Zeitgeschichte

Alsensund vor 1.700 Jahren: Neue Wandteppiche erzählen vom Leben am Wasser

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Lis Hansen von der Stickgruppe enthüllte zusammen mit Museumsmitarbeiter Morten Larsen die vier gerahmten Wandteppiche, die im Vermittlungshaus des Vereins hängen.

340 nach Christus ruderten Krieger über den Alsensund, opferten ihr Boot im Moor und hinterließen damit Spuren, die heute noch von ihrem Leben erzählen. Vier neue Wandteppiche der Nydam-Gesellschaft machen die Geschichte des Bootes aus der Eisenzeitwelt wieder lebendig.

Während heute Autos über die Straßen rund um den Alsensund (Alssund) rollen, rudern vor 1.700 Jahren bewaffnete Männer in einem langen Eichenboot über das Wasser, legen Schwerter, Schilde und Ausrüstung schließlich als Opfer im Moor nieder. Und hinterließen Spuren, die bis heute erzählen, wie Menschen um 340 nach Christus in der Eisenzeit leben, kämpfen und glauben. 

Diese Welt zwischen Alltag am Sund und Kriegsbeute im Opfermoor fangen seit dieser Woche vier neue Wandteppiche ein und machen sie für Besucherinnen und Besucher sichtbar.

Die Wandteppiche ergänzen seit dieser Woche die Vermittlung rund um die Funde aus dem Nydam-Moor und die Rekonstruktion des Bootes Nydam Tveir am Sottrupskov nordwestlich von Sonderburg. 

Die Idee entstand bereits 2019

Die Motive des ersten Wandteppichs bilden das Leben um 340 am Alsensund ab.

Sechs Jahre lang gestaltete und bestickte die Nydam-Textilgruppe vom Verein „Selskabet for Nydamforskning“ vier große Bildteppiche. Sie zeigen in vier Themen Szenen aus der Eisenzeit, die Geschichte des Fundes im Nydam-Moor, die Reise des Nydam-Bootes sowie die Entstehung des rekonstruierten Ruderbootes Nydam Tveir.

Die Wandteppiche sollen in Zukunft Führungen zum Nydam-Projekt visuell begleiten. Lis Hansen ist Teil der Gruppe und sagt: „Sind wir zufrieden mit unserer Arbeit? Ja. Sind sie so geworden, wie wir geträumt haben? Ja. Vielleicht sogar ein bisschen besser.“ 

Die Idee für die Wandteppiche entstand 2019, als die Gruppe Entwürfe entwickelte, Motive auswählte und immer wieder darüber sprach, was auf den Teppichen erscheinen sollte und welche Darstellungsform am geeignetsten sein könnte. 

So sind die Wandteppiche entstanden

Lis Hansen ist eine von rund 20 Handarbeiterinnen, die sechs Jahre lang am Wandteppich gearbeitet haben.

Als Vorbild dienten schließlich die berühmten Wandteppiche von Bayeux in Frankreich, die historische Ereignisse in fortlaufenden Bildgeschichten darstellen. Die lokale Künstlerin Inge Detlefsen begleitete den Prozess.

Die Beteiligten der Nydam-Textilgruppe entwickelten jedes Motiv nach umfangreicher Vorbereitung und legten großen Wert auf Details, Farben und Komposition, bevor sie mit den eigentlichen Wandteppichen begannen. 

Das perfekte Garn aus Finnland fanden die Stickerinnen am Ende in Deutschland, und für das Projekt entstanden mehr als 100 Probestücke, damit die Stickereien auf den fertigen Teppichen möglichst differenziert und klar wirkten. 

Den ersten Stich gab es im April 2022. Rund 20 Beteiligte stickten überwiegend zu Hause, besprachen aber regelmäßig im Haus die einzelnen Teile, damit Stiche und Farben trotz unterschiedlicher Handschrift möglichst einheitlich wirken. Schwierigkeiten lösten sie gemeinsam, indem sie problematische Stellen übten, aufhängten, anschauten und im Austausch anpassten, bis Farben und Formen stimmig wirkten.

