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Expertise aus Nordschleswig bei Blaulicht-Projekt am Fehmarnbelt gefragt

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Arbeiten bei Katastrophen und Großlagen seit vielen Jahren zusammen: deutsche und dänische Einsatzkräfte.
Arbeiten im hiesigen Grenzland bei Katastrophen und Großlagen seit vielen Jahren zusammen: deutsche und dänische Einsatzkräfte.

Dänemark und Deutschland wachsen am Fehmarnbelt durch den Ostseetunnel enger zusammen. Das bringt neue Herausforderungen für die Rettungskräfte auf beiden Seiten der Grenze mit und erfordert eine bessere Zusammenarbeit, um bei Unfällen oder Katastrophen handlungsfähig zu sein. Das Projekt „Flashlight“ erfährt auch Unterstützung aus Nordschleswig.

Ein schwerer Unfall, ein Feuer oder ein medizinischer Notfall im Fehmarnbelt-Tunnel, aber auch eine neue Ostseesturmflut: Jedes Ereignis erfordert eine effektive und koordinierte Notfall- und Katastrophenreaktion. Um in der neuen Grenzregion am Fehmarnbelt die Sicherheit zu erhöhen, gibt es jetzt grünes Licht für ein neues deutsch-dänisches Sicherheitsprojekt – und Unterstützung aus dem hiesigen Grenzland.

Der Interreg-Ausschuss hat in dieser Woche rund 14,9 Millionen Kronen (2 Millionen Euro) an EU-Mitteln für das Projekt „Flashlight – Kommunikation und Gefahrenaufklärung“ freigegeben, um die Zusammenarbeit zwischen deutschen und dänischen Sicherheitsbehörden, Hochschulen und Kommunen vor Ort in der Fehmarnbeltregion zu stärken. Denn mit dem Bau der festen Verbindung entstehen neue Herausforderungen für Einsatzkräfte auf beiden Seiten der Grenze.

Intensive Zusammenarbeit im Grenzland

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass unsere Rettungsdienste in der Lage sind, schnell und effektiv zu handeln – über Sprachen, Kulturen und Systeme hinweg.

Kathrine Monsrud Ekelund

An der hiesigen deutsch-dänischen Grenze arbeiten Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, die sogenannten BOS-Einheiten, bereits seit Jahrzehnten zusammen. Das Interreg-Projekt „DanGer112“ hat die Zusammenarbeit über die Grenze zwischen Rettungsdiensten und Feuerwehren in den vergangenen Jahren nochmals intensiviert.

Im Juni startete etwa eine Testphase mit neuen Funkverbindungen, über die je nach Art des Einsatzes über die Grenze hinweg kommuniziert werden kann. Eine Schwachstelle im grenzüberschreitenden Einsatz war bislang die fehlende Kopplung der beiden staatlichen Funknetze. „DanGer112“ läuft noch bis Ende des Jahres.

Auch am Fehmarnbelt sollen Einsatzkräfte künftig optimal auf neue Szenarien vorbereitet werden. „Flashlight“ kombiniert daher klassische Einsatzübungen und realitätsnahe Trainingsszenarien mit Drohnen, Virtual Reality (VR) und Eye-Tracking. So sollen Trainingsprogramme weiterentwickelt und die Kommunikation zwischen Sicherheitskräften auf beiden Seiten des Fehmarnbelts verbessert werden. Auch das Verhalten in Stresssituationen kann so analysiert und gezielt trainiert werden.

Dabei wird auch die Unterstützung aus dem Grenzland nicht fehlen.

Expertise aus Nord- und Südschleswig gefragt

„Das Projekt ‚DanGer112‘ ist mit seinen Partnern als wichtiger Netzwerkpartner in das gestern genehmigte Projekt ‚Flashlight‘ eingebunden und wird seine Erfahrungen aktiv einbringen“, sagt der Leiter des Interreg-Sekretariats in Krusau (Kruså), Lewe Kuhn, auf Nachfrage des „Nordschleswigers“.

Er verweist auf den Projektantrag. Darin heißt es, dass durch das hiesige Interreg-Projekt umfassende Erfahrungen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Einsatzkräften gesammelt werden konnten – insbesondere im Umgang mit sprachlichen und kulturellen Herausforderungen.

