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Jeder vierte Ferienhaus-Vermieter erhöht den Preis

Jeder vierte Ferienhaus-Vermieter erhöht den Preis

Jeder vierte Ferienhaus-Vermieter erhöht den Preis

Henning Baethge/shz.de
Kiel/Berlin
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Ferienhäuser in Dagebüll: Die Branche kommt in Schleswig-Holstein besser aus der Krise als im deutschen Durchschnitt. Foto: Volkert Bandixen

Eine neue Umfrage zeigt, wie die Branche in Schleswig-Holstein auf die Pandemie reagiert – und was sie vom Durchschnitt der Republik unterscheidet.

Die Coronakrise hat dazu geführt, dass jeder vierte Vermieter von Ferienhäusern in Schleswig-Holstein die Preise erhöht hat – und zwar um durchschnittlich sechs Prozent. Drei Viertel hingegen verteuerten die Miete nicht. Und 71 Prozent wollen das auch künftig nicht tun. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Ferienhausverbands hervor. Die Branchenorganisation hat dazu im April gut 10.000 Vermieter in ganz Deutschland befragt und für shz.de die Antworten der 1600 Befragten aus dem nördlichsten Bundesland ausgewertet.

Manch Vermieter hat im Lockdown modernisiert

Mit dem Anteil und der Höhe der Preissteigerung liegen die Vermieter und Vermieterinnen im Norden ziemlich genau im Bundestrend. Gründe für die Mieterhöhungen waren unter anderem die besonderen Hygienemaßnahmen wegen der Pandemie, aber auch Renovierungen von Wohnungen. „Einige Vermieter haben den Lockdown genutzt, um ihre Ferienimmobilie zu modernisieren und sie in puncto technischer Ausstattung und Einrichtung auf den neuesten Stand zu bringen“, sagt Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin beim Ferienhausverband.

Beim Vermieten treffen die Hausbesitzer zudem besondere Vorkehrungen. 85 Prozent geben an, dass die Endreinigung und Hygienemaßnahmen „intensiver“ seien als sonst. 69 Prozent haben flexible Stornobedingungen eingeführt und 59 Prozent eine kontaktlose Schlüsselübergabe. Digitalisierte Infos und Gästemappen bieten dagegen nur 34 Prozent an.

Nur wenige Vermieter mussten Beschäftigte entlassen

Unter dem Strich kommt die Branche in Schleswig-Holstein besser aus der Krise als im Durchschnitt der Republik. So geben immerhin 21 Prozent der Befragten an, dass ihr Umsatz letztes Jahr gleich geblieben oder sogar gestiegen ist. Bundesweit sagen das nur 14 Prozent. Von dieser besseren wirtschaftlichen Lage profitieren im Norden auch die Mitarbeiter: Von dem guten Viertel der Vermieter, die überhaupt eigene Beschäftigte – meist in Teilzeit oder mit Minijob – haben, mussten nur sechs Prozent Personal entlassen. Deutschlandweit lag die Kündigungsquote fast fünfmal so hoch, bei 28 Prozent. „Zum Glück war Schleswig-Holstein das erste Bundesland mit erfolgreichen Modellregionen und gastgeberfreundlichen Öffnungssignalen“, lobt Schwefel.

Zum Glück war Schleswig-Holstein das erste Bundesland mit erfolgreichen Modellregionen und gastgeberfreundlichen Öffnungssignalen

Michelle Schwefel, Deutscher Ferienhausverband

Dennoch fühlen sich auch in Schleswig-Holstein wie in ganz Deutschland 55 Prozent der Vermieter „in der Existenz bedroht“. Die Corona-Hilfen von Bund und Land hatten wenig Erfolg – schon allein deshalb, weil 83 Prozent gar keinen Anspruch darauf hatten – nämlich alle Privatvermieter und Nebenerwerbler. Kein Wunder daher, dass sich gleich 87 Prozent im Land „nicht ausreichend unterstützt“ fühlen. In ganz Deutschland sind es sogar 92 Prozent.

Inzwischen hat das Geschäft wieder kräftig angezogen

Inzwischen hat das Geschäft aber mit zunehmender Lockerung wieder kräftig angezogen. Laut Ferienhausverband wird vor allem an Hotspots wie etwa der schleswig-holsteinischen Nord- und Ostsee das Angebot knapp. „Wer für den Sommer noch eine Ferienunterkunft sucht, sollte daher flexibel sein“, rät Schwefel. Auch in weniger bekannten Lagen finde sich häufig ein attraktives Angebot für Ferienhausgäste: „Es gibt wunderschöne Ecken in Deutschland, die einen wohltuenden Kontrast zum Corona-Alltag bieten.“

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