Hier am Sottrupskov hat der Nydam-Verein sein Haus der Vermittlung eingerichtet.

In Kursen und Treffen erlernten Stickerinnen neue Techniken, suchten den passenden Stoff, sicherten die Finanzierung und achteten auf einen stimmigen Bildfluss, bevor sie mit der eigentlichen Stickarbeit begannen. 

Während der Arbeit am Projekt trafen sich Stickerinnen und Sticker regelmäßig in der Nähstube des Vereins in Ulderup (Ullerup), besprachen Farbtöne und Motive und tauschten sich über jede noch so kleine Änderung aus. Die Gruppe nahm an Workshops teil und kombinierte historische Recherche und handwerkliche Präzision mit über Jahre gewachsener, gemeinsamer Textilarbeit.

Lis Hansen betont, dass viele Menschen an dem Projekt beteiligt sind und alle wichtig sind. Sie sagt: „Es gibt niemanden, der entbehrlich ist. Niemand hätte bei diesem Projekt fehlen dürfen.“ 

Der Nachbau zeigt: So sah das Nydam-Boot damals aus, als es etwa 320 nach Christus gebaut wurde.

Die Wandteppiche hängen nun im Vermittlungshaus und ziehen die Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher auf sich. Die Gruppe freut sich, dass das Handarbeitsprojekt Aufmerksamkeit auf Nydam lenkt und damit dem Zweck der Nydam-Gesellschaft entspricht. 

Die Wandteppiche dienen als Bildfläche und zugleich als „Redepapier aus Stoff und Stickerei“, das die Geschichte vom Fund in der Moorlandschaft, von der Reise des Nydam-Bootes und von der Bedeutung des Hauses Nydam Tveje erzählt.

Was die Wandteppiche bedeuten

Zur Enthüllung der Wandteppiche, die hier im Hintergrund zu sehen sind, fand ein kleines Fest im Vereinshaus statt.

Morten Larsen arbeitet als Einheitsleiter für den Bereich Archäologie beim Museum Sønderjylland und leitet seit April die archäologische Einheit des Museums. 

Er nahm an der Enthüllung der Wandteppiche teil und beschreibt ihre Bedeutung so: „Das bedeutet wirklich, wirklich viel. Es geht ja nicht nur um den eigentlichen Fund, den wir auf dem ersten Teppich sehen können, sondern auch um die Geschichte des Fundes und darum, wie man ihn entdeckt und im nationalen Zusammenhang verstanden hat. Das bedeutet sehr viel für das lokale Gebiet. Es gehört außerdem zu den allerwichtigsten Fundkomplexen in Dänemark.“ 

Hinweis zur Veranstaltung

Morten Larsen vom Museum Sønderjylland sagt: „Das Nydam-Boot gehört außerdem zu den allerwichtigsten Fundkomplexen in Dänemark.“

Die Nydam-Gesellschaft präsentierte das Ergebnis des mehrjährigen Gemeinschaftsprojekts zunächst bei einer Vernissage für Mitglieder und geladene Gäste. 

Mit der öffentlichen Präsentation im Rahmen des „Offenen Naust“ am Sonntag, 14. Dezember, erhalten Besucherinnen und Besucher erstmals die Möglichkeit, die Wandteppiche aus nächster Nähe zu betrachten und zugleich mehr über das Stickprojekt und die archäologischen Funde aus dem Nydam-Moor zu erfahren. 

Am Sonntag, 14. Dezember, öffnet das Naust in Sottrupskov 36A von 14 bis 16 Uhr seine Türen und Tore für alle Interessierten und rückt die neuen Wandteppiche in den Mittelpunkt der Vermittlungsarbeit rund um das Nydam-Projekt. 

Die Geschichte des Nydam-Bootes

Wenige Meter neben dem Vermittlungshaus mit den Wandteppichen liegt der Nachbau des Nydam-Boots, das Nydam Tveir. Das originale Nydam-Boot steht im Museum von Schloss Gottorf bei Schleswig.