Rassismus

Kritik an Baugesellschaft: Erhalten nur Weiße ein Angebot?

Kritik an Baugesellschaft: Erhalten nur Weiße ein Angebot?

Kritik an Baugesellschaft: Erhalten nur Weiße ein Angebot?

dpa/vim
Bremen
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Ein Wohnblock in Bremen: Laut Medienberichten wurden Menschen mit Migrationshintergrund bei der Wohnungssuche diskriminiert. Foto: Imago Images/Shotshop

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E40 steht für „People of Color“, KT für Kopftuch: So teilt eine Bremer Baugesellschaft laut Medienberichten Bewerber ein. Das städtische Unternehmen will die Berichte prüfen.

Es sei in Bremen „ein offenes Geheimnis“, so ein Twitter-User, dass bei der Brebau „organisierter Rassismus“ herrscht: Recherchen des Nachrichtenmagazins „buten un binnen“ von Radio Bremen und der ARD-Sendung "Panorama" legen mit Verweis auf Zeugenaussagen und interne schriftliche Anweisungen dar, dass die Bremer Gesellschaft spezielle Notizen über Wohnungsinteressierte erstellen lasse, um so Menschen mit Wurzeln außerhalb Deutschlands von Brebau-Wohnungen fernzuhalten.

Demnach soll von Mitarbeitenden mithilfe spezieller Codes vermerkt werden, ob ein Bewerber oder eine Bewerberin Schwarz ist, ein Kopftuch trägt, mit der deutschen Kultur vertraut ist, westlich integriert ist oder wie die Deutschkenntnisse sind. Auch Menschen, die zuvor in sozialen Einrichtungen wie Übergangsheimen für Obdachlose gemeldet waren, sollen dem Bericht zufolge keine Wohnungen angeboten bekommen.

Brebau-Vorstand will systematischer Diskriminierung nachgehen

„Zur Begründung heißt es, wenn wir das jetzt nicht so machen, dann bekommen wir die ganzen Molukken, die wollen wir hier nicht“, so ein Informant laut „Panorama“. Bei der Brebau werden die Vorwürfe nun geprüft. „Wir nehmen das Thema sehr ernst und werden den Sachverhalt mit aller Konsequenz aufklären“, ließ die Geschäftsführung am Donnerstag erklären. Ein solches Vorgehen stehe im deutlichen Gegensatz zur unternehmerischen Haltung und Diskriminierung werde nicht toleriert. „Sollten sich die Vorwürfe erhärten, werden wir alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ein solches Verhalten unmittelbar abzustellen“, teilte Brebau mit.

Zur Sache

Die Stadt Bremen ist alleinige Eigentümerin der Wohnungsbaugesellschaft Brebau, nachdem die Sparkasse 2019 ihren Brebau-Anteil in Höhe von 50 Prozent an die Stadt verkaufte. Die Brebau zählt 128 Mitarbeiter und bietet Miet- und Eigentumswohnungen, Reihenhäusern und Leistungen der Haus- und Wohnungsverwaltung an. Mit rund 6000 Wohnungen ist sie das zweitgrößte städtische Wohnungsunternehmen Bremens.

„Menschen mit Kopftuch haben gefühlt keine Chance“, so ein Informant aus dem Kreis der Belegschaft laut Radio Bremen. Die Redaktion hatte einen Test gemacht: Vier junge Deutsche fragten im April bei der Brebau nach Wohnungsangeboten. Sie hatten ein ähnliches Budget zur Verfügung und wollten in die gleichen Ecken der Stadt ziehen. Zwei der Männer sind nicht-weiß und tragen einen arabischen beziehungsweise einen afrikanischen Namen, die beiden anderen Männer sind weiß und tragen klassisch deutsch-klingende Namen.

Den beiden Weißen wurden Wohnungen angeboten, den beiden anderen nicht.

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