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So läuft der Sexualkundeunterricht am Deutschen Gymnasium Nordschleswig

So läuft der Sexualkundeunterricht am Deutschen Gymnasium Nordschleswig

So läuft Sexualkunde am Deutschen Gymnasium Nordschleswig

Nina Stein
Nina Stein
Apenrade/Aabenraa
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Die Schulen können den Sexualkundeunterricht frei gestalten und umsetzen. Foto: Nils Baum

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Die Schülerinnen und Schüler am Deutschen Gymnasium Nordschleswig bringen unterschiedliche Wissensstände von ihren alten Schulen mit. Deshalb wird in der Oberstufe aufgefrischt. Was sie über den Sexualkundeunterricht denken – und wie das DGN auf ihre Wünsche reagiert.

Sexualkunde ist iim Gymnasium normalerweise kein Unterrichtsthema. Dafür sind laut Lehrplan die Klassenstufen 1 bis 10 vorgesehen. Die Schulen können den Unterricht frei gestalten und umsetzen. Dies führt dazu, dass sich der Wissensstand nach Schule und Lehrkraft unterscheidet.

Auch am Deutschen Gymnasium Nordschleswig (DGN) gibt es keinen geregelten Sexualkundeunterricht. Für die Zukunft soll sich das ändern. Denn am DGN gibt es viele Schülerinnen und Schüler, die an verschiedenen Schulen waren und das Thema in unterschiedlicher Form behandelt haben.

Eine von ihnen ist die 17-jährige Finia Grefe. Das letzte Mal Sexualkundeunterricht hatte sie in der 8. Klasse an einer Schule in Deutschland. Von den maximal vier Schulstunden, die es zu dem Thema gab, hätte sie sich mehr Tiefe versprochen. „Es war nicht aktuell“, stellt sie fest, „als hätten die Lehrkräfte das Thema runtergerattert.“ Vor allem einen größeren Fokus auf Geschlechtskrankheiten hätte sie sich gewünscht. „Das wäre eigentlich zeitgemäßer.“

Finia Grefe hatte auf ihrer alten Schule in Deutschland kaum Sexualkundeunterricht. Foto: Nina Stein

Jasper Hansen, der eine dänische Schule in Deutschland besucht hat, geht es ähnlich. „Es war alles sehr theoretisch.“ Im Gegensatz zu Finia hat der Sexualkundeunterricht an seiner Schule allerdings etwas mehr Raum eingenommen. „In der 8. und 9. Klasse gab es ungefähr acht bis zehn Schulstunden im Biounterricht, die spezifisch Sexualkunde beinhalteten. Dabei ging es vor allem um Verhütung.“ Zu sexueller Orientierung und Geschlechteridentität hätte es jedoch „gar nichts“ gegeben.

Jasper Hansen war vorher auf einer dänischen Schule in Deutschland. Auch er hätte sich einen umfangreicheren Sexualkundeunterricht vorstellen können. Foto: Nina Stein

Anders gelaufen ist es bei Katharina Kley. Zwar wurden auch auf ihrer vorherigen Schule die Themen sexuelle Orientierung und Geschlechteridentität nur wenig bis gar nicht behandelt, insgesamt beschreibt sie jedoch den Sexualkundeunterricht ihrer alten Schule als „sehr ausführlich“. In Themenwochen wurde an der Deutschen Schule Hadersleben in der dritten Klasse der Fokus zunächst auf die Biologie gesetzt, ehe es in den Klassenstufen 6 und 9 um Pubertät, Verhütung und Selbstbefriedigung ging.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Jugendliche sich bei solchen Themen selbst gut aufklären können. Besonders bei persönlichen Themen ist es wichtig, dass sie von einer Fachperson richtig aufgeklärt werden.

Katharina Kley

Dennoch habe ihr etwas am Sexualkundeunterricht gefehlt. „In der 6. Klasse wurde nur mit den Mädchen über Menstruation geredet. Für Männer ist das natürlich auch praktisch zu wissen.“ Zudem habe sie sich mehr zum Thema Selbstentfaltung versprochen.

Obwohl der Sexualkundeunterricht an Katharina Kleys alter Schule sehr umfangreich war, wünscht sie sich auch für das Gymnasium eine Unterrichtseinheit. Foto: Nina Stein

Für die Zukunft wünscht sich Katharina, dass weiterhin in Sexualkunde investiert wird und erhofft sich eine Unterrichtseinheit auf dem Gymnasium. „Es ist nicht selbstverständlich, dass Jugendliche sich bei solchen Themen selbst gut aufklären können. Besonders bei persönlichen Themen ist es wichtig, dass sie von einer Fachperson richtig aufgeklärt werden.“ Die Herausforderungen der Lehrkräfte könne sie allerdings verstehen.

Damit sollte offen umgegangen werden, sonst wird das für immer ein Tabuthema bleiben.

Safia Moursy

Auch die 20-jährige Safia Moursy spricht sich für einen offenen Umgang aus. Für sie sollte bereits in früheren Klassenstufen über das Thema aufgeklärt werden, da viele Jugendliche ihre Informationen aus dem Internet beziehen würden. „Woher soll ich als junger Mensch wissen, was eine gute Information ist und was nicht?“ An ihrer vorherigen Schule in Ägypten habe der Sexualkundeunterricht geschlechtergetrennt stattgefunden.

Vergleicht sie die Deutsche Schule Hurghada mit dem Deutschen Gymnasium Nordschleswig, stellt sie einige Unterschiede fest. „Natürlich wird hier viel offener mit allem umgegangen. Es gibt aber immer noch komische Blicke, wenn ich sage, dass ich meine Tage habe. Damit sollte offen umgegangen werden, sonst wird das für immer ein Tabuthema bleiben.“

Safia wünscht sich bereits für die Grundschule einen offeneren Umgang im Sexualkundeunterricht. Foto: Nina Stein

Der Wunsch von den Schülerinnen und Schülern, Sexualkundeunterricht mehr Raum zu geben, ist da. Dies gestaltet sich jedoch schwierig. „In den Prüfungen wird das abgefragt, was im Lehrplan steht. Und wenn das Thema keinen großen Raum im Lehrplan hat, dann verliert man Unterrichtszeit“, sagt Ricky Katzera, der am DGN Sport und Mathematik unterrichtet.

Grundsätzlich betrachte er das Thema als „wünschenswert und sinnvoll“, da es in verschiedenen Altersstufen unterschiedliche Herausforderungen gebe und zum Schulauftrag – auf das Leben vorzubereiten – dazugehöre.

Sexualkundeunterricht wird ab nächstem Schuljahr verbindlich

Für die Zukunft stehen Veränderungen für den Sexualkundeunterricht an dem Deutschen Gymnasium Nordschleswig an. Schulleiter Jens Mittag sagt, dass der Sexualkundeunterricht ab dem neuen Schuljahr verbindlich werde. „Es war ein Wunsch von den Jugendlichen. Das hat das Unterrichtsministerium nun berücksichtigt.“

Die Inhalte seien jedoch in keinem Fach festgeschrieben. So könne der Unterricht in verschiedenen Fächern berücksichtigt werden und an verschiedenen Stellen Sexualität in die Thematik einfließen. „Das ist der Weg, den wir gehen werden.“

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