Mobilität

Autofreie Sonntage: Das Comeback der Vergangenheit?

Autofreie Sonntage: Das Comeback der Vergangenheit?

Autofreie Sonntage: Das Comeback der Vergangenheit?

Ritzau/nlm
Kopenhagen
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Spielende Kinder an einem autofreien Sonntag im Jahr 1973 Foto: John Stær/Ritzau Scanpix

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In mehreren Kommunen Dänemarks erleben die autofreien Sonntage, die erstmals vor 50 Jahren eingeführt wurden, ein Revival. Bilder von spielenden Kindern in den leeren Straßen der Jahre 1973 und 1974 sind vielen noch in Erinnerung oder durch Medien präsent.

Fahrende Autos an Sonntagen wurden vor ziemlich genau 50 Jahren in Dänemark durch Pferdekutschen ersetzt, während Familien gemütliche Spaziergänge auf den Straßen unternahmen. Am 25. November 1973 wurden die autofreien Sonntage erstmals in Dänemark eingeführt, bedingt durch den Mangel an Treibstoff während dieser Zeit.

Heute – ein halbes Jahrhundert später – wird angesichts der Klima- und Energiekrise wieder in vielen Lebensbereichen über Einsparmaßnahmen nachgedacht, so auch bei der Mobilität. Die Reduzierung der Nutzung von Benzin- und Dieselautos ist nach wie vor ein Ziel, allerdings aus anderen Motiven als 1973. Die gegenwärtige Triebkraft ist hauptsächlich klimatischen und umweltbezogenen Aspekten geschuldet.

Einzelne Kommunen greifen Konzept wieder auf

Mehrere Kommunen haben in den vergangenen Jahren das 50 Jahre alte Konzept aus diesem Grund wieder aufgegriffen. So werden beispielswiese die Bürgerinnen und Bürger in Gladsaxe, Aarhus und Nørrebro in Kopenhagen gebeten, ihr Auto an einem Sonntag stehen zu lassen.

Line Barfod, Technik- und Umweltbürgermeisterin in Kopenhagen, bezeichnet die autofreien Sonntage auf Nørrebro als „fantastische Initiative“. „Es ist eine Freude zu erleben, wie die Bürger die Nørrebrogade erobern und sie auf eine völlig neue Weise nutzen. Mein Eindruck ist, dass die Bürger es genießen, die Straße voller Menschen zu sehen, die sich frei bewegen können“, sagt sie.

Autofreie Sonntage nur Symbolpolitik?

Über die Einführung autofreier Sonntage wird nicht nur in Dänemark diskutiert. In Frankreich wird das Konzept unter anderem bei der Avenue des Champs-Élysées umgesetzt, um die Luftverschmutzung zu reduzieren. Und auch in Deutschland führen nicht nur Vorschläge zu Tempolimits auf den Straßen, sondern auch zu autofreien (Sonn-)Tagen immer wieder zu intensiven Diskussionen.

Torben Lund Kudsk, Abteilungsleiter bei FDM (Forenede Danske Motorejere), dem Verband der dänischen Autobesitzenden, meint, dass autofreie Sonntage in der heutigen Zeit lediglich eine „symbolpolitische Handlung“ darstellen würden. „Es scheint, als könnten sich Politikerinnen und Politiker nicht wirklich darauf einigen, was heutzutage der Zweck ist. Einige sprechen von Verkehrsüberlastung, andere heben das Klima und die CO2-Emissionen hervor. Aber wenn selbst Elektroautos an Sonntagen nicht fahren dürfen, welchen Sinn ergibt das dann?“

Auch Jeppe Rich, Forscher an der DTU (Dänemarks Technischer Universität), sieht keine Zukunft in autofreien Sonntagen, wenn das Hauptziel ausschließlich darin bestehe, die CO2-Emissionen zu reduzieren. „Es gibt sowohl effektivere als auch kostengünstigere Methoden zur Reduzierung“, meint er und verweist auf die Anpassung von Benzin- und Dieselsteuern.

Dennoch könnten autofreie Sonntage aber zumindest ein Anfang sein, um umweltbewusster zu leben, da sie veraltete Gewohnheits- und Denkmuster durchbrechen und die Augen für Fortbewegungsalternativen öffnen.

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