Final Four

Das bedeutet der Erfolg der Handballerinnen für Apenrade

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Gibt es am Wochenende bei SønderjyskE wieder Grund zum Jubeln? Die Handballerinnen stehen im Final Four des Pokalwettbewerbs.

Aushängeschild: Die Handballerinnen von SønderjyskE haben sich zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte für das Final Four im Pokalwettbewerb qualifiziert. Das kommt Apenrade zugute.

Erstmals haben sich die Handballerinnen von SønderjyskE für die Endrunde im dänischen Pokalwettbewerb qualifiziert. Das Final Four der Frauen findet am 28. und 29. Dezember dieses Jahres in Silkeborg statt. Am Sonnabend treffen die Apenraderinnen im Halbfinale auf Odense, und am Sonntag winkt entweder das Finale oder das Spiel um den 3. Platz gegen Silkeborg/Voel oder Esbjerg.

Der Erfolg des Vereins hat auch eine große Bedeutung für Apenrade. Das ist zumindest der Tenor der Stimmen, die wir vor dem Pokalwochenende eingeholt haben. Der Bürgermeister ist stolz, die Wirtschaftsdirektorin sieht das Final Four als Chance, der „sportverrückte“ Sponsor freut sich für das gesamte Team – ob auf oder neben dem Spielfeld – und die Fanklub-Vorsitzende hofft auf eine volle Hütte in der Zukunft.

Bürgermeister: „Ich bin super stolz“

Bürgermeister Jan Riber Jakobsen ist früher in der Handballliga als Schiedsrichter unterwegs gewesen – er traut SønderjyskE eine Überraschung zu.

Apenrades Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Kons.) wird am Wochenende unter den Zuschauerinnen und Zuschauern in der Jysk Arena in Silkeborg sein, wenn „seine“ Handballerinnen im Final Four stehen.

„Es bedeutet viel für Sønderjylland, dass wir eine Mannschaft haben, die oben mitspielt. Wir können uns als Stadt auch über den Handball vermarkten“, sagt der Bürgermeister, der verraten kann, dass die Kommune Apenrade die Handballerinnen auch in Zukunft finanziell unterstützen wird.

„Darüber hinaus ist es wichtig, dass wir eine attraktive Stadt sind, mit guten Ausbildungsmöglichkeiten, denn viele der jungen Spielerinnen wollen neben ihrem Handball-Dasein auch studieren“, erklärt Jakobsen.

Die Stadt stehe hinter dem Verein – das gelte für die Kommune, das Publikum und die Wirtschaft, so Jan Riber Jakobsen. Aber natürlich geht auch mehr.

„Man wünscht sich natürlich immer eine volle Halle, aber die Entwicklung der vergangenen Jahre ist positiv“, sagt der frühere Top-Schiedsrichter und Handball-Kenner – er glaubt am Wochenende an eine Überraschung.

„Es ist die beste Mannschaft, die wir seit Langem gehabt haben, und der Verein macht gute Arbeit. Ich glaube, wir können an einem guten Tag gegen Odense überraschen – aber im Finale wäre Esbjerg dann eine Übermacht“, sagt Jan Riber Jakobsen. „Ich bin super stolz, dass SønderjyskE so weit gekommen ist.“

SønderjyskE als Aushängeschild

Charlotte Hyllebjerg ist Direktorin von Business Aabenraa, hat aber jahrelang selbst in der dritthöchsten Spielklasse Handball gespielt, damals noch, als die ersten Kooperationsversuche in der Region gemacht wurden. Heute engagiert sie sich weiterhin im Verein, bei den Sønderjyske Kidz und ist ein großer Fan des Klubs.

Charlotte Hylleberg ist Wirtschaftsdirektorin bei Business Aabenraa und nebenbei Vorsitzende bei den SønderjyskE Kidz.

„Es hat schon eine große Bedeutung, wenn man als Stadt Flagge zeigen kann – ob im Sport oder in der Kultur. Wir brauchen Vorbilder für die jungen Menschen“, sagte Hyllebjerg und weist auf die neugebackenen Nationalspielerinnen Sarah Poulsen und Olivia Simonsen hin, die in diesem Jahr ihr Debüt in Rot und Weiß hatten.

Aus der Stadt und aus Business-Kreisen sei die Unterstützung groß, aber es ginge noch mehr, meint sie.

„Ich hoffe, dass sich jetzt mit dem Einzug ins Final Four noch mehr Unternehmen und Publikum hinter SønderjyskE stellen und sich für den Verein engagieren“, sagt Charlotte Hylleberg.

Emotionen live und hautnah erleben

Stema-Direktor Rolf Bonnichsen ist sowohl Sponsor als auch Fan. „Die Qualifikation für das Final Four bedeutet richtig viel. Das ist eine Riesen-Belohnung für Mannschaft und Trainer und nicht zuletzt für alle diejenigen, die hinter dem Team stehen: Vorstand, Sponsoren, Freiwillige und Fans. Der Einsatz, der Wille und der Glaube an das Unmögliche sind eine Inspiration für viele, auch in anderen Bereichen“, findet er.

Bonnichsen hält es zudem für wichtig, dass Apenrade in der Medienlandschaft wieder erwähnt wird. Das passiere abgesehen von der Jahrhundertsturmflut und den Veranstaltungen zur 100-Jahr-Feier der Angliederung Nordschleswigs an Dänemark ja zu selten.

Rolf Bonnichsen und seine ganze Familie sind „sportverrückt“, wie er selbst sagt. Dennoch wird er beim Final Four in Silkeborg nicht in der Halle sein. „Tochter und Schwiegersohn sind derzeit zu Besuch. Sie leben und arbeiten in den USA. Wir werden die Spiele aber am Fernseher verfolgen“, verspricht er.

