„Naturnationalparks“

Wilde Natur soll in Dänemark zur Attraktion werden

Wilde Natur soll in Dänemark zur Attraktion werden

Wilde Natur soll in Dänemark zur Attraktion werden

Kopenhagen/Apenrade
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Gribskov
Der Wald Gribskov auf Nordseeland wird zu einem der ersten Naturnationalparks Dänemarks – zumindest teilweise. Hier führt der Biologe Thor Hjarsen durch das Gebiet. (Archivfoto) Foto: Miriam Dalsgaard/Ritzau Scanpix

Neue „Naturnationalparks“: Naturschützer, Freizeitverband und die Regierung haben sich darauf geeinigt, wie die Gelände gestaltet werden sollen. Sie wollen Win-win-Situationen für Mensch und Natur schaffen.

Insgesamt fünfzehn sogenannte Naturnationalparks sollen in Dänemark eingerichtet werden, hinzu kommen 24 neue geschützte Waldgebiete. Die Regierung hat ehrgeizige Ziele für das laut Eurostat mit weitem Abstand naturärmste Land der EU.

Abgesehen von den fast durchgängig unbebauten Küsten ist die dänische Landschaft nur dünn bewaldet und vor allem von landwirtschaftlichen Nutzflächen geprägt.

Mit den neuen Naturnationalparks soll zumindest das bewahrt und aufgewertet werden, was an Natur noch übrig ist, und es sollen „Gebiete, wo die Natur Platz bekommt, sich unter natürlicheren Bedingungen zu entfalten – und die noch mehr spannende Naturerlebnisse schaffen“, entstehen. Das schreibt das Umweltministerium in einer Pressemitteilung am Montag.

Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) besuchte erst am 29. April den kommenden Naturnationalpark in Fussingø nördlich von Randers. Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

Nach Kritik: Freizeit-Verbände einigen sich mit Naturschützern und Politik

Im Vorfeld hatten sich immer wieder einzelne Betroffene und Freizeit-Verbände kritisch geäußert, weil sie fürchten, durch die neuen Schutzgebiete ihren Aktivitäten nicht mehr nachkommen zu können.

Nun haben sich das Ministerium, Dänemarks Naturschutzbund (DN) und der Freiluftrat (Friluftsrådet), der als Dachverband von 85 Vereinen dient und unter anderem Radfahrer, Segler, Freizeitangler, Golfspieler, Pfadfinder und Wanderer sammelt, auf einen Plan geeinigt, nach welchen Prinzipien die neuen Gebiete angelegt werden sollen.

Der Tenor: Naturschutz geht vor – aber Einschränkungen für die Vereine soll es nur fachlich begründet geben.

Wilde Natur soll „fantastische Erlebnisse bescheren“

„Hierzlande sind Tausende Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht“, sagt Umweltministerin Lea Wermelin (Soz.). Diese Entwicklung müsse bekämpft werden und da seien „die neuen Naturnationalparks ein Teil der Antwort“.

„In den Naturnationalparks bekommen wir eine wildere und reichere Natur, die Besuchern in dem Gebiet fantastische Erlebnisse bescheren kann“, wird sie in der Mitteilung zitiert. Beides passe durchaus zusammen und die neuen Prinzipien seien dazu da, „sicherzustellen, dass die Natur den benötigten Platz bekommt und die Menschen in Dänemark zugleich Zugang zu einzigartigen Naturerlebnissen bekommen“.

Hauptziel der neuen Gebiete, von denen fünf bereits ausgewiesen sind, ist es, zusammenhängende Naturkorridore zu schaffen, in denen die Biodiversität durch unterschiedliche Maßnahmen gefördert werden soll.

Naturnationalparks
Fünf von 15 neuen Naturnationalparks stehen bereits fest. Foto: Miljøministeriet

Die fünf Prinzipien im Überblick:

Vermittlung: Besonders Kindern und Jugendlichen soll vermittelt werden, weshalb die Naturnationalparks eingerichtet worden sind und welche Entwicklung erwartet wird. Zudem soll der respektvolle Umgang mit der Natur vermittelt und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in der Natur erfahren werden.

Kompensationsmaßnahmen: In den Fällen, wo die Einrichtung von Naturnationalparks Freiluftsaktivitäten einschränkt, sollen Ausgleichslösungen in der näheren Umgebung gefunden werden.

Rekreative Infrastruktur: Es kann notwendig werden, dass die Infrastruktur erhalten oder ausgebaut werden muss, damit Freiluftaktivitäten weiter ausgeführt werden können, damit Verkehr um die geschützten Gebiete geleitet werden kann und damit Besucher Zugang zu bestimmten Bereichen bekommen können.

Lokale Teilhabe: Die Verwaltung eines Naturnationalparks soll auf Fachwissen über Biodiversität und die Freizeitinteressen in den einzelnen Gebieten beruhen – unter der Prämisse, dass es das Hauptziel der Parks ist, Natur und Biodiversität zu schützen.

Laufende Erfahrungsberichte: In beiden Bereichen – Naturschutz und Freizeit – sollen laufend Erfahrungen gesammelt und sich darüber ausgetauscht werden, wie wirksam die Maßnahmen sind. Somit soll auch sichergestellt werden, dass mögliche Begrenzungen von Freizeitaktivitäten ausschließlich auf fachlicher Grundlage vorgenommen werden.

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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