Leserbrief

„Testwindräder vor Ballum sind reinster Klimairrsinn“

Testwindräder vor Ballum sind reinster Klimairrsinn

Testwindräder vor Ballum sind reinster Klimairrsinn

Paul Sehstedt
Tondern/Tønder
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Mit dem Bau des Turms zu Babel vergleicht Paul Sehstedt die Idee, ein Testzentrum für die Windenergie in Ballum zu bauen, in dem bis zu 450 Meter hohe Windräder auf ihre Produktionsfähigkeit getestet werden sollen. Er hofft, dass der Umweltschutz diese Pläne zunichtemacht.

„Einst lebten alle Menschen in einer Stadt. Eines Tages begannen einige von ihnen einen Turm zu bauen, der bis zum Himmel reichen sollte. Damit wollten sie sich einen Namen machen, Ruhm ernten und mehr Macht gewinnen. Mit dem Turm wollten sie alle Menschen beobachten und kontrollieren können. Mit viel Eifer und Energie bauten die Menschen an diesem Turm. So beginnt die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel. Aber Gott lässt das Großprojekt nicht zu.“

Die Parallele zu dieser Geschichte ist der Plan, Riesenwindräder mit einer Höhe von bis zu 450 Meter in einer Windtestanlage bei Ballum zu errichten, weil dieser Standort laut einer Aktennotiz der Zentralverwaltung der einzig Richtige im ganzen Königreich ist. Das halte ich für groben Unsinn, denn im nationalen Windtestzentrum Østerild bei Thisted ist Platz für Windräder mit einer Höhe von 330 Metern. Warum also können größere nicht dort getestet werden?

Ich erinnere mich deutlich an den Widerstand der Bevölkerung um Østerild, als die Baupläne 2010 publik für das Testzentrum wurden. Im Grunde wollte die Regierung einer Konfrontation ausweichen, aber dann lief beim Umweltministerium ein Schreiben der Windenergiebranche ein, die mit einem Abzug ihrer Produktion aus Dänemark drohte, falls die Regierung nicht dem Wunsch entgegenkäme. Dieser Brief wurde von dem Wochenmagazin „Weekendavisen“ veröffentlicht und zeigte, wie mächtig die Windindustrie das Folketing beherrscht(e). 2012 wurde eingeweiht.

Auf der Internetseite „testfaciities.eu“ wird der Standort Østerild als einer der bestgeeigneten für die Erprobung von Großwindrädern beschrieben. Der offizielle Name lautet Det Nationale Testcenter for Store Vindmøller. Dort stehen neun Testplätze zur Verfügung. Kleinere, ältere Anlagen müssen dann eben demontiert werden, um Neuentwicklungen Raum zu geben. Einfacher kann dies nicht sein.

Doch so läuft der Hase nicht und ich bin davon überzeugt, dass die Zentralverwaltung jede Möglichkeit ausschöpfen wird, um den Bau der Anlage bei Ballum durchzuboxen. Natur- und Umweltschutz werden untergebuttert, um dem Klimairrsinn freien Lauf zu gewähren. Die visuelle Umweltbelastung wäre für die dortige Natur ein Frevel. Hinzukommt die Belastung des Erdbodens durch die Fundamente, die aus schätzungsweise 3.000 Tonnen Stahlbeton pro Windrad gegossen werden. Eine derartige Bodenversiegelung nimmt Einfluss auf die Oberflächenwasserversickerung.

Außerdem tragen Windräder zur Austrocknung des Bodens bei, da sie den Wind verwirbeln. Alle diese Umwelteinflüsse sind hinreichend erforscht worden und müsste den Verantwortlichen zu denken geben. Aber im Wettlauf um Ruhm im Klimakampf wird jegliche Vernunft begraben.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Umweltschutz das Großprojekt nicht zulässt.

Paul Sehstedt

Reberbanen 41, 1. th. 

6200 Aabenraa

 

 

 

 

 

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