Bei dieser Tankstelle kostet das Laden der Batterie 0,60 Cent pro Kilowattstunde. Das ist verhältnismäßig teuer. Auch hier gibt es noch kein ausgereiftes Konzept. Lidl International überlegt ihre Ladestationen zu erweitern. Die Frage ist und bleibt zu welchem Preis.

Angst vor der Innovation?

Die Frage ist, wie würde der dänische Markt reagieren, wenn Dänemark sich an Norwegen orientieren würde und auch die Zulassung von konventionellen Verbrennungsmotorfahrzeugen verbieten würde?

Palle Schmidt ist seit vielen Jahren Autohändler für Skoda in Apenrade. Bei dem Gespräch mit dem Nordschleswiger ist von einer Nervosität nichts zu spüren und das obwohl Skoda bisher keine E-Autos herstellt. Doch Schmidt sieht die Zukunft der Autoindustrie gelassen. „Wenn die Leute das wünschen, werden wir uns darauf einstellen.“, sagt Schmidt.

Er betont jedoch auch, dass der jetzige Stand der E-Autos noch nicht voll entwickelt sei. Von Panik bei den dänischen Autohändlern habe Schmidt bisher nichts bemerkt. Vielleicht liegt diese ruhige Einstellung daran, dass Skoda mit dem Vision E sein erstes E-Auto bald serienmäßig auf den Markt bringen will.

E-Autos Ladestation in Berlin Foto: Paul Zinken/DPA

Ist Europa für E-Autos bereit?

Doch wie sieht es im gesamteuropäischen Vergleich aus? Dazu befragte der Nordschleswiger einen Sprecher der ACEA. Dieser sagte aus,dass alle Automobilkonzerne momentan akribisch daran arbeiten würden, sich auf die Herausforderungen alle neuer Kraftstoffe einzustellen. Ergänzend sei es auch schwierig, die Lage des Marktes vorauszusagen. Wichtig ist laut ACEA auch, dass die Automobilkonzerne erste Erfolge verzeichnen können, bei der Reduzierung der CO2 und Abgaswerte. Die Konzerne investieren, laut ACEA Sprecher, viel Geld in die Optimierung der konventionell betriebenen Fahrzeuge.
Die ACEA äußerte sich jedoch nicht auf die Produktionsbedinungen von den Batterien für E-Mobile.

Trugschluss E-Auto?

Eine 2017 veröffentlichte Studie des schwedischen Umweltministeriums hatte herausgefunden, dass bei der Herstellung pro Kilowattstunde Speicherkapazität bis zu 200 Kilo Kohlendioxid-Äquivalente entstünden.

Umgerechnet entstünden bei einem Tesla Model S, 17,5 Tonnen CO2. Ein durchschnittlicher Däne verbraucht pro-Kopf: 6,78 Tonnen CO2 (2013). Ein Deutscher hingegen 9,39 und ein Schwede 4,72. Der weltweite Durchschnitt, laut Daten der Weltbank liegt bei 4,99 Tonnen CO2 pro Kopf.
Zurück zu den E-Autos: Würde man einen Testla Model S fahren, so könnte man acht Jahre ein herkömmliches Auto mit Verbrennungsmotor fahren, bis dieser die Umwelt stark belasteten würde. Bei einem Nissan Leaf, einem wesentlich kleineren Modell, nur drei Jahre.

Jedoch muss ergänzt werden, dass die Studie nicht die Herstellung des Stromes miteinbezieht. Für Umweltliebhaber ist dieser Fakt sicherlich schwer verdaulich. Doch welches Modell außer Tesla gibt es denn momentan auf dem Markt?

Noch keine Alternative für Langstrecken

Ein Thema, welches bisher in diesem Artikel noch nicht behandelt wurde, ist die Reichweite der E-Autos. Tesla bietet mit dem S P90D eine Reichweite von 557 km bei einem Verbrauch von 17,7 kWh pro 100 km. Der Preis des Reichweiten-Spitzenreiters liegt bei 849.000 dänischen Kronen.

Den BMW i3 gibt es für 296.000 dänische Kronen. Er kommt bei idealen Bedingungen auf 312 km. Seine Spitzengeschwindigkeit liegt bei 150 km/h. Das Vergleichsmodell von VW der e-up! kostet nur 189.000 dänische Kronen. Er kommt jedoch auch nur auf eine maximale Reichweite von 180 km.
Günstiger sind da die Kleinwagen von Renault. Diese kosten um die 700.00 Kronen. Es ist aber auch nur Platz für eine Person.

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