Finanzen

Tausende Familien stellen auch 2025 Antrag auf Weihnachtshilfe

Veröffentlicht Geändert
Weihnachtshilfe
Bei 40 Prozent der Familien wirkt sich die finanzielle Situation negativ auf das Wohlbefinden der Kinder aus, und 20 Prozent geben an, dass sie es sich nicht leisten können, ihre Kinder zu Freizeitaktivitäten zu schicken.

Bei der Hilfsorganisation Dansk Folkehjælp steigen die Antragszahlen seit fünf Jahren kontinuierlich an – trotz eines Rückgangs im laufenden Jahr. In Familien leiden vor allem Kinder unter den finanziellen Engpässen. Wie die Entwicklung in den vier Kommunen in Nordschleswig aussieht, zeigen zwei Grafiken.

18.458 Familien haben in diesem Jahr Weihnachtshilfe (julehjælp) bei Dansk Folkehjælp beantragt. In diesen Familien leben insgesamt 33.922 Kinder. Viele der Familien befinden sich nach Angaben der Hilfsorganisation in einer kritischen finanziellen Lage. In Süddänemark wurden insgesamt 4.098 Anträge gestellt. 

Meiste Anträge in Nordschleswig in Sonderburg

In Nordschleswig wurden die meisten Anträge (288) in diesem Jahr in der bevölkerungsreichsten Kommune Sonderburg (Sønderborg, 74.096 Einwohnende) gestellt. In der Kommune Tondern (Tønder, 36.399 Einwohnende) lag die Zahl bei 137. Im Verhältnis zur Einwohnendenzahl sind die Zahlen aber in etwa gleich hoch. Hier liegt die Kommune Hadersleben (Haderslev, 55.354) mit 203 Anträgen im Verhältnis noch unter den anderen drei Kommunen.

Auffällig ist, dass auch in Nordschleswig vor allem Alleinerziehende und Frauen die Weihnachtshilfe beantragen. 

Finanzielle Situation verschlechtert sich

Laut Dansk Folkehjælp empfinden 40 Prozent der Antragstellerinnen und Antragsteller, dass ihre finanzielle Situation negative Auswirkungen auf ihre Kinder hat. Über die Hälfte schätzt, dass sich ihre Lebenssituation in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert hat.

27 Prozent haben in den vergangenen sechs Monaten feste Ausgaben wie Miete, Strom und Heizung nicht bezahlt, und 85 Prozent mussten sich Geld von Freunden leihen.

Die Zahlen zeigen außerdem, dass jeder vierte Antragstellende nicht drei Mahlzeiten pro Tag bekommt, während 37 Prozent sich gestresst fühlen und mehr als jeder Dritte schlecht schläft.

20 Prozent der Familien geben an, dass sie es sich nicht leisten können, ihre Kinder zu Freizeitaktivitäten zu schicken.

Zahl der Anträge steigt seit Jahren

Die Organisation gibt an, dass die Zahl der Antragstellenden in den vergangenen fünf Jahren um 23 Prozent gestiegen ist. Dennoch ist die Zahl der Hilfesuchenden von 2023 und 2024 bis zum laufenden Jahr zurückgegangen. Im vergangenen Jahr beantragten 20.319 Personen Hilfe, während die Zahl im Jahr 2023 bei 21.581 lag.

„Wir sind eigentlich wieder auf dem gleichen Niveau wie 2022. Ich glaube, dass die höheren Zahlen, die wir vor ein paar Jahren gesehen haben, auf den extremen Inflationsdruck damals zurückzuführen sind“, sagt Mirka Mozer, Generalsekretärin von Dansk Folkehjælp.

Sie sagt aber auch: „Ich glaube aber nicht, dass man einfach davon ausgehen sollte, dass die geringere Zahl in diesem Jahr bedeutet, dass weniger Menschen tatsächlich Hilfe benötigen.“

Sozialdienst bietet keine flächendeckende Weihnachtshilfe an

Das glaubt auch Ursula Petersen vom Sozialdienst Nordschleswig nicht. Mit den geplanten Reformen beim Beschäftigungseinsatz (beskæftigelsesindsatsen), dem Ressourcenverlauf (ressourceforløb) und bei der Arbeitslosenhilfe (kontanthjælp) könne man davon ausgehen, dass der Bedarf steigt. „Ich habe da ein Bauchgefühl“, sagt die Abteilungsleiterin. Weiterhin steigende Lebensmittelpreise kämen hinzu. 

Selbst bietet der Sozialdienst flächendeckend keine Weihnachtshilfe an. In der Vergangenheit habe es zwar beim Deutschen Tag die Möglichkeit gegeben, für Weihnachtskörbe zu spenden, dies habe sich aber nicht durchgesetzt. 

Heute sammeln der Sozialdienst Fördekreis und der Sozialdienst Sonderburg für die Weihnachtshilfe ein. „Wir machen im Mai und Juni Wanderungen, wo die Teilnehmenden 20 Kronen bezahlen. Das Geld wandert dann in den Topf für die Weihnachtshilfe“, sagt Rainer Naujeck, Kassierer beim Sozialdienst Fördekreis. In diesem Jahr würde nur eine Familie mit mehreren Kindern einen ökonomischen Zuschuss bekommen. In der Vergangenheit gab es noch weitere Familien, deren finanzielle Verhältnisse sich glücklicherweise verbessert haben. Im Sozialdienst Sonderburg würden in diesem Jahr einige wenige Familien ebenfalls einen Zuschuss erhalten.  

Für Notfälle gebe es auch eine Erbschaft, die der Sozialdienst Fördekreis für soziale Zwecke nutzen kann, sagt der 70-Jährige. 

„Es ist aber denkbar, dass wir das in Zukunft wieder anbieten“, sagt Ursula Petersen. Dann vielleicht in anderer Form. Das größte Bedürfnis sei Geld, also finanzielle Unterstützung. 

Ihr seien aber derzeit keine Fragen an die Familienberaterinnen zu dem Thema bekannt. „Wenn Leute anrufen, dann vermitteln wir sie gerne an Organisationen, die Weihnachtshilfe anbieten und helfen auch beim Antrag“, so Petersen. 

Wo es Weihnachtshilfe gibt

Die Weihnachtshilfe von Dansk Folkehjælp besteht aus einem Geschenkgutschein im Wert von 800 Kronen für Weihnachtsessen sowie 500 Kronen pro Kind für Weihnachtsgeschenke, jedoch maximal 2.800 Kronen pro Familie. Die Weihnachtshilfe wird so schnell wie möglich verschickt, damit sie rechtzeitig vor Weihnachten ankommt. Antragsschluss war am 17. November. Im vergangenen Jahr teilte die Organisation insgesamt 23.405.313 Kronen an bedürftige Familien aus.

Dansk Folkehjælp ist dabei nicht die einzige Organisation, die Weihnachtshilfe anbietet. Organisationen wie die Heilsarmee (Frelsens Hær), das Rote Kreuz, Mødrehjælpen oder Blå Kors tun dies ebenfalls. Oft ist ein Antrag bis Mitte Dezember möglich. Alle Organisationen meldeten schon im vergangenen Jahr steigende Antragszahlen, wie Zahlen aus dem Dezember 2024 zeigen