Diese Woche in Kopenhagen

„Ein Jahr nach dem Thronwechsel: Der König sonnt sich in hohen Popularitätswerten“

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Die dänische Monarchie ist populär wie nie. Das kann man von den Vertreterinnen und Vertretern der Demokratie nicht unbedingt sagen. Aber monarchieren ist nun mal auch einfacher als regieren, meint Walter Turnowsky.

Wo König Frederik recht hat, hat er recht. Und das mit dem Rechthaben war in seiner ersten Neujahrsrede der Fall. Da sagte er zum Abschluss: „Mary und ich hätten uns keinen besseren Start als Königspaar wünschen können.“

Der Start dieses Startes war bekanntlich der 14. Januar des vergangenen Jahres, als er auf den Balkon von Christiansborg trat, Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) ihn als den neuen König ausrief und die Menschenmenge jubelte. Anlässlich des Jahrestages hat er Aufnahmen von den Sekunden davor auf Instagram geteilt.

Steigende Unterstützung für das Königshaus

Seither ist es für ihn und die Königin eigentlich nur aufwärts gegangen. Wie ich im vergangenen Jahr kurz vor seinem Dienstantritt schrieb, muss man die Gegnerinnen und Gegner der dänischen Monarchie fast schon als vom Aussterben bedrohte Art einstufen.

Seither ist diese Bedrohung nur noch größer geworden. Damals gaben 70 Prozent der Befragten in einer „DR“-Umfrage an, sie würden das Königshaus unterstützen. Das war unmittelbar bevor Frederiks Mama in ihrer letzten Neujahrssprache bekanntgab, dass sie zurücktreten werde. In einer entsprechenden Umfrage von „DR“ ein Jahr später war die Unterstützung auf 75 Prozent gestiegen.

Die steigende Unterstützung hat nichts damit zu tun, dass die Bevölkerung Margrethe II. überdrüssig war und sie loswerden wollte. Im Gegenteil: Ihre Popularität ist seither von bereits beachtlichen 84 Prozent auf 88 Prozent gestiegen. Da müssen also rein rechnerisch sogar einige der 14 Prozent noch verbliebenen Republikanerinnen und Republikaner dabei sein.

Mit jeweils 85 Prozent brauchen sich auch König Frederik und Königin Mary nicht zu verstecken.

Das negative Kabinett

Von solchen Werten kann Mettes Regierungsmannschaft noch nicht einmal träumen. Zumindest wären es gegebenenfalls Träume, über die Psychologinnen und Psychologen so einiges sagen könnten.

Nehmen wir, um ein zufälliges Beispiel zu wählen, die aus Lügumkloster stammende Venstre-Vize Stephanie Lose. In einer „DR“-Umfrage vom Dezember erreicht sie einen Popularitätswert von 8 Prozent. Dabei ist es nicht so, dass sie damit besonders schlecht liegt. Im Gegenteil: Sie ist die populärste der SVM-Ministerriege.

Ihr Parteichef, Troels Lund Poulsen, liegt mit -2 Prozent bereits im negativen Bereich. Was Negativität angeht, wird er noch deutlich von der sozialdemokratischen Parteichefin geschlagen. Staatsministerin Mette Frederiksen landet bei -13 Prozent.

Dabei bedroht sie derzeit jedoch in keiner Weise die Schlusslicht-Position des Moderaten-Parteichefs Lars Løkke Rasmussen. -35 Prozent sind schon fast wieder eine Leistung. Løkke müsste ganze 120 Prozentpunkte wettmachen, um so populär wie das Königspaar zu werden.

Nun muss man auch ihm und dem übrigen Kabinett zugutehalten, dass sie schließlich regieren müssen – und mit der Regiererei macht man sich eben nicht nur Freundinnen und Freunde. Da hat es Frederik leichter: Obwohl er Regent ist, braucht er nicht zu regieren. Das wurde vor fast 125 Jahren abgeschafft, weil das mit der Demokratie nicht so richtig vereinbar ist.

Ich möchte daher ein weiteres Mal festhalten, dass die Politikerinnen und Politiker deutlich besser sind als ihr Ruf. Bei negativen Popularitätswerten ist das dann allerdings wiederum auch keine große Kunst.