Verkehrsprojekt

Umwelt-Analyse: So ist die Alsen-Fünen-Verbindung nachhaltig umsetzbar

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Eine Brückenlösung wäre realisierbar – und nahezu klimaneutral möglich.

Dass der Bau einer Alsen-Fünen-Brücke technisch machbar ist, das steht schon länger fest. Eine vom Verein „Als-Fyn-Forbindelsen“ in Auftrag gegebene Nachhaltigkeitsanalyse zeigt nun, dass das Projekt auch nahezu klimaneutral umgesetzt werden könnte. Auswirkungen auf die Natur hätte es trotzdem – positive wie negative.

Die Nachhaltigkeitsanalyse zur geplanten Alsen-Fünen-Brücke ist fertig. Das Ergebnis zeigt: Infrastruktur und Nachhaltigkeit können Hand in Hand gehen. Das teilt das Komitee „Als-Fyn-Forbindelsen“ mit, das die Analyse bei der Unternehmensberatungsfirma „Kraka Economics“ aus Kopenhagen in Auftrag gegeben hat.

Die Frage, die sich die Verantwortlichen hinter dem Projekt gestellt haben, ist: Kann ein solches Bauvorhaben umgesetzt werden, ohne dabei Natur, Artenvielfalt und Klima über die Maßen zu belasten?

Bau wäre ohne Klimaschäden umsetzbar

Das Fazit der 193 Seiten starken Analyse lautet: „Übergeordnet bewerten wir, dass es mit einem zusätzlichen Einsatz möglich ist, eine Alsen-Fünen-Verbindung zu bauen, ohne dem Klima zu schaden und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für die Natur an mehreren Stellen im Vergleich zum Ist-Zustand zu verbessern.“

Auch die Mehrkosten für das Projekt seien durch den erhöhten Einsatz für die Natur „verhältnismäßig begrenzt“.

Eine gewisse Unsicherheit gebe es beim eigentlichen Bau der Brücke. Die Auswirkungen auf die Meeresumwelt lassen sich demnach nicht abschätzen.

Unsicherheit unter Wasser

„Die Meeresumwelt im Kleinen Belt ist unter Druck, und obwohl die Bau- und Konstruktionsmethoden verbessert wurden, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Anlage negative Auswirkungen auf die Meeresumwelt haben wird“, heißt es in der Analyse.

Dennoch seien durch einige Maßnahmen zur Renaturierung und Treibhausgasreduktion auch gesellschaftliche Gewinne möglich.

In der Pressemitteilung des Komitees heißt es dazu: „Vieles deutet darauf hin, dass es möglich ist, neue Wege und Brücken mit minimalen Auswirkungen auf das Klima zu entwickeln – wenn auch nicht ganz gegen null.“ Gleichzeitig könne man mit dem richtigen Ansatz neue Naturgebiete schaffen, unter anderem in Svanninge Bakker und am Bøjden Nor.

Analyse als Ergänzung

Der Verein hinter dem Projektvorhaben hatte im Vorfeld den Dialog mit einer Reihe an Organisationen, Expertinnen und Experten sowie Fachleuten gesucht. Die Analyse soll ein Schritt sein, wie in Zukunft Bauprojekte in Dänemark geplant werden sollten, um Nachhaltigkeit, Mobilität und Gesellschaftswirtschaft auszubalancieren.

Die Analyse sei dazu ein erster Schritt. Sie sei als Ergänzung zu einer umfassenderen Analyse der festen Verbindung zu betrachten, die derzeit vom Verkehrsministerium, dem staatlichen Infrastrukturunternehmen „Sund&Bælt“, das die Planung, den Bau, die Finanzierung und den Betrieb von Brücken, Tunneln und Verkehrsverbindungen wie der Storebælt-, Öresund- und künftig der Fehmarnbelt-Verbindung verantwortet, und der Straßenbaubehörde durchgeführt wird.

Konkrete Umweltschutzmaßnahmen

Laut Analyse gehen der Bau und Betrieb einer Alsen-Fünen-Verbindung mit Natur-, Umwelt- und Klimaschäden sowie Lärm unter Wasser einher, wenn nicht versucht werde, diese Schäden zu verhindern.

