Ausbildung

So kann der Niedergang von Deutsch gestoppt werden: Früh anfangen statt spät retten

Veröffentlicht Geändert
Mikkel Haarder meint, man soll den Sprachunterricht mithilfe von Künstlicher Intelligenz spannender gestalten.

Die Bildungsministerin plant 68 Millionen Kronen extra für die Studiengänge in Deutsch und Französisch. Die Sprachen müssen jedoch bereits in der Grundschule und im Gymnasium stärker gefördert werden, so die einhellige Meinung von Wirtschaft und Fachpersonen.

Mit 68 Millionen Kronen für die Studiengänge Deutsch und Französisch möchte die Regierung dem sinkenden Interesse der Studierenden entgegenwirken. Das sei auch dringend notwendig, so der Wirtschaftsverband Dansk Industri (DI).

„Wir freuen uns, dass die Regierung Mittel für die Sprachstudiengänge bereitstellt, weil das den Aderlass bremsen kann. Es ist entscheidend, um für die Zukunft ausreichend Lehrkräfte für die gymnasialen Ausbildungen zu sichern“, sagt Mikkel Haarder, Unterdirektor für Ausbildung und Forschung bei DI, zum „Nordschleswiger“.

Lektor: Gesamte Bildungssystem mitdenken

Auch Deutsch-Lektor Moritz Schramm von der Süddänischen Universität begrüßt die Finanzspritze der Regierung. Es reicht seiner Ansicht nach jedoch nicht aus, nur den Sprachunterricht an den Universitäten zu stärken.

„Die Gelder sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber man muss das gesamte Bildungssystem im Auge haben“, meint er.

Haarder sieht das ähnlich: „Die Gelder für die Sprachstudien sind nur ein erster Schritt. Der Sprachunterricht muss in der gesamten Nahrungskette, angefangen von den Grundschulen, gestärkt werden.“

Expertin: Weniger pauken – mehr sprechen

Seiner Ansicht nach muss der Sprachunterricht an den Volksschulen und Gymnasien die Schülerinnen und Schüler stärker engagieren. Das deckt sich mit den Erkenntnissen des Nationalen Zentrums für Fremdsprachen.

Es hat zur Aufgabe, den Sprachunterricht im Zusammenhang zu sehen, zu fördern und Wissen zu sammeln. Die Studien des Zentrums zeigen, dass die Mündlichkeit im Zentrum stehen sollte.

„Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, die Sprache zu sprechen. Sie sollen die Erfahrung machen, dass sie sie für etwas verwenden können, das für sie Sinn ergibt“, sagt Hanne Wacher Kjærgaard, Leiterin der West-Abteilung des Zentrums, zum „Nordschleswiger“.

Insbesondere der Deutsch-Unterricht sei mit Grammatik überfrachtet, zeigt eine Studie unter Schülerinnen und Schülern. Wenn sie dagegen die Sprache verwenden können, um mit jemandem zu sprechen, dann haben sie auch die Motivation, sie zu lernen.

Hanne Wacher Kjærgaard ist überzeugt: Erst einmal sollen die Schülerinnen und Schüler motiviert werden, Deutsch und Französisch zu sprechen.

„Wir wissen aus der Forschung, dass die jungen Menschen zunächst lernen sollten, die Sprache anzuwenden. Danach können sie dann die korrekte Grammatik erlernen“, so Wachter Kjærgaard.

Examensform fördert altmodischen Sprachunterricht

Das Nationale Zentrum für Fremdsprachen arbeitet seit sieben Jahren daran, den Sprachunterricht zu stärken. Dazu hat es in Zusammenarbeit mit den Ausbildungsstätten mehr als 100 Projekte durchgeführt. Ziel ist es, Erfahrungen über guten Sprachunterricht zu sammeln.

Viel von diesem Wissen versuchen Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht umzusetzen. Allerdings ist die Form der Prüfungen hierbei ein Hindernis.

„Sie sind auf die korrekte Verwendung der Sprache und Grammatik ausgelegt. Eine gute Lehrkraft muss das selbstverständlich im Unterricht berücksichtigen“, sagt Wacher Kjærgaard.

Wirtschaftsverband möchte Künstliche Intelligenz einsetzen

Auch Haarder von Dansk Industri meint, dass die Prüfungen auf den Unterricht abfärben und daher einem spannenderen Sprachunterricht im Weg stehen. Er meint, dass man moderne Technologie einsetzen sollte, um es den Jugendlichen zu erleichtern, eine Sprache anwenden zu können.

„Ich bin überzeugt, dass die Künstliche Intelligenz wesentlich dazu beitragen kann, den Sprachunterricht spannender zu machen, wenn sie konstruktiv und kritisch eingesetzt wird“, sagt er.

Mehr zu dem Thema in folgenden Artikeln: