Eishockey

Sønderjyske Ishockey: „Wir machen den Laden nicht dicht“

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Mogens Kastbjerg ist seit dem 1. Juli Direktor von Sønderjyske Ishockey.

Sportlich und finanziell läuft es beim dänischen Eishockeymeister von 2024 alles andere als optimal. Der neue Direktor spricht im „Nordschleswiger“-Interview über eine neue Strategie, die sportlichen Ziele für die nächsten Jahre, die Trainerfrage und auch über die Einstellung eines neuen Sportchefs.

Es ist nur anderthalb Jahre her, dass die Eishockeyspieler von Sønderjyske mit dem Gewinn des dänischen Meistertitels wieder den Thron erklimmen konnten, auf dem sie von 2006 bis 2015 mit sechs Meistertiteln saßen. Doch der Glanz ist mittlerweile verflogen.

2025 kam Sønderjyske Ishockey aus den Schlagzeilen gar nicht heraus. Ein geklautes Pokalfinale, ein mit Stresssymptomen krankgeschriebener Cheftrainer, ein existenzbedrohendes Defizit, eine Trennung von Sønderjysk Elitesport, neue Eigentümer, neue Führungskräfte, eine sportliche Enttäuschung mit Platz sieben und ein frühes Aus im Playoff-Viertelfinale sowie eine Trennung von Meistertrainer Anders Førster. 

Steuerfall hat keine Bedeutung für den täglichen Betrieb

Mit diesem Rucksack und der Hoffnung auf einen Neuanfang ging es in die neue Saison, doch es gab weitere Negativschlagzeilen mit der Entlassung von Sportchef Klaus Rasmussen, einem Steuerfall und einer sportlichen Talfahrt. Die Entscheidung im Steuerfall, der eine Nachzahlung in Millionenhöhe bedeuten könnte, lässt auf sich warten, doch die Vereinsführung versichert, dass auch weiterhin in Woyens Eishockey auf höchstem Niveau gespielt wird.

„Wir wissen es nicht, wann eine Entscheidung fällt, aber egal, wie der Fall ausgeht, wird es keine Bedeutung für den täglichen Betrieb haben. Es würde im Negativfall nur länger dauern bis wir unsere Ziele erreichen, aber wir machen den Laden nicht dicht“, sagt Mogens Kastbjerg zum „Nordschleswiger“.

Der Sønderjyske-Direktor gehört neben Kjeld Breum Søberg von VVS Søberg, Jesper Chrestensen vom Bauunternehmen Otto Chrestensen A/S, Anders Sørensen von AS Tømrer und dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden von Sønderjyske Fodbold, Gynther Kohls von Minko Invest, zum Investorenkreis, der noch erweitert werden soll.

Zu selten gab es in der laufenden Saison Grund zum Jubeln.

„Wir suchen noch ein paar weitere Investoren, aber nicht als Rettungsring. Wir wollen die Last auf mehreren Schultern verteilen, weil mehrere Schultern besser tragen“, sagt Mogens Kastbjerg.

Sønderjyske wird neuen Sportchef holen

Die wirtschaftliche Lage ist weiterhin angespannt, und dies war auch einer der Gründe für die Entlassung von Sportchef Klaus Rasmussen Anfang Oktober, die aber auch mit einer neuen strategischen Ausrichtung begründet wurde. Zur neuen Strategie gehört es auch, einen neuen Sportchef an Bord zu holen, der den Titel „General Manager“ bekommen wird – mit einem neuen Aufgabenbereich.

„Wir legen noch letzte Hand an unsere Strategie für die nächsten drei bis fünf Jahre, haben aber am Mittwochabend schon einen Teil der Hauptpunkte vorgestellt. Die beiden Assistenztrainer der Liga-Mannschaft (derzeit Erik Vikström und Lars Foder, Anm. d. Red.) werden ab der kommenden Saison auch Cheftrainer der U18- und der Divisions-Mannschaft sein. Und wir werden einen General Manager holen, der einen breiteren Aufgabenbereich haben wird, von den Ältesten von Vojens IK bis zur Liga-Mannschaft. Wir erwarten uns davon, dass wir VIK und Sønderjyske enger zusammenbinden“, so der Direktor, der bereits eine „Short List“ für diese neue Rolle hat. Konkret ist noch nichts, aber der neue General Manager soll bereits im Laufe der Saison gefunden werden.

„Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es Sinn ergibt, eine Person in der Sportchefrolle zu haben“, sagt Kastbjerg, der eine fast völlig neue Organisation aufgebaut hat: „Wir haben uns von fast 100 Jahren Erfahrung verabschiedet und sind erst dabei, als Organisation Fuß zu fassen. Wir hatten mitunter das Gefühl, ständig fünf Minuten hinterher zu sein.“

Trainerentlassung ist kein Thema

Sønderjyske Ishockey hat auch Mentaltrainer Tommy Schröter angeheuert, um das Potenzial der Mannschaft auszuschöpfen, aber andere Änderungen soll es in der sportlichen Leitung nicht geben. Cheftrainer Casper Stockfisch steht nach der wochenlangen Talfahrt bei vielen Fans massiv in der Kritik, doch der Direktor stärkt dem Trainer den Rücken.

„Wir haben ständig über Geduld mit dieser jungen Mannschaft gesprochen. Wir arbeiten knallhart daran, dass wir bis zu den Playoffs auf 100 Prozent sind. Wir sind uns in der Eigentümergruppe einig, und das habe ich auch am Dienstag vor Sponsoren gesagt, dass es für uns jetzt kein Thema ist, dass Casper nicht mehr Cheftrainer der Mannschaft sein soll“, unterstreicht Mogens Kastbjerg.

Cheftrainer Casper Stockfisch steht laut Mogens Kastbjerg nicht zur Diskussion.

Sønderjyske steht derzeit auf dem drittletzten Tabellenplatz. Der Abstand nach oben ist weitaus größer als nach unten, doch von einer Zwischensaison will er keine Rede hören.

„Von einer Zwischensaison zu sprechen, können wir uns nicht erlauben. Wir sehen uns nicht dort, wo wir jetzt in der Tabelle stehen. Unser Kader ist besser als das. Wir sind vom Spieleretat nicht weit von dem der Vorsaison entfernt, müssen aber erkennen, dass wir eine junge Mannschaft haben, die noch Zeit braucht. Es ist nicht sicher, dass wir für die nächste Saison Top 4 als Vorgabe haben, wir werden aber eine Mannschaft haben, die in der Liga mithalten kann. Was das in Bezug auf Top 4 und Final 4 heißt, ist im November noch zu früh zu sagen“, meint der Sønderjyske-Direktor.

Mehr eigene Talente im Team

Nicht aus Not, sondern in erster Linie aus Lust will der finanziell angeschlagene Klub künftig verstärkt auf Eigengewächse setzen.

„Es ist Teil unserer Strategie, dass wir künftig mehr lokale Jungs in der ersten Mannschaft sehen“, sagt Kastbjerg und nennt nicht nur die Einstellung des neuen General Managers, sondern auch die Zusammenarbeit mit der Nachschule VGIE und das neue Ausbildungsangebot „HF Sport+“,  das gemeinsam mit dem „Talentcenter Haderslev“ entwickelt wurde, als Fundament für eine bessere Nachwuchsarbeit.

„Wir wollen auch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer in die Halle bringen“, so der Direktor, der zuletzt einen Publikumsrückgang hinnehmen musste: „Viele haben das Gefühl, dass es mehr ist, aber es sind im Schnitt 100 weniger als in den Jahren zuvor. Wir wollen jedoch zulegen und haben verschiedene Pläne, wie wir das machen.“

Dazu gehört der Familien-Sonntag, wo die Möglichkeit besteht, in der kleineren Eishalle Schlittschuh zu laufen, und der Business-Dienstag, wo Firmen eingeladen werden und u.a. die Möglichkeit haben Curling zu spielen.