Corona und junge Leute

Wie der Flensburger Jugendpressesprecher die Lage sieht

Wie der Flensburger Jugendpressesprecher die Lage sieht

Wie der Flensburger Jugendpressesprecher die Lage sieht

Antje Walther/shz.de
Flensburg
Zuletzt aktualisiert um:
Justin Nowaczyk
Justin Nowaczyk, Jugendpressesprecher der Stadt, findet die Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit in Ordnung. Foto: Stadt Flensburg

Justin Nowaczyk ist der erste Jugendpressesprecher der Stadt. Der 16-Jährige kommuniziert vor allem auf Instagram.

Über 320 Abonnenten bei Instagram hat der neue Jugendpressesprecher der Stadt Flensburg inzwischen. Auf manche seiner thematischen Impulse bekommt er mitunter 200 Antworten, berichtet Justin Nowaczyk. Zuletzt habe er sich zum Beispiel nach der Meinung zu E-Scootern in Flensburg erkundigt. Obwohl er die überwiegende Mehrheit der Abonnenten natürlich nicht persönlich kennt, fragen sie ihn auch Dinge.

Der 16-Jährige hatte ein Praktikum im Rathaus gemacht und wurde danach Protagonist dieses „Feldversuchs“ eines Sprechers für die Jugend; ein Versuch, der zunächst auf drei Monate begrenzt ist und bis zu den Sommerferien laufen soll. Jetzt hat der Flensburger Schüler ein bis zweimal in der Woche Kontakt zur Flensburger Stadtverwaltung, sagt er.

Die Idee dahinter sei, erklärt der Profi Clemens Teschendorf mit leiser Ironie, nicht selbst den jungen Menschen „die unabweisbaren Wahrheiten“ mitzuteilen, sondern jemanden zu haben, der „eine andere Zielgruppe erreicht und anders anspricht, als wir das tun.“ Denn: „Wir denken immer, dass wir wissen, was die Jugendlichen interessiert.“

Mit einer Allgemeinverfügung über Corona-Maßnahmen in der Stadt könne man einem Siebenjährigen jedenfalls nicht kommen, sagt Justin Nowaczyk.

Wie er als Zehntklässler über die Situation seiner Generation in dieser Pandemie denkt, kann er persönlich beleuchten. Die Prüfungen für ihn seien „durch“, freut sich der Flensburger, und findet „Online-Unterricht in Ordnung“, jedenfalls „wenn alles klappt, wie es klappen soll.“

Sünde für die Kinder

Natürlich vermisse er seine Freunde und würde auch gern mal in der Schule „mit dem Nachbarn quatschen“. Und er könne nachvollziehen, wenn gerade die jüngeren Kinder eine Clique von zum Beispiel drei Personen seien und einer außen vor bleibt wegen der Kontaktbeschränkungen. Das sei „Sünde für die Kinder“, findet Nowaczyk, doch zum Schutz der Gesundheit unumgänglich.

Bei den Größeren geht er davon aus, dass sich nicht alle an die Regeln halten und mit den Konsequenzen leben müssen, wenn sie „erwischt werden“.

Zum Thema Jugendbeteiligung äußert sich der Jugendpressesprecher der Stadt Flensburg zurückhaltend; gerade das Thema Corona müsse man mit Vorsicht angehen. Ein Gremium, wie es die jungen Grünen beispielsweise vorgeschlagen haben, findet er auf Nachfrage bedenkenswert. Es dürfte sich aber nicht auf das Thema Corona beschränken, damit seien die Kinder genug und zusätzlich belastet.

Bedenken habe er angesichts der schwierigen Meinungsbildung, wenn 15 junge Leute ihre Ansicht äußern, und zweifelt an der Verbindlichkeit der Entscheidungen. Die Frage sei zudem: „Was wollen wir damit erreichen?“

Im Rathaus werde überlegt, das Amt des Jugendpressesprechers auch nach der Versuchsphase weiterhin zu besetzen, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Bis zu den Sommerferien hilft Justin Nowaczyk herauszufinden, was die Jugend bewegt. Dann will er auf die Handelslehranstalt wechseln und sich auf Wirtschaft spezialisieren. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, träumt er davon, eventuell zu studieren, und zwar „etwas mit Medien“.

Mehr lesen