Final Four

Handballerinnen richten sich nicht nach Drei-Jahres-Plan

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Die Truppe um Trainer Peter Nielsen hat die bisherigen Erwartungen übertroffen.

SønderjyskE hat sich bis zu den Spitzenmannschaften im Frauenhandball durchgeschlagen. Warum das so schnell ging, weiß der Vorsitzende.

Seit über 20 Jahren ist Hans Henrik Damgaard Vorsitzender für den Frauenhandball bei SønderjyskE. Am Wochenende erwartet ihn das absolute Highlight in der Vereinsgeschichte: Sein Klub hat erstmals das Final Four im Pokalwettbewerb erreicht.

„Das ist riesig für uns – das hat in Handball-Nordschleswig noch niemand vor uns geschafft“, jubelt Hans Henrik Damgaard vor dem Halbfinale gegen Odense am Sonnabend.

Viele Jahre befand sich SønderjyskE wie im Fahrstuhl: Es ging zwischen der 1. Division und der Liga immer wieder auf und ab. Seit dem jüngsten Aufstieg in die beste Handballklasse haben sich die Handballerinnen aus Apenrade nun in der Liga fest etabliert.

In der vorigen Spielzeit zogen die Hellblauen erstmals in die Endrunde ein und landeten sogar unter den Top 6 in Dänemark – in einer der weltbesten Handballligen.

Drei-Jahres-Plan überholt

Der Klub hat im Sommer dieses Jahres einen neuen Drei-Jahres-Plan präsentiert. Das neue Ziel: sich in der Liga etablieren und in einigen Jahren den Einzug ins Final Four des Pokalwettbewerbs oder der Liga erreichen.

„Wir sind sportlich unserem Plan voraus – und auch weiter, als es unsere Finanzen eigentlich erlauben. Wir bekommen derzeit sehr viel Leistung für unser Geld“, freut sich Hans Henrik Damgaard.

Neue Ziele kommen für ihn aber nicht infrage. Der Klub bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden, und der bisherige Pokalerfolg lässt den Vorsitzenden nicht abheben:

„Wir haben nicht die finanziellen Mittel für mehr. Obwohl wir ein größeres Budget haben als früher, können wir eigentlich nicht mit den anderen Topclubs mithalten. Wir haben immer gesagt, dass wir den Sport bekommen, den wir uns leisten können. Jetzt bekommen wir eben ein wenig mehr, aber das ist in Zukunft keine Selbstverständlichkeit.“

Erfolg: Viele Faktoren kommen zusammen

Hans Henrik Damgaard würde am Wochenende seinen Trainer Peter Nielsen gerne wieder im Jubelrausch erleben.

Dass es jetzt gerade so funktioniert, hängt laut Damgaard damit zusammen, dass die Spielerinnen über sich hinausgewachsen sind, dass das Trainerteam um Peter Nielsen gute Arbeit verrichtet und dass das ganze Umfeld im Verein mitzieht.

„Es erfüllt mich mit Stolz, und ich freue mich nicht nur für das Team, sondern auch für die vielen Menschen, die sich im Klub einsetzen und dies jetzt erleben dürfen“, so der Vorsitzende.

Die Anmeldungen zeigen, dass sich Sonnabend rund 300 Fans auf den Weg nach Silkeborg machen werden – dazu kommen noch weitere Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich auf eigene Faust in die Jysk Arena begeben.

Kooperation ist Teil des Erfolgs

Auch die Zusammenarbeit im Sport-Zusammenschluss SønderjyskE – früher mit Fußball, Eishockey und Männerhandball, heute nur noch mit Eishockey – hat einen positiven Effekt auf den Frauenhandball gehabt.

„Ohne diese Zusammenarbeit stünden wir heute nicht hier. Wir haben sehr von der Kooperation und der professionellen Organisation SønderjyskE profitiert“, sagt Damgaard, der bedauert, dass erst der Fußball und danach der Männerhandball in Sonderburg (Sønderborg) eigene Wege gegangen sind.

„Wir haben gesagt, dass wir zu SønderjyskE stehen, aber ich kann nicht versprechen, was in Zukunft passieren wird. Was vor 20 Jahren gut und richtig war – und die SønderjyskE-Konstellation war fantastisch – muss in Zukunft nicht das Richtige sein“, erklärt der Handball-Chef.

Interesse von Agenten und Sponsoren

Hans Henrik Damgaard freut sich über die Teilnahme am Final Four – bleibt aber mit beiden Füßen am Boden.

Auch von anderer Seite spürt Damgaard ein größeres Interesse.

„Wir haben Anfragen von Sponsoren, die mitbekommen haben, dass da gerade bei uns etwas Großes läuft. Wir sind beim Final Four mit dabei und überhaupt werden unsere Spiele jetzt öfter vom Fernsehen übertragen. Das sorgt für mehr Aufmerksamkeit“, so der Vorsitzende. „Und die brauchen wir, denn die Finanzen sind bei uns immer die größte Herausforderung.“

Aber nicht nur Sponsoren finden den Klub attraktiver als früher.

„Wir wissen von unserem Trainerteam, dass wir immer öfter von Agenten angesprochen werden. Sie bieten uns heute Spielerinnen von einem ganz anderen Kaliber an als früher. Das zeigt, dass wir ein attraktiver Verein geworden sind“, sagt Hans Henrik Damgaard.

Träume vom Realismus eingeholt

Und wovon träumt er, wenn er an das Final-Four-Turnier am Sonnabend denkt? Auch da bleibt Damgaard realistisch:

„Der Trainer wird euch sagen, dass es das Ziel ist, den ganzen Weg zu gehen und den Pokal zu gewinnen. Ich glaube, dass es realistisch ist, dass wir Dritter werden. Aber das wäre auch ein Riesenerfolg für uns.“

Das Halbfinale von SønderjyskE am Sonnabend gegen Odense wird im dänischen Fernsehen übertragen. Im zweiten Halbfinale treffen Esbjerg und Silkeborg/Voel aufeinander. Sonntag stehen die beiden Gewinnerinnen im Finale, während die Verliererinnen um den 3. Platz spielen.