Kommentar

„Sønderjyske Ishockey bewegt sich auf dünnem Eis“

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Mit Klaus Rasmussen verlässt die prägendste Figur der Sønderjyske-Geschichte die Bühne. Und ohne Sportchef macht sich der dänische Eishockeymeister von 2024 verwundbar. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Die wirtschaftliche Lage ist bei Sønderjyske Ishockey angespannt. Die Kapitalzufuhr der fünf lokalen Investoren, die seit April das Sagen haben, reicht nicht aus, um aus den roten Zahlen herauszukommen. 

Nach dem existenzbedrohenden Minus von 2,575 Millionen Kronen im Januar hat sich Mogens Kastbjerg ans Tischende gesetzt, mit der klaren Vorgabe, Geld zu sparen. Der neue Miteigentümer und Direktor dreht seit geraumer Zeit an allen Schrauben. Eine notwendige Übung, und er macht dabei anscheinend nirgendwo Halt.

Beispielsweise haben ehemalige Spieler, die für ihre mehr als 500 Spiele für den Verein belohnt wurden, ihre VIP-Karten abgeben müssen, langjährige Angestellte mussten gehen und nun ist auch eine Klublegende gefeuert worden. 

Spagat gemeistert

Die Entlassung von Klaus Rasmussen ist in erster Linie eine Sparmaßnahme, die in wirtschaftlicher Hinsicht vielleicht Sinn ergibt, aber ohne Sportchef macht sich der dänische Eishockeymeister von 2024 verwundbar.

Klaus Rasmussen hat mit seiner jahrelangen Erfahrung mehrmals den Spagat zwischen Direktor und Sportchef geschafft, doch die Frage ist, ob dies auch dem Neueinsteiger Mogens Kastbjerg gelingt? 

Vorstandsvorsitzender Kjeld Søberg führt an, dass ihm ein fachlich sehr kompetenter Casper Stockfisch zur Seite steht, doch hier stellt sich die Frage, wie lange das große Trainertalent noch da ist. Stockfisch hatte schon vor Saisonbeginn ein Angebot aus der Schweiz, und es wäre keine Überraschung, wenn er nach dieser Saison den Klub verlassen würde.

Das Gesicht von Sønderjyske

Und wo stünde Sønderjyske Ishockey dann? Die Eishockey-Fachkompetenz wäre eine Mangelware und lediglich bei Kim Lykkeskov und John Lund im Vorstand zu finden.

Die Entscheidung ist mutig oder riskant. Das ist Geschmacksache. Sønderjyske Ishockey bewegt sich zumindest auf dünnem Eis.

Der Klub verliert nicht nur einen Sportchef, sondern die prägendste Figur der Vereinsgeschichte. Klaus Rasmussen ist zwei Jahrzehnte lang das Gesicht von Sønderjyske gewesen. 

Er hat in den vergangenen Jahren Fehler gemacht, sein guter Ruf hat dadurch Kratzer bekommen. Nach dem Ausstieg der Fußballer hat er es versäumt, Sønderjysk Elitesport neu zu erfinden und sich rechtzeitig der neuen Realität anzupassen. Zudem trägt er letzten Endes die Verantwortung für die wirtschaftlichen Entscheidungen, die im Winter für dramatische Defizite im Eishockey und Handball sorgten.

Diese Fehler dürfen aber seine einzigartige Gesamtleistung nicht überschatten. 

Klaus Rasmussen hat Sønderjyske gelebt

Leistungssport war vor zwei Jahrzehnten in unserem Landesteil ein Fremdwort, die Kultur dafür war schlichtweg nicht vorhanden. Das hat sich geändert. Unter der Führung von Klaus Rasmussen wurde Sønderjyske im Fußball, Handball und Eishockey zu einer Marke, die landesweit hohe Anerkennung fand.  

Alle Sportarten spielten schon in Europa, zwei davon holten nationale Titel, eine davon sogar einen internationalen. Vier Liga-Mannschaften und vier neue Heimspielstätten. Davon konnte man vor zwei Jahrzehnten, als der gemeinsame Weg eingeschlagen wurde, nur träumen.

Es geht mit Klaus Rasmussen ein Mann, der mit viel Leidenschaft und großem Einsatz Sønderjyske gelebt hat.