Mobilität

Trotz Millioneninvestitionen in Radwege: Menschen in Dänemark fahren weniger Fahrrad

Menschen in Dänemark fahren weniger Fahrrad

Menschen in Dänemark fahren weniger Fahrrad

Ritzau/kj
Kopenhagen
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Die offizielle Einweihung des Radwegs zwischen Renz und Saxburg stieß auf großes Interesse. Doch landesweit schwingen sich immer weniger Menschen auf das Fahrrad (Archivbild). Foto: Karin Riggelsen

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Es werden riesige Summen für neue und sicherere Radwege ausgegeben. Doch die Zahl der Bürgerinnen und Bürger, die mit dem Fahrrad fahren, ist in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen.

Obwohl Millionen von Kronen in neue Radwege investiert werden, geht die Fahrradnutzung der Menschen in Dänemark in eine andere Richtung.

Die Zahlen der dänischen Verkehrsbehörde Vejdirektoratet zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger weniger Fahrrad fahren als noch vor 20 Jahren.

Im Jahr 2000 wurde die Anzahl der Fahrräder auf den Straßen gezählt und auf einen Index von 100 gesetzt.

Im vergangenen Jahr war der sogenannte Fahrradindex auf 94,3 gefallen.

Es ist eine Schande, denn wir sind stolz darauf, dass Dänemark ein Fahrradland ist, und wir wissen, dass Radfahren sehr gesund und gut für die Umwelt ist.

Marianne Foldberg Steffensen, Abteilungsleiterin der Verkehrsbehörde

Dies ist ein Anzeichen dafür, dass weniger Menschen mit dem Fahrrad zur Schule und zur Arbeit fahren, sagt Marianne Foldberg Steffensen, Abteilungsleiterin bei der Verkehrsbehörde.

„Es ist eine Schande, denn wir sind stolz darauf, dass Dänemark ein Fahrradland ist, und wir wissen, dass Radfahren sehr gesund und gut für die Umwelt ist“, sagt sie.

Investitionen in neue Radwege

Nach Angaben der Abteilungsleiterin wurden in den vergangenen 20 Jahren Millionen von Kronen in neue und bessere Radwege investiert.

Bis 2035 hat das Folketing drei Milliarden Kronen für neue Radwege und Radverkehrsprojekte bereitgestellt.

Es war auch noch nie so sicher, auf ein Fahrrad zu steigen, sagt Marianne Foldberg Steffensen: „Wenn wir 20 Jahre zurückgehen, wurden viel mehr Menschen auf Fahrrädern angefahren und tödlich verletzt als heute. Wahrscheinlich war es noch nie so sicher wie jetzt.“

Spekulation über Ursache

Es mag verschiedene Gründe geben, warum die Menschen nicht mehr so viel Rad fahren wie früher.

Einige junge Leute haben ihre Fahrräder abgestellt und sich ein Auto zugelegt oder werden gefahren.

Marianne Foldberg Steffensen, Abteilungsleiterin der Verkehrsbehörde

„Ein Parameter könnte sein, dass Autos billiger geworden sind und dass viele Menschen einen Zweitwagen gekauft haben. Einige junge Leute haben ihre Fahrräder abgestellt und sich ein Auto zugelegt oder werden gefahren. Es gibt auch junge Leute, die nicht schwitzen wollen und lieber mit dem Bus zur Schule fahren“, sagt Marianne Foldberg Steffensen.

Ministerin will Gründe untersuchen

Transportministerin Trine Bramsen (Soz.) teilt die Sorge darüber, dass die Menschen in Dänemark das Fahrrad für den Weg zur Arbeit oder zur Schule immer öfter Zuhause lassen.

„Ich beobachte die Zahlen genau und kann nur feststellen, dass sie sich in die falsche Richtung bewegen, auch wenn wir den Eindruck haben, dass wir eine stolze Fahrradnation sind. Deshalb habe ich damit begonnen, zu untersuchen, was die Menschen dazu bringt, weniger mit dem Fahrrad zu fahren“, sagt sie.

Wir werden eine Reihe von Initiativen in Schulen und Kindertagesstätten im ganzen Land starten, um eine gute Fahrradkultur von klein auf zu gewährleisten.

Trine Bramsen, Transportministerin

Gute Radfahrgewohnheiten müssen so früh wie möglich etabliert werden, so die Ministerin.

„Deshalb werden wir eine Reihe von Initiativen in Schulen und Kindertagesstätten im ganzen Land starten, um eine gute Fahrradkultur von klein auf zu gewährleisten. Das ist der Zeitpunkt, an dem gute Gewohnheiten etabliert werden müssen“, sagt sie.

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