Vogelschutz

Vier Familien beschaffen Störchen ein neues Quartier auf ehemaligem Strommast

Vier Familien beschaffen Störchen ein neues Quartier

Vier Familien beschaffen Störchen ein neues Quartier

Claudia Kleimann-Balkeshz.de
Treia
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Tobias Ilgner, Hauke und Saskia Fischer (v.l.) stehen mit Keno und Tomme stellvertretend für vier junge Familien, die sich ab sofort um ein Storchennest kümmern. Foto: Claudia Kleimann-Balke

Bis sich die Vögel ansiedeln ist nun etwas Geduld gefragt.

„Im vergangenen Jahr sind immer wieder Störche in unseren Gärten unterwegs gewesen. Das hat uns alle gefreut“, erzählt Tobias Ilgner. „Als wir dann erfahren haben, dass ein Strommast ganz in der Nähe unserer Häuser vom Netz genommen wird, haben wir uns gefragt, ob es nicht möglich wäre, darauf ein Storchennest zu bauen.“ Sie nahmen Kontakt zu Bürgermeister Raoul Pählich und zur SH Netz AG auf und erkundigten sich, was zu tun sei. Inzwischen ist der Strommast vom Netz , sodass er von der Gemeinde übernommen werden konnte. Wie aber bekommt man nun ein Nest auf den Mast, und wie muss es aussehen, damit sich auch ein Storchenpaar dort niederlassen würde?

Das letzte Jahr hat den Störchen arg zugesetzt.

Regina Kolls, AG Storchenschutz im Nabu

Diese und viele weitere andere Fragen konnten Regina Kolls und Dennis Lübker von der AG Storchenschutz im Nabu beantworten. Sie standen den frisch gebackenen Nestbesitzern mit Rat und Tat zur Seite.

„Störche fühlen sich dort wohl, wo es Mäuse, Maulwürfe, Frösche und Regenwürmer gibt. Es muss gar nicht besonders ruhig sein. Eigentlich mögen sie sogar etwas Betrieb. Viel wichtiger ist für sie die Möglichkeit, in die Ferne zu schauen und so den Überblick zu behalten. Hier ist es also perfekt“, weiß Regina Kolls. Die Weißstorchgebietsbetreuerin arbeitet seit fünf Jahren ehrenamtlich für den Schutz dieser imposanten Vögel. Sie berät Nestbesitzer und natürlich ist sie auch vor Ort, wenn wieder ein neues Nest gesetzt wird – so wie an diesem eisigen Vormittag in Treia.

Nestbesitzer melden wichtige Infos über die Vögel

„Das letzte Jahr hat den Störchen arg zugesetzt“, erklärt sie. „Im heißen Frühjahr gab es zu wenig Nahrung für die Storchenküken, und die folgenden Sturzregen im Sommer haben viele Jungstörche das Leben gekostet. Umso wichtiger sind engagierte Nestbesitzer, die ein Auge auf ihre Störche haben.“

Wer ein Storchennest installiert, übernimmt damit auch ein Stück Verantwortung für seine Bewohner. Die Nestbesitzer melden, wenn die Tiere von ihrer Reise in den Süden zurück sind, wenn sie Nachwuchs haben und auch, wenn Junge verendet sind. Anhand der Beringung können Störche identifiziert werden. „Sie sind sozusagen ihr Personalausweis und geben beispielsweise Auskunft über den Geburtsort. Diese Daten liefern der AG Storchenschutz wichtige Informationen für die Pflege der Population“, so Kolls.

Geduld ist nötig

Bevor die vier Treianer Familien Störche zählen können , wird noch etwas Geduld nötig sein. „Es dauert meist ein paar Jahre, bis sich ein Paar in einem neuen Nest ansiedelt“, erklärt Dennis Lübker. „Die besten Voraussetzungen haben wir mit diesem Nest schon mal geschaffen.“

Vor ihm liegt ein Reisigring aus Eichenholz. Er misst gut 1,5 Meter im Außendurchmesser und ist auf einer Stahlplattform befestigt. „Das ist schon eine richtige VIP-Bude.“ Die Plattform ist wasserdurchlässig, damit sich keine Staunässe bilden kann. Gepolstert wird der Ring mit Pinienrinde.

Ich freue mich, wenn ich diese wunderbaren Tiere unterstützen kann.

Dennis Lübker, AG Storchenschutz im Nabu

Dennis Lübker hat das Nest gebaut und kann dabei inzwischen auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Er weiß, welche Baumaterialien die Fäulnisbildung minimieren und sich deshalb am besten eignen. Sein Engagement und Know-how bringt er ebenfalls ehrenamtlich ein. „Ich freue mich, wenn ich diese wunderbaren Tiere unterstützen kann und vor allem, wenn sie die Nester annehmen, die ich gebaut habe“, ergänzt er.

Der Zug der Störche lässt sich verfolgen

Obwohl in Norddeutschland aktuell klirrend kalte Temperaturen vorherrschen, sind die ersten Störche bereits aus dem Süden zurück oder auf dem Weg. „Gustav“ zum Beispiel, ein 19 Jahre alter Storch aus Tielen, ist am 22. Januar im Südsudan aufgebrochen. Er wurde nicht nur beringt, sondern auch mit einem Sender ausgestattet, über den seine Flugroute verfolgt werden kann. Die AG Storchenschutz verfolgt die Wege der Störche mit großem Interesse – zumal im Schnitt etwa 70 Prozent der Jungstörche das erste Jahr nicht überleben.

„Umso wichtiger ist das Engagement der Nestbesitzer, das zu einem großen Maß zum Schutz dieser Vögel beiträgt“, betont Regina Kolls. Nun bleibt für die neuen Nestbesitzer Tobias Ilgner, Catharina Depner, Malte Ruff, Sonja Alfing, Hauke und Saskia Fischer, sowie Maike und Matthias Kuper nur noch zu hoffen, dass sich
bald Störche im schönen, neuen Nest niederlassen. Ilgner: „Wir drücken alle die Daumen und würden uns natürlich riesig freuen.“

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