Eine Reihe von Maßnahmen, die über den normalen Einsatz bei Bauprojekten hinweg gehen, soll die Auswirkungen minimieren. Diese können auch das grüne Dreiparteienabkommen unterstützen.

  • Wiederherstellung des Bøjden Nor und Entnahme von ca. 153 Hektar landwirtschaftlicher Fläche im Wassereinzugsgebiet zum Nor.
  • Untertunnelung und Überdeckelung der gesamten oder eines Teils einer 1,5 Kilometer langen Straße durch die Svanninge Bakker und Entnahme von ca. 900 Hektar landwirtschaftlicher Fläche, um ein einzigartiges und großes zusammenhängendes Naturgebiet zu schaffen, das aus den Svanninge Bakker und Bjerge besteht. So können beispielsweise bedrohte und seltene Arten besser geschützt werden.
  • Verwendung klimaneutraler Materialien oder Materialien, die insgesamt CO₂ aus der
    Atmosphäre aufnehmen. Schon heute gibt es klimaneutralen Zement und Pläne für klimaneutralen Stahl und Eisen.
  • Vorübergehende Aussetzung der Grundschleppnetzfischerei im Projektgebiet während der Grabungsarbeiten und weitere Schutzmaßnahmen für Meeresbewohner.

Bei Augustenburg (Augustenborg) auf Alsen müsste die Infrastruktur bei einer festen Verbindung erweitert werden. Der bisherige Kreisverkehr östlich der Stadt bei Miang Damm (Mjang Dam) könne dem dann steigenden Verkehrsaufkommen nicht gerecht werden, heißt es in der Analyse.

Anstelle einer Ampelanlage solle weiter östlich ein größerer Kreisverkehr gebaut werden, so die Bewertung. Dann könne ein grüner Korridor bei Augustenburg entstehen, wo der Skakkenborg-Wald und der Miang-Damm miteinander verbunden werden. So könne ein zusammenhängendes Naturgebiet entstehen, das auch Durchgänge gewährleistet, die den Erholungswert des Gebiets erhöhen.

Überschaubare Mehrkosten

Insgesamt sieht die Analyse drei Voraussetzungen für den klimaneutralen Bau der Verbindung. Diese sind eine klimafreundliche Herstellung von Baumaterial und ausreichende Mengen an Biogas und anderer Brennstoffe. Eine Voraussetzung solle es auch bei der Ausschreibung der Bauarbeiten geben – alle Materialien sollen mindestens klimaneutral sein.

Die gesamten Maßnahmen verursachen laut Bericht Mehrkosten in Höhe von 1,3 bis 2,9 Milliarden Kronen. Den Bau der Brücke und der Hinterlandanbindung beziffern die Verantwortlichen auf insgesamt 22 Milliarden Kronen. Die zusätzlichen Maßnahmen machen dabei 6 bis 13 Prozent aus.

Regionen verbinden

Das Komitee wünscht sich eine Brückenverbindung über den Kleinen Belt von Fünenshaff auf Alsen (Als) nach Horne Næs auf Fünen (Fyn). Die Hinterlandanbindung soll stellenweise ausgebaut werden auf sogenannte 2+1-Landstraßen, also ein wechselseitig zweispuriger Ausbau.

Warum die Brücke? Darauf hat das Komitee eine Antwort parat: „Dänemark und Europa brauchen neue Infrastruktur, um die Entwicklung, Wachstum und neue Arbeitsplätze zu unterstützen. Wenn wir Arbeitsmärkte, Wirtschaftscluster und Regionen über Landesgrenzen hinweg enger verbinden, stärken wir die Grundlage für den Wohlstand der Zukunft“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung zu dem Projekt.

Die Alsen-Fünen-Verbindung sei eine Möglichkeit, stärkere regionale und internationale Verbindungen zu schaffen, heißt es. „Dass wir nicht nur Dänemark stärker verknüpfen, sondern auch die Zusammenarbeit mit unseren deutschen Nachbarn.“ Eine Fahrt über die Brücke würde sieben Minuten dauern. Derzeit dauert eine Überfahrt mit der Fähre 45 Minuten.

Hier findest du den kompletten Nachhaltigkeitsbericht zum Nachlesen.