Und weiter: Diese Expertise ist zentral für die Weiterentwicklung der VR-Trainingsumgebungen im Projekt ‚Flashlight‘, die der besseren Kommunikation und Zusammenarbeit im Ernstfall dienen. Darüber hinaus beteiligt sich ‚DanGer112‘ aktiv an der Planung und Durchführung von Großübungen sowie an der Öffentlichkeitsarbeit zur Stärkung des Bewusstseins für effiziente Notfallkommunikation.“

Kenneth Achner ist Projektleiter bei „DanGer112“ und Bereitschaftsinspekteur bei Brand og Redning Sønderjylland. Als Netzwerkpartner werden er und weitere Verantwortliche auf dem Laufenden gehalten und bei Bedarf einbezogen, erklärt er unserer Redaktion. Da es sich um ein akademisches Forschungsprojekt handelt, können wir zum Beispiel zu den empirischen Daten des Projekts beitragen und hoffentlich von den Erkenntnissen und Ergebnissen des Projekts profitieren.“ Zwar hätten akademische Projekte nur selten einen direkten Einfluss auf die Durchführung der konkreten Notfallmaßnahmen, können aber lehrreich sein, was in Zukunft nützlich werden kann.

Unfälle kennen keine Grenzen, und die Geografie darf kein entscheidender Faktor dafür sein, wie Hilfe geleistet wird.

Kenneth Achner

Die Universität zu Lübeck übernimmt die Koordination des Projektes als Leadpartner und bringt neben der Expertise und Ressourcen aus dem Grenzland weitere erfahrene Partnerinnen und Partner zusammen.

Auf deutscher Seite sind folgende Institutionen beteiligt:

  • Kreisfeuerwehrverband Ostholstein
  • Rettungsdienst Holstein AöR
  • Stadt Neustadt in Holstein
  • Technische Hochschule Lübeck

Aus Dänemark sind Teil des Projekts:

  • Lolland-Falster Brandvæsen
  • Præhospitalt Center i Region Sjælland
  • Sydsjællands og Lolland-Falsters Politi

Nachhaltige Zusammenarbeit über Sprachen und Kulturen hinweg

Stefan Leyk, Kreistagsabgeordneter für den Kreis Plön und deutscher Vorsitzender des Interreg-Ausschusses, betont in einer Pressemitteilung die Notwendigkeit einer Grundlage für die grenzüberschreitende Sicherheitskooperation: „Dadurch stärken wir nicht nur die regionale Sicherheit, sondern sorgen für eine langfristige und nachhaltige Zusammenarbeit zwischen deutschen und dänischen Behörden.“

Und auch Kathrine Monsrud Ekelund, Mitglied des Regionsrats in der Region Seeland und dänische Vorsitzende des Interreg-Ausschusses, kommt zu Wort. Sie sieht in dem Projekt „Flashlight“ ein hervorragendes Beispiel für die gemeinsame Sicherheit und Gefahrenabwehr in der neuen Grenzregion.

„Da die Fehmarnbelt-Querung die neue Lebensader zwischen Dänemark und Deutschland darstellt, ist es von entscheidender Bedeutung, dass unsere Rettungsdienste in der Lage sind, schnell und effektiv zu handeln – über Sprachen, Kulturen und Systeme hinweg. Dieses Projekt schafft nicht nur Lösungen für heute, sondern auch die Grundlage für eine sicherere und solidarischere deutsch-dänische Region von morgen.“

Auch Kenneth Achner betont nachdrücklich, dass die Zusammenarbeit zwischen allen Katastrophenschutzbehörden auf beiden Seiten der Grenze eine Notwendigkeit ist. „Unfälle kennen keine Grenzen, und die Geografie darf kein entscheidender Faktor dafür sein, wie Hilfe geleistet wird. Feuerwehr, Rettungsdienste, Polizei und Notdienste müssen in der Lage sein, zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Besuchenden an der Grenze zusammenzuarbeiten.“

Dies erfordere ständige Konzentration, Vorbereitung, Technik, Planung und Übungen sowie ein starkes Netzwerk zwischen den Behörden. „Nur so können wir sicherstellen, dass wir in einer realen Situation unser Bestes geben können.“

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