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„Eine Entwicklung mit Potenzial für die Zukunft“

„Eine Entwicklung mit Potenzial für die Zukunft“

„Eine Entwicklung mit Potenzial für die Zukunft“

Dunajská Streda
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Johannes Callsen
Neben vielen Gesprächen ernsterer Natur gab es für Johannes Callsen, hier mit Hinrich Jürgensen, auf dem FUEN-Kongress in der Slowakei auch Gelegenheit zum Anstoßen auf 70 Jahre FUEN. Foto: Cornelius von Tiedemann

Für Johannes Callsen, Minderheitenbeauftragter des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, hat das Land Schleswig-Holstein „ein großes Interesse daran, dass FUEN auch in der deutsch-dänischen Grenzregion präsent bleibt“.

Herr Callsen, als Minderheitenbeauftragter des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein begleiten Sie die Minderheiten sozusagen auf Schritt und Tritt. Warum auch hierher zum Kongress der FUEN in der Slowakei?

Ich bin hier zum einen, um der FUEN zum 70. Geburtstag zu gratulieren, aber auch deswegen, weil das Land Schleswig-Holstein mit der FUEN eine langjährige und sehr gute Zusammenarbeit pflegt, die wir auch in der Zukunft gerne fortsetzen wollen. Und deswegen war es mir wichtig, auch persönlich dabei zu sein. Natürlich auch, um zu hören, wie es um aktuelle Fragen der Minderheitenpolitik in Europa steht.

Sie sprechen die enge Zusammenarbeit des Landes Schleswig-Holsteins mit der FUEN an. Es gab Befürchtungen, die Organisation könnte sich nach Brüssel oder Berlin verlagern...

Mein Eindruck ist schon, dass es nach wie vor eine sehr enge Verbindung der FUEN nach Flensburg gibt. Wie gesagt, wir als Land Schleswig-Holstein haben ein großes Interesse daran, dass FUEN auch in der deutsch-dänischen Grenzregion präsent bleibt. Deswegen versuchen wir, auf allen Ebenen mit der FUEN zusammenzuarbeiten, auch zu unterstützen, wo es im operativen Geschäft bei der FUEN das eine oder andere dann auch leichter machen kann.

Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen gehören auch zu diesem Komplex an Minderheitenthemen, die mit dem deutsch-dänischen Grenzland zu tun haben und die hier auf dem Kongress immer wieder genannt werden. Sind sie als Vertreter des Landes Schleswig-Holstein hier auch immer so ein bisschen in der Lehrmeisterrolle unterwegs?

Ich betrachte mich nicht als Lehrmeister, ich glaube, das ist in der Minderheitenpolitik auch der falsche Ansatz und Ausdruck. Aber in der Tat haben wir gerade im deutsch-dänischen Grenzgebiet in den letzten Jahrzehnten eine Entwicklung nach den Bonn-Kopenhagener Erklärungen vollzogen, die beispielhaft ist, die einfach toll ist heute, die Potenzial für die Zukunft hat.

Und diesen Gedanken auch in andere Regionen in Europa zu vermitteln, das ist, glaube ich, das Entscheidende, und dann immer wieder auch zu zeigen, was wir in Schleswig-Holstein dafür getan haben und was wir auch in der Zukunft auch weiter tun wollen.

Ein wenig als Beispiel: Minderheitenpolitik ist nicht immer eins zu eins in andere Regionen übertragbar, aber das, was uns auszeichnet, das vertrauensvolle Zusammenarbeiten auf Augenhöhe und in gegenseitiger Akzeptanz als Grundvoraussetzung für erfolgreiche Minderheitenpolitik, das ist, glaube ich, etwas, was wir gut vermitteln können.

Die MSPI-Initiative (Unterschriftensammlung für Minderheitenrechte, d. Red.) ist hier auch immer wieder Thema. Sie und der gesamte Landtag haben die Initiative unterstützt. Wie wichtig wäre es, die Initiative für eine Verankerung der Minderheitenrechte in der EU umzusetzen?

Der Landtag hat nicht nur einstimmig MSPI unterstützt, sondern hat sich auch überfraktionell dafür ausgesprochen, dass in der neuen EU-Kommission auch das Thema Minderheitenpolitik an verantwortlicher Stelle in einem Kommissariat bearbeitet wird.

Ich glaube, es wäre ein wichtiges Signal für Europa und die Europäische Union, dass man es mit der Minderheitenpolitik ernst meint. Auch da ist FUEN ein wichtiger Partner, um in Brüssel Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber auch die Landesregierung wird das auf ihren Wegen tun.

Haben Sie den Eindruck, dass da noch viel gegraben werden muss?

Ich denke schon, dass es Verständnis dafür gibt. Es gibt manche, die denken dann etwas formal, schlicht nach der Frage, ist das überhaupt eine formale Zuständigkeit der Europäischen Union oder geht es da eher nach den Leitlinien des Europarates. Davon kann man sich glaube ich gut freimachen. Ich finde, Europapolitik muss auch Minderheitenpolitik beinhalten.

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