Natur

Trotz Verbotsdebatte: Wieder Muschelfischer auf der Flensburger Förde unterwegs

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Ein Bild, das 2022 bei klarerem Wetter aufgenommen wurde: Die „Thyra“ auf der Flensburger Förde.

Naturschützerinnen und Naturschützer fordern, dass die Regierung in Kopenhagen ihrer Ankündigung endlich Taten folgen lässt. Auch auf deutscher Seite wäre die umstrittene Schleppnetz-Fischerei theoretisch möglich.

Im Januarnebel auf der Flensburger Förde war er am Montag vom deutschen Ufer aus gar nicht zu sehen. Aber der Muschelkutter „Thyra“ war da und drehte vor den Ochseninseln seine Runden. Zu verfolgen auf einschlägigen Schiffstracking-Apps wie „Vesselfinder“.

Das 16 Meter lange dänische Fischereiboot ist in den vergangenen Jahren immer wieder mal auf der Förde aufgetaucht – sehr zum Unmut von Naturschützerinnen und Naturschützern beiderseits der Grenze. Stephan Thomsen vom Unterwasser-Team Flensburg hat schon vor einer Woche darauf hingewiesen, dass die „Thyra“ wieder unterwegs ist.

An der Kante von Flachwasser und Tiefwasser vor den Ochseninseln haben Miesmuscheln besonders gute Wachstumsbedingungen. Eigentlich. Doch durch die Schleppnetz-Fischerei, so der Vorwurf, wird das Ökosystem Förde nachhaltig beschädigt. Auch der Fischereiverein Flensburg hat die langjährige Wildmuschelfischerei dafür mitverantwortlich gemacht, dass die Fangerträge in der Förde über viele Jahre zurückgegangen sind. Wichtige Schutz- und Jagdbereiche der Fische seien verloren gegangen.

Verbot in Flensburg seit 2018

Im deutschen Teil der Flensburger Förde findet schon seit 2018 keine Muschelfischerei mehr statt. Seinerzeit hatte die Stadt Flensburg für den Teil der Förde, der zum Stadtgebiet gehört, entschieden, grundsätzlich keine Genehmigungen für Schleppnetz-Fischerei mehr zu erteilen. Der letzte Antragsteller, die Firma Royal Frysk aus Nordfriesland, hatte daraufhin auch auf die Muschelfischerei auf dem Gebiet des Kreises Schleswig-Flensburg verzichtet.

Auf der dänischen Seite aber sind Schleppnetz-Fischerboote wie die „Thyra“ nach wie vor unterwegs. Dabei hatte sich die Regierung und weitere Parteien in Kopenhagen schon im Sommer 2023 auf ein Verbot geeinigt, wie es in vielen anderen Bereichen an der dänischen Ostseeküste längst gilt.

Druck auch von der Kommune Apenrade

Doch dieses Verbot ist nach wie vor nicht in Kraft getreten. Es soll in den kommenden Monaten greifen. Einen genauen Termin gibt es aber noch nicht. Im vergangenen Dezember hatte der Flensburger SSW-Landtagsabgeordnete Christian Dirschauer beim dänischen Fischereiministerium nachgefragt. Auch der Bürgermeister der Kommune Apenrade, Jan Riber Jakobsen, hatte entsprechend Druck gemacht.

Nach einem Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern des dänischen Fischereiverbands rechnet Dirschauer damit, dass das Verbot innerhalb der nächsten sechs Monate in Kraft tritt. „Es ist bedauerlich, dass sich das so lange hinzieht“, sagt der SSW-Politiker.

Gleichzeitig fordert er die schleswig-holsteinische Landesregierung auf, ebenfalls ein Verbot zu erlassen. Derzeit ist offen, wie die Behörden entscheiden würden, wenn ein Fischereiunternehmen eine Befreiung vom Biotopschutz in der Förde beantragen würde. Bis jetzt verweist der Kieler Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) lediglich darauf, dass die ökologische Relevanz der Miesmuschelbänke in der Förde im Rahmen einer möglichen Antragsprüfung „angemessen berücksichtigt“ würde.