Deutsch in Kopenhagen

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Kopenhagen
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Anna Löhr sieht sich als Europäerin. Foto: Walter Turnowsky

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Die Münchenerin Anna Löhr studiert derzeit in Kopenhagen. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, dorthin zu gehen, wo Möglichkeiten sind. Ihre Zukunft sieht sie in Frankreich – oder auch anderswo.

Wir treffen uns auf dem Campus der Copenhagen Business School (CBS) auf Frederiksberg und schlendern über das Gelände. Seit einem Jahr studiert Anna Löhr hier. Im Vorjahr hat die Münchenerin acht Monate auf der Europäischen Filmhochschule in Ebeltoft verbracht.

Serie: Deutsch in Kopenhagen

Dieser Artikel ist Teil einer Serie im „Nordschleswiger“. Alle drei bis vier Wochen bringen wir ein Porträt einer oder eines Deutschen in Kopenhagen. Es kann auch eine Firma oder eine Institution sein.

Hast du einen Vorschlag für ein solches Porträt, dann schreibe gerne an wt@nordschleswiger.dk

„Ich wollte nach dem Abitur gerne eine Ausbildung im Bereich des Films machen. An den großen Filmschulen ist es sehr schwer, hineinzukommen, und da habe ich die Möglichkeit in Ebeltoft entdeckt“, erläutert die junge Frau.

Volkshochschule als Einstieg

Es war somit ein Zufall, dass sie ausgerechnet in Dänemark landete. Beziehungen zum Land hatte Löhr keine.

„Ich wusste so gerade mal, wo es liegt“, meint sie lachend.

An der Volkshochschule war die Hälfte der Gruppe international, und die andere Hälfte kam aus Dänemark. Die Schüler wohnen in der Schule und arbeiten eng in Gruppen zusammen. So ließen sich leicht Kontakte knüpfen.

Dänische Freunde

„Als ich dann nach Kopenhagen zog, um auf der CBS zu studieren, hatte ich bereits erste dänische Freunde in der Stadt“, erzählt sie.

Der Freundeskreis hat sich allmählich erweitert, obwohl es in der Hauptstadt etwas länger gedauert hat, neue Menschen kennenzulernen. Die Unterhaltungen laufen teils auf Englisch, teils auf Dänisch.

„Ich verstehe mittlerweile so gut wie alles auf Dänisch, beim Sprechen geht es jedoch noch ziemlich langsam.“

Am CBS studiert Löhr nun „Business, Language and Culture“. Die Kopenhagener Handelshochschule hat sie gewählt, weil bereits ihr Bruder dort studierte. Auch in seinem Fall war es die Ausbildungsmöglichkeit, die ihn nach Dänemark gelockt hatte. Die CBS hat international einen guten Ruf, und er fand dort außerdem die gewünschte Fächerkombination.

Mayonnaise und braune Kartoffeln

Löhr gefällt der etwas lockerere Umgang miteinander, dass man die Lehrer mit Vornamen und mit Du anspricht.

Auch auf der Straße erkennt sie Unterschiede.

„Die Dänen sind gut gekleidet, ohne dass es steif oder formell wirkt. Deutsche ziehen sich zwar auch meistens gut an, aber es sieht anders aus“, hat sie beobachtet.

Nicht ganz so positiv empfindet sie die größere Verschlossenheit der Nordländer.

„Wenn ich Leute auf der Straße anspreche, erschrecken sie zum Teil regelrecht.“

Für mich bedeutet es viel, dass ich die Freiheit habe, zum Beispiel zwischen Dänemark und Deutschland hin- und herzupendeln.

Anna Löhr

Auch mit so manchen Essgewohnheiten kann die Münchenerin sich nicht so recht anfreunden.

„Die tun auf alles Mayonnaise drauf. Und diese karamellisierten Kartoffeln schmecken eigenartig.“

„Wir sind Europäer“

Doch insgesamt empfindet sie die Unterschiede als sehr gering.

„Die Gemeinsamkeiten sind wesentlich größer. In meiner Generation – oder zumindest der sozialen Blase, in der ich mich bewege – sprechen wir von uns lieber als Europäer als Deutsche oder Dänen.“

Löhr ist mit offenen Grenzen und der Möglichkeit, sich in ganz Europa einen Studienplatz zu suchen, aufgewachsen.

Es ist jedoch die grundfalsche Antwort, sich abzuschotten und dem Nationalismus zu verfallen.

Anna Löhr

„Für uns war es immer eine Selbstverständlichkeit, überallhin reisen zu können. Für mich bedeutet es viel, dass ich die Freiheit habe, zum Beispiel zwischen Dänemark und Deutschland hin- und herzupendeln. Erst allmählich ist mir bewusst geworden, dass das nicht immer selbstverständlich war, sondern erst aufgebaut werden musste.“

Nicht alles an der EU sieht sie positiv, und sie hat durchaus Verständnis für Menschen, die mit der Globalisierung schwer zurechtkommen.

„Es ist jedoch die grundfalsche Antwort, sich abzuschotten und dem Nationalismus zu verfallen.“

Anna Löhr vor dem CBS Foto: Walter Turnowsky

Für ihre eigene Lebensplanung möchte sie weiterhin die Möglichkeiten nutzen, die ein offenes Europa bietet. Das fünfte Semester, also für sie in einem Jahr, ist ein Auslandssemester. Anna Löhr wird es in Frankreich verbringen. Das Studium möchte sie, so zumindest der jetzige Stand der Dinge, in Kopenhagen abschließen.

„Wohin ich danach gehe, weiß ich noch nicht, aber nicht unbedingt nach Deutschland zurück. Vielleicht nach Frankreich, vielleicht auch anderswo hin.“

Noch schnell ein paar Fotos für den Artikel, und schon eilt sie zum Studium zurück.

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