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EU-Parlament hat abgestimmt: Zwei Monate Vaterschaftsurlaub

EU-Parlament hat abgestimmt: Zwei Monate Vaterschaftsurlaub

EU-Parlament hat abgestimmt: Zwei Monate Vaterschaftsurlaub

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Brüssel/Kopenhagen
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Foto: dpa (Symbolfoto)

Auch Väter haben ein Recht auf Vaterschaftsurlaub. Das meint die EU, die nun zwei Monate für sie reserviert hat.

Eltern sollen nach der Geburt ihres Kindes ein Recht auf mindestens vier Monate Elternurlaub haben. Zwei davon sind für den Vater reserviert. Das hat das EU-Parlament am Donnerstag beschlossen, berichtet die Nachrichtenagentur Ritzau.

Demnach haben 490 Abgeordnete für das neue Gesetz gestimmt, während lediglich 82 dagegen waren. Mit den neuen Vorgaben möchte die EU ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben der Bürger sicherstellen und sich verstärkt gegen die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt einsetzen.

Bei dem neuen Gesetz wird zudem vorgegeben, dass die reservierten zwei Monate ausschließlich für die Väter seien. Können oder wollen diese nicht zwei Monate zu Hause bei ihrem Kind sein, dann sind diese Monate passé und können nicht auf die Mutter übertragen werden, so Ritzau.

Regeln sorgen für geteilte Meinungen

Der EU-Parlamentarier Morten Helveg Petersen (Radikale) hat für das neue Gesetz gestimmt. „Ich meine, dass die neuen Regeln für Dänemark sehr relevant sind. Wir haben in der Vergangenheit ganz klar nicht dafür gesorgt, dass die Väter auch ihren Vaterschaftsurlaub abhalten“, so Helveg Petersen, der darauf verweist, dass die Väter rund zehn Prozent des gesamten Mutterschaftsurlaubes beansprucht haben.

Auf Christiansborg sind die neuen Regeln jedoch umstritten. Der dänische Beschäftigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) sieht die neuen Vorgaben aus Brüssel mit kritischen Augen.

„Wenn der Vater nun nicht die zwei Monate für sich beanspruchen möchte, dann ist der gesamte Mutterschaftsurlaub um zwei Monate verkürzt worden. Das ist schade, denn das bedeutet, dass das Kind dann weniger Zeit mit seinen Eltern hat“, so Poulsen.

„Großer Schritt für Familien“

Beim dänischen Vaterverein zweifelt der Vorsitzende, Jesper Lohse, nicht daran, dass die neuen EU-Regeln einen positiven Effekt haben werden. „Das ist ein großer Schritt für die Kinder, Mütter und Väter“, so Lohse gegenüber dem „Nordschleswiger“. Bisher hat er aus Island und Schweden, die auf dem Gebiet Dänemark weit voraus sind, nur positive Kommentare zu einem solchen Vorhaben gehört.

„Auch unsere eigenen Untersuchungen unter Vätern in Dänemark haben ergeben, dass die Väter gerne mehr Vaterschaftsurlaub haben würden. Zudem zeigen Analysen, dass sich rund 20 Prozent bei der Geburt ihres Kindes eine Auszeit von der Arbeit gönnen – sprich, durch Abbummeln von Überstunden oder dergleichen“, erklärt der Vorsitzende.

Er verweist auch auf den Gesundheitsaspekt bei einer Einführung der neuen Regel. „Man muss das auch so sehen, dass das Kind ein Recht auf gemeinsame Zeit mit Vater und Mutter hat. Das hat einen großen Einfluss auf die Gesundheit des Kindes“, so Lohse. Auf die Frage, ob Väter in Dänemark das Angebot annehmen werden, antwortet er: „Ich bin mir ganz sicher, dass die Väter nach Inkrafttreten der Regel die zwei Monate für sich beanspruchen werden.“

Gerwerkschaft für übertragbaren Urlaub

Die Gewerkschaft 3F unterstützt grundsätzlich die Idee hinter dem Gesetz, nämlich die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben. Aber: „Wir hätten lieber eine dänische Gesetzgebung gehabt, die sicherstellt, dass Mütter und Väter je zur Hälfte Anspruch auf die 32 Wochen Elternurlaub haben, aber mit der Möglichkeit, den eigenen Teil des Urlaubs an den Partner abzutreten“, so Søren Heisel, Gewerkschaftssekretär und Gleichstellungsbeauftragter bei der Gewerkschaft 3F.

Die neuen Regeln sollen innerhalb von drei Jahren in den EU-Staaten umgesetzt werden.

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