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Dänische Unternehmen: Deutschkenntnisse sind Mangelware

Dänische Unternehmen: Deutschkenntnisse sind Mangelware

Dänische Unternehmen: Deutschkenntnisse sind Mangelware

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Hamburg
Hamburg gehört zu den Wirtschaftsmetropolen Europas und liegt direkt vor der dänischen Haustür. (Archivfoto) Foto: Daniel Reinhardt/AP/Ritzau Scanpix

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Sprachen: Es reicht nicht aus, gut Englisch zu können, wenn man nach Deutschland exportieren will, betont der Arbeitgeberverband DI – und fordert, wie mehrere Folketingsfraktionen auch, eine Regierungsstrategie für den Deutschunterricht.

Die dänische Wirtschaft steht vor einem großen Problem. Im Vergleich zu früher beherrschen weniger Menschen in Dänemark die deutsche Sprache, was es schwieriger macht, mit Unternehmen in Deutschland Geschäfte zu machen.

So sieht es zumindest der Arbeitgeberverband Dansk Industri, der feststellt, dass junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – von kaufmännischen Berufen bis hin zum Ingenieurswesen und Handwerk – von dänischen Unternehmen besonders dann gefragt sind, wenn sie Deutsch sprechen, schreiben und lesen können.

Deutschniveau reicht nicht aus

„Es kann gut sein, dass wir in Dänemark sehr gut Englisch können und für häusliche Zwecke Deutsch sprechen. Aber in Deutschland spricht man Englisch nicht unbedingt auf dem gleichen Niveau, und wenn man in ein anderes Land geht und exportieren und Handel treiben will, ist es sehr wichtig, dass man die Sprache dort kennt“, meint Mette Fjord Sørensen, stellvertretende Direktorin bei Dansk Industri.

„Und die Deutschen sind immerhin 80 Millionen“, fügt sie an – wobei sie Österreich, die Schweiz und andere deutschsprachige Gebiete noch nicht mitgezählt hat.

Regierung will keine neue Strategie

Laut „Avisen Danmark“ fordert eine Mehrheit außerhalb der Regierung, dass die Regierung eine Strategie erstellt, wie die deutsche Sprache in Dänemark gestärkt werden soll. Ende April hatte Kinder- und Unterrichtsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil (Soz.) eine solche Initiative noch abgelehnt, schließlich sei bereits „recht solide in der früheren Regierung in diesem Punkt“ gearbeitet worden.

Wie die Zeitung weiter berichtet, wolle die Regierung die Ziele der bisherigen Strategie jedoch weiterverfolgen, so der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten für Kinder und Unterricht, Jens Joel.

Mette Fjord Sørensen
Mette Fjord Sørensen (Archivfoto) Foto: Hans Sødnergård/DI

Nur noch unter 6 Prozent lernen Deutsch am Gymnasium

Eine Analyse von SMVdanmark zeigt, dass die Zahl der Oberstufenschülerinnen und Schüler, die Deutsch als Abiturfach haben, von 11 Prozent im Jahr 2005 auf weniger als 6 Prozent im vergangenen Jahr gesunken ist. SMVdanmark vertritt kleine und mittlere Unternehmen.

Außerdem war die Zahl der Studierenden, die im vergangenen Jahr zum weiterführenden Deutsch-Studium zugelassen wurden, laut „Avisen Danmark“ um 30 Prozent niedriger als im Jahr 2010.

Dänemark verliert in Deutschland an Boden

  • 2001 kamen 1,56 Prozent des deutschen Importes aus Dänemark. 2020 lag der Anteil nur noch bei 1,08 Prozent.
  • Zugleich stieg der Anteil Niederländischer Importe con 7,3 auf 7,8 Prozent, Polens Anteil hat sich auf fast 5,8 Prozent verdoppelt und der von Tschechien stieg von 2,7 auf 4,2 Prozent.
  • Deutschland ist wichtigster Exportmarkt für kleine und Mittelständische Unternehmen in Dänemark – mit 19 Prozent Anteil, danach folgen Schweden (15 Prozent), Norwegen (11 Prozent) und Großbritannien (6 Prozent).
Quellen: Avisen Danmark, SMVdanmark, Ausbildungs- und Forschungsministerium

Besorgnis bei den Arbeitgebern

„Unsere Unternehmen suchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Doppelqualifikation – zum Beispiel den Ingenieur oder Elektriker, der auch Deutsch kann. Aber wenn wir uns die Nahrungskette anschauen – diejenigen, die entweder unsere jungen Leute in der weiterführenden Schule oder unsere Kinder in der Grundschule unterrichten werden –, dann machen wir bei Dansk Industri uns große Sorgen. Denn es zeigt sich, dass immer weniger Menschen Deutsch als Fach in der Lehrerausbildung und an der Universität wählen“, so Mette Fjord Sørensen.

„Wir stehen also vor einer Klippe, wo uns diese Fähigkeiten in den Unternehmen fehlen werden und wo es keine Lehrerinnen und Lehrer gibt, die Deutsch unterrichten“, sagt sie.

Wichtig, mehr Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer auszubilden

Konkret bedeutet ein Mangel an deutschen Sprachkenntnissen laut Dansk Industri, dass Unternehmen Aufträge nach Deutschland verpassen könnten oder von Konkurrenten überholt werden, die sprachlich besser für den deutschen Markt zugänglich sind.

„Es ist enorm wichtig, die deutsche Sprache auf einem relativ hohen Niveau zu beherrschen, sodass man ein Gespräch führen, verhandeln und eine Anweisung oder einen Vertrag in deutscher Sprache lesen kann“, sagt Mette Fjord Sørensen.

Deshalb sei es wichtig, mehr Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer auszubilden, sagt sie. Zumal in den nächsten Jahren viele Deutschlehrer in den Ruhestand gehen werden.

Darüber hinaus hält sie es für wichtig, dass verstanden wird, dass Deutsch und andere Fremdsprachen wie Französisch, Spanisch und Chinesisch wichtig zu beherrschen sind, wenn man sich außerhalb des englischsprachigen Raumes orientieren möchte.

Für Eva Kjer Hansen (Venstre) ist es zum Beispiel unverständlich, dass Studierende in der Lehrerausbildung nicht Teile ihrer Ausbildung in Deutschland machen und sich die Meriten in Dänemark anrechnen lassen können.

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