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„Grönland: Zuhören lernen als Widerstandskraft gegen Trump“

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Die Spannungen zwischen Dänemark und Grönland bieten dem US-Präsidenten Angriffsfläche. Es ist an Dänemark, eine Aussöhnung anzustreben, meint Walter Turnowsky. Ein erster Schritt wäre, sich von der Vorstellung der „guten“ Kolonialmacht zu verabschieden.

Donald Trump ist in einem gut: Er ist Experte darin, seine Finger in offene Wunden zu legen. Und offene Wunden gibt es in der Beziehung zwischen Dänemark und Grönland reichlich. 

Auch das war ein Grund dafür, dass er im vergangenen Jahr erneut den Wunsch äußerte, Grönland übernehmen zu wollen – und ihn jetzt mit erneuter Vehemenz wiederholt hat. Es geht ihm darum zu spalten.

Gegen diese Versuche gibt es vor allem eine wirksame Medizin: Dänemark muss sich ins Zeug legen, um zu versuchen, einige der Wunden zu heilen. Ganz zentral dabei ist, dass man sich endlich von der Vorstellung verabschiedet, Dänemark sei die „gute“ Kolonialmacht in Grönland gewesen. 

Dänemark ist schlicht und ergreifend Kolonialmacht gewesen und hat als solche Übergriffe auf die Menschen in Grönland begangen. Dies sollten sich Entscheidungstragende wie Bevölkerung endlich eingestehen, denn dann wird eine Aussöhnung möglich. 

Zögerliche Eingeständnisse von Unrecht

Gewiss, es hat in der vergangenen Zeit Initiativen in diese Richtung gegeben. So hat Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) sich für das zwangsweise Einsetzen von Spiralen entschuldigt und seither den betroffenen Frauen auch eine Entschädigung zugesichert. 

Doch diese Initiativen kommen fast immer zu spät und häufig unter Druck. Es hat einen Bericht gebraucht, bevor Frederiksens Entschuldigung kam. In der Zwischenzeit hatten 143 der Frauen den dänischen Staat auf Schadenersatz verklagt. 

Wer den Berichten der betroffenen Frauen zugehört hat, konnte wissen, welches Unrecht Dänemark ihnen angetan hat. Doch genau mit dem Zuhören hapert es immer wieder. Die Spiralenaffäre ist in dieser Beziehung kein Einzelfall.

Gemeinsam den Weg in die Selbstständigkeit gehen

Auch wenn es um die Frage eines selbstständigen Grönlands geht, zahlt es sich aus, genau hinzuhören. Es geht den Menschen in Grönland nicht um eine Abkehr von Dänemark. Es geht vornehmlich um den Wunsch, Frau und Herr im eigenen Haus zu sein.  

Und eine große Mehrheit hat diesen Wunsch. Wenn wir als Bürgerinnen und Bürger in Dänemark dies endlich als Tatsache akzeptieren, kann sich auch die Diskussion darüber entspannen. 

Grönland wird kaum von heute auf morgen ein eigenständiger Staat werden. Doch der konstruktive Ansatz ist von dänischer Seite zu sagen: Lasst uns gemeinsam diesen Weg gehen und die Grundlage dafür bilden, dass Grönland auf eigenen Beinen stehen kann. Das umfasst selbstverständlich auch eine Diskussion darüber, wie die notwendigen Sicherheitsgarantien geschaffen werden können, damit ein eigenständiges Kalaallit Nunaat nicht zwischen den Großmächten zerrieben wird. 

Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass all dies großen Eindruck auf den Wüterich im Weißen Haus machen würde. Seine Chancen zu spalten, wären jedoch geringer. 

Walter Turnowsky wird Freitagmorgen bei der Neujahrstagung des BDN in Sankelmark einen Vortrag über Grönland auf dem Weg in die Selbstständigkeit halten