Unwetter

So schwer traf der Dezemberorkan vor 25 Jahren Nordschleswig

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Dyrhuus bei Tondern
„Der Nordschleswiger“ berichtete in den Tagen danach über die Schäden in Nordschleswig. Auf dem Foto sind die Verwüstungen durch den Dezemberorkan auf einem Bauernhof in Dürhuus bei Tondern zu sehen.

Der Orkan vom 3. Dezember 1999 richtete in Nordschleswig schwere Schäden an. Daten und Fakten zum Wintersturm.

Wenn sich die Menschen in Dänemark an einen Sturm besonders erinnern, dann wird oft der Dezemberorkan aus dem Jahr 1999 genannt, der am Freitag, 3. Dezember, besonders Süddänemark schwer traf. Der Orkan ist auch als „Anatol“ oder „Carola“ bekannt, allerdings ist das weniger geläufig. Das Unwetter geht als schwerstes registriertes Sturmereignis in Dänemark im 20. Jahrhundert in die Geschichtsbücher ein.

Am Donnerstag, 2. Dezember, zeigten die Vorhersagen, dass sich ein kräftiges Tiefdruckgebiet über der Nordsee entwickelt. Schon zwei Tage zuvor gab es erste Anzeichen, dass sich ein Sturm bilden könnte. Das erste Mal wurde der Begriff „Orkan“ für das Tiefdruckgebiet in der 7-Tage-Vorhersage des Dänischen Meteorologischen Instituts (DMI) am Donnerstag, 2. Dezember, um 10.30 Uhr verwendet.

Am frühen Freitag, 3. Dezember, verschlechterte sich die Lage weiter. Das Tief verstärkte sich explosionsartig. Innerhalb von 12 Stunden sank der Druck im Zentrum des Tiefs von 996 Hektopascal (hPa) auf 958 hPa, während es in die zentrale Nordsee zog.

Spitzenwindgeschwindigkeit auf Röm

Der Orkan nahm ab dem Nachmittag an Fahrt auf. Bereits um 16 Uhr meldete Blåvand Windstärken um 40 m/s (144 km/h). Zwei Stunden später registrierte man auf Röm (Rømø) eine Böe von 50 Metern pro Sekunde (180 km/h). An diesem Abend wurde auf der Insel dann die schwerste Böe des Orkans gemessen – 51 m/s.

Kleineren Schiffen wurde bereits am Vormittag empfohlen, zeitnah einen Hafen anzulaufen. Bus-, Zug- und Flugverkehr wurden zum Nachmittag eingestellt, die Polizei riet von allen unnötigen Fahrten ab.

Zwischen 17 und 19 Uhr wurden an der gesamten Westküste Jütlands von Hvide Sande in Richtung Süden Winde in Orkanstärke (über 33 m/s oder 119 km/h) gemessen. Der stärkste mittlere Wind über Land (38 m/s bzw. 137 km/h) wurde um 18 Uhr auf Röm festgestellt.

Hohe Wasserstände an der Westküste

Mit dem Wind kam auch das Wasser. An der Westküste wurden zum Höhepunkt zwischen 18 und 19 Uhr Rekordstände gemessen. Der Wasserstand stieg ab Freitagmittag und in den folgenden sechs Stunden stetig an. Die Winde drückten insgesamt 3,5 Meter Wasser ins Wattenmeer und brachten den Wasserstand auf 4 bis 4,5 Meter über dem Gezeitenstand. In Ripen (Ribe) erhöhte der Sturm den Wasserstand um 5,12 Meter. Auch in Nordschleswig wurden an der Schleuse in Hoyer (Højer) 4,53 Meter gemessen, in Ballum 4,35 Meter und in Havneby auf Röm 3,56 Meter.

Große Waldflächen gerodet

In den Tagen nach dem Orkan wurde das Ausmaß der Schäden deutlich. Besonders in den Wäldern gingen 4 Millionen Kubikmeter Bäume verloren. Südjütland machte dabei mehr als die Hälfte aus, nämlich 2,55 Millionen Kubikmeter. Davon gingen 2,3 Millionen Kubikmeter Nadelwald verloren. Den Rest machte Laubwald aus. Besonders schwer wurde Nordschleswig getroffen.

Große Schäden

Umgestürzte Bäume waren auch der Grund dafür, dass der Zugverkehr nach dem Orkan mehrere Tage lang teilweise lahmgelegt war. Besonders betroffen war in Nordschleswig die Strecke zwischen Tingleff (Tinglev) und Sonderburg (Sønderborg).

Das Gleiche galt für viele kleinere Straßen. Unzählige Dächer, Häuser und andere Bauwerke stürzten ein, und mit ihnen kamen weitere Schäden, etwa beschädigte Autos. Der landesweit größte Schaden ereignete sich auf Fünen, wo auf der Lindø-Werft ein großer Portalkran umstürzte. Der Schaden betrug damals 200 Millionen Kronen.

In Nordschleswig waren 4.000 Haushalte zwischen Tondern (Tønder) und Ripen noch am 5. Dezember ohne Strom.

Traurige Sturmbilanz

Joan Wollertsen
Joan Wollertsen an ihrem Schreibtisch im Hause Sønderport 14 in Apenrade

Sieben Menschen kamen während des Sturms ums Leben, 800 wurden verletzt. Eine Tote gab es auch in Nordschleswig. Auf dem Campingplatz Gåsevig bei Hadersleben (Haderslev) wurde eine 56-jährige Frau aus Hannover vor ihrem Wohnmobil von einem umstürzenden Campingwagen erschlagen.

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