Leitartikel

„Natur und Landwirtschaft “

Natur und Landwirtschaft

Natur und Landwirtschaft

Apenrade/Aabenraa
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Redakteur Volker Heesch beschäftigt sich in seinem Leitartikel mit der dänischen Agrar- und Naturschutzpolitik.

Während der vergangenen Tage gab es wieder eine Reihe guter und schlechter Nachrichten aus dem Themenbereich Umwelt- und Naturschutz sowie der Landwirtschaft. Zunächst gab es Meldungen über fehlerhafte wissenschaftliche Untersuchungen und Gutachten aus einem führenden dänischen Agrarforschungsinstitut der Universität Aarhus. U. a. wurde aufgedeckt, dass Klimagasemissionen aufgrund der Bewirtschaftung von dänischen Feuchtniederungen bei der Gesamtsumme des Beitrags der Landwirtschaft zum „Treibhausklima“ unterschlagen worden sind.

Wenige Wochen nach Verordnung neuer Maßnahmen zu Eindämmung der Auswaschung von Nährsalzen von den Feldern ahnten viele Bauern nun als Reaktion sicher nichts Gutes.

Reiner Zufall ist es sicher, dass Umweltministerin Lea Wermelin (Soz.) wenige Tage später frohe Botschaft verkündet. Die Regierung setzt das Gesetz wieder in Kraft, das bereits 2015 mit dem Verbot der intensiven Bewirtschaftung von feuchten Flächen, geschützt durch Naturschutzgesetzparagraf 3, Feuchtgebiete aus der Produktion ziehen sollte. Zumal die Flächen nicht mehr gedüngt und mit Spritzmitteln behandelt werden dürfen. Wermelin erläutert, dass 37.000 Hektar jetzt wieder der natürlichen Tier- und Pflanzenwelt zugutekommen sollen.

Man sollte aber auch daran erinnern, dass viele der wertvollen Feuchtwiesen ein Ergebnis der traditionellen Weidewirtschaft sind, die auch wegen der von wechselnden dänischen Regierungen formulierten Agrarpolitik für viele Betriebe nicht mehr wirtschaftlich tragbar genutzt werden konnten.

Für die Landwirte ist es schlimm, dass nach der Agrarpolitik der zurückliegenden Regierungen unter Venstre-Führung, die einseitig Natura-2000-Gebiete gestrichen haben, bei der jahrzehntelang mit breiter politischer Mehrheit umgesetzten Gewässerschutzpolitik gepfuscht und das Thema Klimaschutz in der Landwirtschaft in der Landwirtschaft verschlafen hat, jetzt das Ruder für viele Betriebe ruckartig herumgerissen wird.

Seit Jahren haben Verbände wie der Landwirtschaftliche Hauptverein für Nordschleswig (LHN) Bereitschaft signalisiert, auf freiwilliger Basis Niederungen für Naturschutz und Naturpflege bereitzustellen. Fördermittel aus der EU-Agrarförderung sind da mehr als angemessen. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass moorige Böden und Wiesen nicht nur Quellen der Treibhausgasemission bei Intensivnutzung sind, sondern auch aktiv Kohlendioxid binden.

Ebenso wie Wälder, Hecken und Grünflächen in den Siedlungsgebieten der Bürger. Denen wagt man ja in der angeblich so grünen Regierung in Kopenhagen nicht einmal eine Abgabe auf Flugreisen zuzumuten, obwohl deren Effekt mindestens so eindeutig ist wie die „Schäden“ durch die Agrarwirtschaft, deren wissenschaftliche Begleitung offenbar nicht immer korrekte Ergebnisse liefert, aber für politische Beschlüsse herhalten muss.

Die Bauern prägen auch in Zukunft die Landschaft in Dänemark. Sie sollten nicht darauf vertrauen, dass die nächste Regierung das Ruder erneut herumwirft, sondern die Herausforderungen in Sachen Natur- und Klimaschutz annehmen. Das ist nicht nur wichtig für die Natur und Naturfreunde, sondern auch zum Überleben ihres Berufsstandes, der ohne gesunde Umweltbedingungen nicht überleben kann.

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