Direktkandidat der Grünen

Robert Habeck zwischen Wahlkreis und Kanzleramt

Robert Habeck zwischen Wahlkreis und Kanzleramt

Robert Habeck zwischen Wahlkreis und Kanzleramt

Gero Trittmaack/shz.de
Steinbergkirche
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Robert Habeck
Nach der Wahl gab es für Robert Habeck Applaus, Gratulationen und kleine Geschenke. Foto: Marcus Dewanger

Die Wahl zum Direktkandidaten im Wahlkreis 1 war für Robert Habeck Formsache, jetzt geht es um das Kanzleramt.

Am Sonnabend verlief alles nach Plan für Robert Habeck. Der 51-jährige Bundesvorsitzende der Grünen wurde wurde am Ende einer Open-Air-Veranstaltung auf dem Scheersberg zum Direktkandidaten seiner Partie für die Bundestagswahl im September gewählt.

Ein Gegenkandidat hatte sich nicht gefunden, die Abstimmung fiel eindeutig aus: 72 der 73 anwesenden Mitglieder aus der Stadt Flensburg und dem Kreis Schleswig-Flensburg kreuzten das Ja-Kästchen hinter seinem Namen an, die einzige Nein-Stimme konnte die Stimmung nicht trüben. „Von ganzem Herzen: Ja“, antwortete der Flensburger an die Frage von Wahlleiterin Babette Tewes, ob er die Wahl annehme. Es gab Beifall, Glückwünsche und kleine Geschenke. Ein Heimspiel, wie er es sich vorgestellt hatte.

Robert Habeck war rechtzeitig zu der Wahlveranstaltung erschienen und führte vor dem offiziellen Beginn kurze Gespräche mit alten Weggefährten aus seiner Zeit als Grünen-Kreisvorsitzender (2002 bis 2004) und neuen Mitgliedern. Die Frage des Tages aber wurde meist erst dann diskutiert, wenn Habeck sich schon dem nächsten Gesprächspartner zugewandt hatte: Wird er jetzt der Kanzlerkandidat der Grünen oder macht es seine Mit-Vorsitzende Annalena Baerbock? Die Entscheidung darüber wollen die Grünen am Montag in Berlin verkünden.
ch werde mich in Berlin parteiisch für den Wahlkreis einsetzen.
Robert Habeck, Grünen-Direktkandidat

Habeck selbst ließ sich zu diesem Thema nichts entlocken. Aber es gab Passagen in seiner Vorstellungsrede, die zumindest für Spekulationen sorgten. So versprach Habeck, sich im Bundestag parteiisch für seinen Wahlkreis 1 einzusetzen. Kann man das versprechen, wenn man Kanzler und damit verpflichtet ist, zum Wohl der gesamte Republik zu agieren?

Mit dem Fahrrad zum Scheersberg

Habeck war mit dem Fahrrad aus Flensburg zum Scheersberg gekommen und erläuterte sein politisches Programm anhand einiger Stationen dieser Fahrt.

An der Bildungsstätte „Artefact“ in Glücksburg und an der Sporthalle Munkbrarup war er vorbeigekommen. „Solche Orte, aber auch Schulen, Schwimmbäder sind Zentren der politischen Vielfalt, die viel mehr Aufmerksamkeit benötigen“, so Habeck. „Sie wirken dem Trend entgegen, sich die eigne Meinung in den sozialen Medien nur noch bestätigen zu lassen und sich nur noch mit Gleichgesinnten zu unterhalten.“

Robert Habeck
Vor der Veranstaltung gab es Gelegenheit zu einem kleinen Schnack. Foto: Marcus Dewanger
Dann der Blick auf die Ostsee. „Die Bundespolitik ist auf Berlin fixiert. Dabei ist der Schutz der Meere eine Bundesangelegenheit. Der Bund muss dafür sorgen, dass die Ostsee von Munition und Giftstoffen gesäubert wird.“ Landwirtschaft: „Naturschutz und Naturschutz funktionieren nur in einer Allianz, Landwirte brauchen ein faires Auskommen.“ Dafür sei eine andere Agrarpolitik notwendig.
Habeck bekannte, dass er sich mit seinem Abschied als Minister und dem Beginn seiner neuen Aufgabe als Grünen-Bundesvorsitzender zwischenzeitlich eine „Nord-Abstinenz“ auferlegt habe. „Vielleicht auch, um meinen Phantomschmerz zu bekämpfen“, sagte Habeck. Damit sei allerdings schon wieder Schluss gewesen, als er sich zur Kandidatur in seinem Wahlkreis entschlossen habe. Und da habe auch gemerkt, was ihm seine Heimat bedeutet.

Der bevorstehende Wahlkampf ist für Habeck wichtig. Für ihn geht es nicht nur darum, in den Bundestag einzuziehen, das ist mit Platz zwei auf der Landesliste so gut wie sicher – Habeck will den Wahlkreis direkt gewinnen. Die Partei des Nordes werden, als erster ländlich geprägter Wahlkreis einen Direktkandidaten in den Bundestag bringen – so lautet das Ziel.

Der Grünen-Europaabgeordnete Rasmus Andresen hatte angedeutet, dass die CDU sich ihre Vorherrschaft nicht ohne Gegenwehr nehmen lassen wolle, schon gar nicht in diesem Fall: „Die Landes-CDU und ihre Kandidatin Petra Nicolaisen werden alles daran setzen, dass der Grünen-Bundesvorsitzende hier nicht das Direktmandat gewinnt.“

Auf Unterstützung angewiesen

Und Habeck machte klar, dass er im Wahlkampf Unterstützung braucht: „Es ist für mich Privileg und Ehre, hier Kandidat zu sein. Aber ich habe als Bundesvorsitzender der Grünen, unabhängig davon, ob Spitzenkandidat oder nicht, Verpflichtungen für die Partei auf Bundesebene. Und wenn wir ein starkes Ergebnis holen, bin ich auch Teil der nächsten Regierung. Das heißt, dass ich nicht jeden Dienstag eine Sprechstunde im Wahlkreis abhalten kann und kräftig Unterstützung brauche. Ich gebe für den Wahlkreis alles, was ich habe. Aber allein kann ich es nicht schaffen.“

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