Wildvögel

Tordalken und Basstölpel in der Eckernförder Bucht gesichtet

Tordalken und Basstölpel in der Eckernförder Bucht gesichtet

Tordalken und Basstölpel in der Eckernförder Bucht gesichtet

Arne Peters/shz.de
Eckernförde
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Ein Tordalk im Eckernförder Hafen: IN Deutschland kommen die Tiere nur auf Helgoland vor. Foto: ERnst-Uwe Becker

Die Vögel sind hier normalerweise nicht heimisch. Vermutlich liegt ihr Vorkommen am guten Nahrungsangebot an Kleinfisch.

Schon mancher seltener Gast hat in den vergangenen Jahren die Eckernförder Bucht besucht: Wale, Delfine und Kalmare waren hier, auch Thunfische fanden den Weg in den Meeresarm.

Beim Sturm am Wochenende hat erneut ein ungewöhnlicher Besuch stattgefunden: Am Sonntag schwamm im Innenhafen in der Nähe der Holzbrücke ein Tordalk (Alca torda). Diese Vögel brüten für gewöhnlich in Küstengebieten des Nordatlantik, einige Kolonien befinden sich auch in Skandinavien und bei Bornholm. „Sie sind gut erkennbar an dem breiten Schnabel mit der markanten weißen Kennung sowie der weißen Zeichnung auf dem Rücken“, sagt Ernst-Uwe Becker, der den Vogel erkannte und fotografierte. „Er lebt eigentlich außerhalb der Brutzeit auf der hohen See. Ich kann mir nur denken, dass ihn der kräftige Ostwind hierher verschlagen hat.“

Angenehmer als auf freier See

Das bestätigt Manfred Bach vom Nabu Eckernförde: „In den vergangenen Wochen wurden mehrere Dutzend dieser Vögel in der Bucht zwischen Aschau und Lindhöft gesichtet. Besonders beim Sturm fanden sie es hier wohl angenehmer als auf der freien See.“

Tordalken im Flug über der Eckernförder Bucht. Foto: Thomas Hansen

Das Wintervorkommen der Tordalken ist bei uns seit 2018 auffällig.

Ornithologe Michael Fischer

Das Besondere: Einzelne Tordalken wurden immer wieder in der Bucht gesichtet, doch seit einigen Jahren nimmt ihre Anzahl zu. „Das Wintervorkommen der Tordalken ist bei uns seit 2018 auffällig“, bestätigt der hauptberufliche Ornithologe Michael Fischer aus Stöltebüll bei Kappeln. Laut der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein (OAG SH) wurden bei einer Zählung im Januar 2019 sogar über 1000 Exemplare festgehalten. In einem Rundschreiben der OAG heißt es: „Ein Tordalkenvorkommen in der Kieler Bucht ist grundsätzlich bereits länger bekannt, in dieser Anzahl ist es jedoch neu.“ Woher die Vögel kommen, kann nur vermutet werden: „Sie scheinen abseits der Hauptschifffahrtsroute vor Heidkate zu schlafen und morgens früh zügig die Nahrungsgründe in der Eckernförder Bucht anzusteuern.“

Großes Nahrungsangebot durch weniger Dorsch

Michael Fischer vermutet, dass die Zunahme der Sichtungen in der Eckernförder Bucht mit einem guten Nahrungsangebot zu tun hat. „Durch das Ausbleiben von großen Dorschen in der Bucht in den letzten Jahren gibt es dort seither besonders viele kleine Fische wie Heringe und Sprotten, die den Tordalken als Beute dienen.“

Auch Basstölpel gesichtet

Noch ungewöhnlicher ist die Sichtung von einigen Basstölpeln zwischen Dezember und Januar. Auch sie brüten nur in Regionen mit felsigen Küsten, zum Beispiel in Norwegen. In Deutschland gibt es nur eine Brutkolonie auf Helgoland – dort sind auch Tordalken heimisch.

Auch einige Basstölpel wurden in der Eckernförder Bucht gesichtet. Foto: ERnst-Uwe Becker

Beobachtungstipp vom Experten

Für Vogelliebhaber hat Michael Fischer einen Beobachtungstipp: „Tordalken, Basstölpel und auch Sterntaucher sind hervorragend vom Südufer der Eckernförder Bucht zu beobachten, da hier Rückenlicht beste Bedingungen liefert. Besonders von Lindhöft und Aschau Strand lassen sich die Seevögel mit Fernglas und Spektiv gut beobachten.“

Fliegen unter Wasser

Für Ernst-Uwe Becker war der Tordalk im Hafen ein besonderes Erlebnis: „Im Gegensatz zu den Tauchenten zeigt der Tordalk eine Besonderheit: Er legt die Flügel beim Tauchen nicht an, sondern breitet sie aus, um unter Wasser zu ’fliegen’, was ich sehr gut beobachten konnte.“

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