Nordschleswig

Auszeichnung für Ex-Rummelpottläufer Stefan Seidler

Auszeichnung für Ex-Rummelpottläufer Stefan Seidler

Auszeichnung für Ex-Rummelpottläufer Stefan Seidler

Apenrade/Aabenraa
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Stefan Seidler (SSW, rechts) nahm den Ehrenrummelpott in Augenschein, den ihm der Chefredakteur der Satirezeitschrift „Æ Rummelpot“, Gunnar Hattesen, zuvor überreicht hatte. Foto: Karin Riggelsen

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Die Satirezeitschrift „Æ Rummelpot“ hat den neu in den Deutschen Bundestag gewählten SSW-Politiker mit dem „Ehrenrummelpott“ 2021 ausgezeichnet. Bei einer Feierstunde in Apenrade wurde an die teilweise verschwundene Tradition im heutigen Grenzland erinnert.

„Das ist wohl der größte Erfolg der Wikinger seit dem Angriff auf das Kloster Lindisfarne im Jahre 793“, meinte der Chefredakteur der Satirezeitschrift „Æ Rummelpot“, Gunnar Hattesen, am Donnerstag zu Beginn der kleinen Feierstunde im Apenrader „Folkehjem“ in Anspielung auf den großen Wahlerfolg der Partei der dänischen Minderheit SSW mit Wikinger-Wahlspots bei den deutschen Bundestagswahlen am 26. September.

Wahl mit über 55.000 Stimmen

Er begrüßte den ersten Bundestagsabgeordneten des Südschleswigschen Wählerverbandes seit 1953 in Deutschland, Stefan Seidler, als den Wikinger aus der dänischen Minderheit, der sich mit über 55.000 Stimmen einen Platz im deutschen Parlament in Berlin gesichert hat und sich seitdem gegenüber Medien aller Art wacker geschlagen habe.

Stefan Seidler freute sich besonders über die Originalzeichnung der Karikatur, mit der im neuen Heft von „Æ Rummelpot“ die Wahl des einzelnen SSW-Mannes im über 500-köpfigen Bundestag aufs Korn genommen wurde. Nur per Lupe ist Seidler im Saal des Parlaments zu entdecken. Foto: Karin Riggelsen

„Sogar unser ,Danmarks Radio‘ hat sich für Stefan Seidler interessiert“, so Hattesen etwas bissig und ging auf die jahrelange Tätigkeit Seidlers beispielsweise bei den Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Erstürmung der Düppeler Schanzen 2014 und als Koordinator für die deutsch-dänischen Beziehungen in der Landesregierung in Kiel ein.

Karikaturist Ole Weile hat mit einem seiner Werke im neuen Satireheft Stefan Seidler als „Ein-Mann-Fraktion“ im Deutschen Bundestag gewürdigt.Seit 49 Jahren ist er Mitarbeiter bei „Æ Rummelpot“. Foto: Karin Riggelsen

„Du bist zwar klein von der Statur her, aber dafür ausdauernd und fleißig“, meinte Hattesen und stellte zum Start Seidlers in Berlin fest, da sei ihm „ein eleganter Kopfsprung gelungen und kein Bauchplatscher“.

Mit Rummelpott Aufmerksamkeit schaffen

Der ihm überreichte Rummelpott als Auszeichnung könne im Berliner Politik-Betrieb nützlich sein, um Aufmerksamkeit zu bekommen. „Ich weiß, welch große Bedeutung der Ehrenrummelpott hat“, sagte Stefan Seidler und er fügte hinzu, dass seine Mutter schließlich aus Apenrade komme. Sein Großvater war Landbriefträger in Feldstedt (Feldstdt), während die Großmutter in Apenrader Geschäften gearbeitet hat.

Doch nach einem Vortrag über den Bau und die Nutzung des Rummelpotts als traditionelles Instrument beim Rummelpottlaufen am 31. Dezember konnte Stefan Seidler mit einer Botschaft auftrumpfen: „Ich bin als Kind in Flensburg oft Rummelpott gelaufen. Wir hatten aber keinen echten Rummelpott, sondern haben mit Dosen Krach gemacht.“ „Das ging so lange, bis wir Apfelsinen und Kuchen an den Haustüren bekommen haben“, so der Politiker aus den Reihen der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. Und er verriet auch, dass er mit einem Freund zusammen im Heimatort Flensburg plattdeutsche Rummelpottlieder gesungen habe.

Vertreter des gesamten Grenzlandes

„Die neue deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Die Grünen) hat ja bereits angekündigt, dass für sie die deutsch-französischen Beziehungen Vorrang haben. Ich werde daran erinnern, dass es auch viele andere Grenzgebiete in Deutschland gibt, in denen es früher eher stürmisch zugegangen ist“, erklärte Seidler. Und er sagte weiter: „Unsere deutsch-dänische Grenzregion zählt auch zu solchen Gebieten, und wir sind froh, dass es in unserem einzigartigen Grenzland mit den Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze so gut läuft.“ Er sei Vertreter des gesamten Grenzlandes in Berlin.

Stefan Seidler zeigte sich als Kenner auch der nordschleswigschen Rummelpottszene. Foto: Karin Riggelsen

Bei der Feier im Bildersaal des „Folkehjem“ demonstrierte Keramikerin Vibeke Erlang Christensen aus „Det Kreative Hus“ in Apenrade, dass der von ihr gestaltete Rummelpott originalgetreu aus Ton gefertigt ist. Er wird mit einer Schweinsblase bespannt, aus der mithilfe eines Stabes brummender Lärm erzeugt wird. „Früher lebten die Schweine länger und wurden größer, da konnten mit den größeren Blasen sehr große Pötte bespannt werden“, erläuterte sie.

Auch plattdeutsche Version im „Folkehjem“

Die Keramikerin trug den Text des Rummelpottliedes „Frau, luk æ dør op, æ rummelpot vil ind“ nicht nur auf Sønderjysk vor, sondern auch in der plattdeutschen Version. „Den Text habe ich von meiner Apenrader Keramikerkollegin Elke Christensen bekommen, die in ihrem Heimatort Hademarschen in Holstein Rummelpott gelaufen ist“, so Erlang Christensen. Während es in Nordschleswig nur noch Restformen des Rummelpottlaufens mit Umzügen durch die Orte am letzten Abend des Jahres gibt, werde die Tradition mit frechen Gesängen und Streichen bei den Leuten, die dem Rummelpott keine Leckerbissen gönnen, südlich der Grenze teilweise noch gepflegt.

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