Leitartikel

„Der Sieg des Dialogs für die Landwirtschaft“

Der Sieg des Dialogs für die Landwirtschaft

Der Sieg des Dialogs für die Landwirtschaft

Kopenhagen
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Es gibt gute Gründe dafür, dass der Vorsitzende des Landwirtschaftsverbandes die Absprache zur CO₂-Abgabe als Erfolg feiert, meint Walter Turnowsky. Indem er auf Verhandlung statt Proteste gesetzt hat, konnte er für seine Mitglieder so einiges herausschlagen – und das Gewerbe in eine zukunftsfähige Richtung lenken.

Die Bilder sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können. In Deutschland blockierten im vergangenen Winter Traktoren die Straßen. In Dänemark standen am Montagabend der Vorsitzende des Landwirtschaftsverbandes und die Präsidentin des Naturschutzbundes bei einer Pressekonferenz friedlich nebeneinander.

Beide, Søren Søndergaard von „Landbrug og Fødevarer“ und Marie Reumert Gjerding von „Danmarks Naturfredningsforening (DN)“, feierten die Absprache für eine klima- und umweltverträglichere Landwirtschaft als einen Erfolg. Søndergaard verwendete sogar das Wort „historisch“, das ihm wohl üblicherweise nicht so leicht über Lippen gleitet.

Dass ein Landwirtschaftsboss sich öffentlich über eine neue Abgabe freut, ist schon ungewöhnlich, doch Søndergaard hat guten Grund dazu. Es hätte nämlich für Bäuerinnen und Bauern deutlich schlimmer kommen können. 

Verhandlung statt Protest

Er hatte früh und klug eingesehen, dass die CO₂-Steuer für die Landwirtschaft kommen wird – ob er nun mitmacht oder nicht. Es gibt eine breite politische Mehrheit für sie. Ein Drittel der Klimagase in Dänemark kommt aus der Landwirtschaft. Daher war ihm klar, dass er am Verhandlungstisch mehr für seine Mitglieder herausschlagen konnte als mit Megafon und Trecker-Demo.  

Diese Linie hat er auch gegen Widerstände in den eigenen Reihen durchgesetzt. Gewiss, es hat auch in Dänemark Proteste gegeben. Führend war hier die deutlich kleinere Organisation, die sich „Bæredygtig Landbrug“ nennt. Und unterstützt wurde sie von Inger Støjbergs Dänemarkdemokraten. 

Geld fließt zurück

Da die Proteste von Anfang an aussichtslos waren, ist es jetzt der Vorsitzende von ‚Landbrug og Fødevarer‘, der den Erfolg am Verhandlungstisch feiern kann. Die Abgabe fällt mit real 150 Kronen pro Tonne CO₂ steigend auf 300 Kronen noch relativ niedrig aus. Eine Expertenkommission hatte im Februar noch einen Höchstsatz von 750 Kronen vorgeschlagen.

Noch dazu werden die Einnahmen aus der Steuer wieder an die Landwirtschaft in Form eines Umstellungszuschusses zurückgeführt. Hinzu kommen die 40 Milliarden Kronen, die für den Aufkauf von landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt werden, sodass diese in Wälder oder andere Naturflächen umgewandelt werden. Hier geht es häufig um weniger ertragreiche Böden. 

Zukunftsfähige Landwirtschaft

Diese Maßnahme löst auch ein weiteres Problem für die Landwirtschaft: Sie mindert den Eintrag von Stickstoff in unsere Förden, der dort das Leben erstickt. So kommen jetzt die Steuerzahlerinnen und -zahler dafür auf, die Binnengewässer zu retten. Die Rechnung hätte auch bei den Landwirtinnen und Landwirten landen können. 

Gewiss wird es für einzelne Bäuerinnen und Bauern Härten geben, aber für die Landwirtschaft insgesamt ist diese Absprache hier und jetzt durchaus kein schlechtes Geschäft. Und blickt man eine wenig in die Zukunft, könnte das Geschäft sogar noch besser werden. Die dänische Landwirtschaft könnte nämlich vom Klimaschutz profitieren, wie der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig, Christian Kock, bereits im Februar sagte.

Denn auch in anderen Ländern wird die Landwirtschaft sich in eine klima- und umweltverträglichere Richtung entwickeln müssen – und je länger man wartet, desto härter kann diese grüne Umstellung werden. Die dänischen Bäuerinnen und Bauern hätten da bereits einen Vorsprung. 

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