(Auf)Klärung

Was das Klo alles schluckt, muss Casper ausbaden

Veröffentlicht
Ein Mann – eine Mission: Casper Koch Nordow leitet die Wasser- und Abwasserabteilung von Provas und sorgt dafür, dass nichts klemmt.

Haarsträubend, was im Abwasser der Kommune Hadersleben landet: Unterhosen, Spielzeug, Werkzeug – und Feuchttücher. Bei der kommunalen Versorgungsgesellschaft Provas kämpfen die Männer von der Pumpe täglich mit dem, was andere achtlos ins Klo werfen. Ein Termin am nicht ganz so stillen Örtchen mit Lerneffekt.

Casper Koch Nordow leitet bei Provas die Abteilung für Wasser und Abwasser. Wenn einer weiß, was im Verborgenen der Kanalisation Tag für Tag vor sich geht, dann er. 

„Wir haben etwa 800 Pumpstationen in der Kommune Hadersleben“, erzählt er. Und fast täglich leidet das Leitungsnetz an Verstopfung. Der Grund sind Sachen, die nicht – niemals! – ins WC gehören. „Hauptsächlich Feuchttücher. Die lösen sich nicht auf, sondern verfilzen mit Fett und bilden zähe Lappen.“

Was so alles in der Pumpe steckt

Casper Koch Nordow und sein Team sind täglich damit beschäftigt, in der „Unterwelt“ aufzuräumen.

Die Liste der Fundstücke in den Pumpen wirkt wie ein Blick ins Kuriositätenkabinett: „Werkzeug, Unterhosen, Spielzeug, Handtücher – man glaubt es kaum.“ 

Für Nordow und sein Team ist das Alltag. Was draußen die Pumpen blockiert, landet drinnen auf dem Rost, auf dem schneckenbetriebenen Rechen: Es ist ein groteskes Abbild unserer Wegwerfgesellschaft.

Pumpenstress im Urlaubsparadies

Aus der Ferne mutet der Rechen fast malerisch an – aus der Nähe nicht: Farbenfrohes Laub, Feuchttücher, Verpackungsreste und ein Damenstrumpf sind die Ausbeute der Stunde.

Besonders häufig hakt es in den Ferienhausgebieten. „Da kommen ständig neue Gäste – und sie werfen so einiges ins Klo, das dort nicht hineingehört.“ 

Das Problem: In tiefer gelegenen Gebieten des Leitungsnetzes müssen verschiedenste Arten von Pumpen – je nach Höhenlage – das Abwasser weiterleiten. Blockiert Unrat die freie Passage, geht nichts mehr – mit Folgen. „Dann läuft es schlimmstenfalls in Nachbars Keller oder in die Natur.“

Drei Dinge. Mehr nicht.

Die „Ernte“ vom Rechen landet als Sondermüll in großen Containern und kommt auf die Deponie.

Was hilft? Eine einfache Faustregel, sagt Casper Koch Nordow: „Nur drei Dinge gehören in die Toilette.“ Das sind – auf gut Deutsch – Pisse, Scheiße und Klopapier.

Genau das vermittelt auch eine landesweite Aufklärungskampagne, untermalt mit Rap und Mädchenchor – ganz nach Gusto. Denn der Schaden geht alle an: „Die ständigen Einsätze kosten uns Zeit, Geld – und Nerven. Wenn alle sich an die einfache Formel hielten, würden wir Millionen sparen“, sagt Casper Koch. Die Gebühren könnten langfristig sogar sinken – und die Verbraucher bekämen mehr für ihre Gebühren.

Ein wenig Toilettenkultur schadet somit nicht. Als eine Form der Früherziehung bietet Provas daher Workshops für Schulklassen an, denn früh übt sich. Wer auf dem stillen Örtchen sitzt, sollte an all jene denken, die jeden Tag dafür sorgen, dass aus dem Klo kein Krisenherd wird.

Das WC ist wie ein Überraschungsei – der guten Dinge sind drei: Casper Koch Nordow kennt die Formel und hofft, dass sie sich herumspricht.