Rolf Bonnichsen ist bei dem Unternehmen Stema Mibau Direktor für den dänischen Markt.

Ansonsten ist er bei den Heimspielen von SønderjyskEs Handballerinnen, sooft es geht, live in der Halle dabei – „und zwar aus Lust und nicht aus einem Pflichtgefühl heraus. Ich finde es sogar ein wenig enttäuschend, dass die Handballerinnen nicht mehr Unterstützung erfahren. Bei Olympischen Spielen sitzen die Leute wie angeklebt vor den Fernsehgeräten, um Sportarten zu verfolgen, von denen sie vorher teilweise noch nie gehört haben. Dabei hätten sie quasi vor der eigenen Haustür die Gelegenheit, aufrichtige Freude, Enttäuschung und nicht zuletzt die tolle Energie einer Mannschaft hautnah zu erleben“, sagt der Stema-Boss, der deshalb nur allen raten kann: „Leg’ die Fernbedienung deines Fernsehgerätes zur Seite, erheb’ dich vom Sofa und komm’ in die Halle. In der Apenrader Arena haben wir eine einzigartige Gelegenheit, eine Gemeinschaft aufzubauen. Es ist Platz genug für viele.“

Für ihn persönlich weckt das besondere Duftgemenge in einer Sporthalle (O-Ton Bonnichsen: „müffelnde Sportschuhe und Cowboytoast“) stets beste Erinnerungen – auch an seine eigenen aktiven Tage als Handballer des SC Saxburg/Bülderup.

Final-Four-Teilnahme als Chance

Ninette Frost Carstensen und ihr Mann Bent sind passionierte Fans der Handballerinnen von SønderjyskE. Bei jedem Heim- und Auswärtsspiel sind sie dabei, um ihre Mannschaft anzufeuern. Bent ist dabei besonders lautstark. Er ist einer von zwei Trommlern des offiziellen Fanklubs, dessen Vorsitzende seine Frau Ninette übrigens ist.

Auf die Frage, ob der Fanklub einen Anteil an der Qualifikation für das Final Four hat, beantwortet Ninette Frost Carstensen mit einem ganz klaren Ja. Darüber muss sie selbst lachen. „Das klingt vielleicht ein bisschen kess, aber wir waren bei allen Spielen dabei, auch bei Spielen, bei denen unser Team haushoher Favorit war. Ich denke, dass das auch die Mädels angetrieben hat, nicht nachlässig zu werden“, fügt die Fanklubvorsitzende erläuternd hinzu.

Ninette und Bent Carstensen werden selbstverständlich in Silkeborg auch dabei sein. Sie fahren jedoch nicht in den eingesetzten Fanbussen mit, obwohl die Fahrt sicherlich schon allein ein tolles Erlebnis wird. Über die SønderjyskE-Homepage sollen sich 240 bis 250 Personen Tickets für die beiden Spieltage in Silkeborg besorgt haben, lautet zumindest Ninettes Informationsstand.

Ninette und Bent Carstensen haben in ihrer Wohnung ein Zimmer komplett für ihr Fan-Equipment abgestellt.

Die Carstensens reisen indes im Privatauto an und übernachten in einer Hütte einer Jugendherberge in der Nähe von Silkeborg. „Es wäre einfach zu umständlich, am Sonnabend unser ganzes Equipment in Apenrade im Bus zu verstauen, in Silkeborg wieder herauszuholen, um es dann nach dem Spiel erneut im Bus zu verstauen, in Apenrade dann wieder herauszuholen, um das Ganze dann am Sonntag zu wiederholen“, erzählen die Eheleute.

Da das Ticket für das Final Four relativ kurzfristig gelöst wurde, konnte der Fanklub nichts großartig Neues auf die Beine stellen. „Wir haben zudem auch nicht unendlich viel Geld. Wir haben aber eigens für das Final Four einen besonderen Schal bestellt, mit dem entsprechenden Datum. Man hat uns versprochen, dass die Lieferung rechtzeitig kommt. Dafür drücken wir ganz fest die Daumen“, sagt Ninette Frost Carstensen.

Die Spiele des Final Fours werden live im Fernsehen übertragen. Als Vorsitzende des Fanklubs freut sie sich, dass die Handballerinnen etwas mehr ins Rampenlicht gerückt werden. „Vielleicht werden so auch mehr Leute aus Nordschleswig darauf aufmerksam, dass wir in Apenrade ein ganz tolles Frauenhandballteam haben. – Ein Sponsor hatte vor einiger Zeit ein großes Kartenkontingent erstanden, die er in der Fußgängerzone kostenlos an Passantinnen und Passanten verteilte. Erschreckenderweise wussten selbst Einwohnende Apenrades nicht, dass es eine hochklassige Frauenmannschaft in der Stadt gibt. Die Final-Four-Teilnahme ist daher auch eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen“, ist Ninette Frost überzeugt.

Das Halbfinale von SønderjyskE am Sonnabend gegen Odense wird im dänischen Fernsehen übertragen. Im zweiten Halbfinale treffen Esbjerg und Silkeborg/Voel aufeinander. Sonntag stehen die beiden Gewinnerinnen im Finale, während die Verliererinnen um den 3. Platz spielen.

Die beiden SønderjyskE-Superfans haben eine imposante Sammlung von sogenannten „matchworn“ Spieltrikots, also Trikots, die von Spielerinnen getragen wurden – je mehr Gebrauchsspuren, umso besser.